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Teufelsstein

Teufelsstein bei Schköna in der Dübener Heide: Foto: Ralf Bülow

Von Ralf Bülow

Schköna (welt-der-bronzezeit) - Seit Ende Mai 2008 ist im Landesmuseum in Halle/Saale die "Himmelsscheibe von Nebra" in einer neu gestalteten Abteilung zu sehen und erregt zu Recht das Interesse der Öffentlichkeit. Darüber sollte aber nicht vergessen werden, dass es in der Astroarchäologie noch andere faszinierende Denkmäler gibt, etwa Steinkreise oder – mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit – die Schalen- oder Näpfchensteine. Das sind Findlinge, auf deren Oberfläche Gruppen von Vertiefungen angebracht wurden, die sich durchaus als Sterndarstellungen interpretieren lassen.

Mindestens zwei solcher Findlinge befinden sich in der Nähe des Dorfes Schköna in der Dübener Heide, einem Waldgebiet südlich von Wittenberg. In der lokalen Überlieferung gelten sie als der Lutherstein und der Teufelsstein. Als Schalensteine identifizierte sie der Frühgeschichtler Otto-Friedrich Gandert am 3. November 1927. Publiziert hat er seinen Fund aber zehn Jahre später in dem Artikel „Die Entdeckung zweier Näpfchensteine in der Dübener Heide“ in Heft 6/1937 der Zeitschrift „Mitteldeutsche Volkheit – Hefte für Vorgeschichte und Volkskunde“.

Der interessantere der beiden Brocken ist der auf freiem Feld stehende Teufelsstein aus Biotit-Granit, der rund 1,50 Meter aus dem Erdreich ragt und oben leicht abgeflacht ist. Diese Plattform misst etwa 1,90 mal 2 Meter. Gandert schrieb weiter:

„Die Schälchen verteilen sich auf zwei Gruppen. Gruppe I liegt im Südwesten der Plattform und umfaßt 26 Schälchen. Das größte ist 15 mm tief und hat 73 mm Durchmesser, das kleinste ist 30 mm tief und 36 mm groß. [...] Gruppe II mit 40 Schälchen überspannt in teils gedrängter, teils lockerer Streuung den Nordosten der Fläche. Dort liegt auch zwischen den Schälchen eine 45 cm lange und 15 mm tiefe Halbmondrille. Sie stellt für den Betrachter, wenn er auf dem näpfchenfreien Südostviertel des Steines steht, den zunehmenden (!) Mond dar. Bei der Gruppe II ist das größte Schälchen 65 mm breit und 15 mm tief, das kleinste 36 mm breit und 20-30 mm tief.“

Anzumerken ist, dass die als Halbmondrille bezeichnete Struktur wohl natürlichen Ursprungs ist. Ein astronomisches Felsbild könnte demnach so entstanden sein, dass der „Künstler“ die Rille als Ausgangsmerkmal nahm, um das er die Näpfchen als Sterndarstellungen gruppierte. Nach Funden aus benachbarten Hügel- und Flachgräbern ordnete Gandert die Schalen der mittleren bis jüngeren Bronzezeit zu, was 1600 bis 1200 v. Chr. entsprechen dürfte (Lausitzer Kultur). Damit wären sie nach dem Vergraben der Nebra-Scheibe entstanden, das um 1600 v.Chr. geschah.

Anzustreben wäre für beide Findlinge eine genaue Übersicht der Verteilung der einzelnen Schalen, um mögliche Sternbilder zu identifizieren. In seinem Artikel von 1937 regte Gandert „eine amtliche Grabung in der allernächsten Umgebung des Teufelssteines und des Luthersteines“ an, die aber nie erfolgte. Außerdem sollte das weitgehend vergessene Buch des Astronomen Rolf Müller „Der Himmel über dem Menschen der Steinzeit“ (Berlin 1970) – dem wir den Hinweis auf die Findlinge verdanken – einmal von allen Freunden der Bronzezeit-Astronomie studiert werden.

Noch ein paar Sätze zu Otto-Friedrich Gandert: Er war ein Sohn der Dübener Heide und wurde 1898 als achtes Kind des Pastors Emil Ludwig Gandert in Söllichau geboren, einem Nachbarort von Schköna. Schon als Kind interessierte er sich für die Urgeschichte der Region und studierte nach dem I. Weltkrieg das Fach in Berlin und Halle. In Berlin lernte er neben dem Studium als Volontär die Staatlichen Museen kennen. Seine Doktorarbeit in Halle/Saale behandelte steinzeitliche Haushunde.

Nach der Promotion war Gandert zunächst Assistent an der Landesanstalt für Vorgeschichte in Halle/Saale. Ab 1928 leitete er die Vorgeschichtliche Abteilung am Kaiser-Friedrich-Museum Görlitz und wurde dann Direktor der städtischen Kunst- und Altertumssammlungen. Von 1936 bis 1945 arbeitete er in Berlin als Direktor der vorgeschichtlichen und der naturkundlichen Abteilung am Märkischen Museum.

Nach Kriegsdienst und Gefangenschaft übernahm Gandert 1946 die Leitung des Museums für Vorgeschichte und Naturkunde in Oldenburg, ehe er 1951 als Kustos an das Berliner Museum für Vor- und Frühgeschichte kam. Von 1958 bis 1963 war er dort Direktor; in seine Zeit fallen bedeutende Ausgrabungen zur Urgeschichte Berlins, wichtige Sonderausstellungen und auch der Einzug des Museums in den Westflügel von Schloss Charlottenburg. Otto-Friedrich Gandert starb 1983.

Mondrille

Halbmondrille des Teufelssteins. Foto: Ralf Bülow

Naepfchen1

Näpfchen eines Schalensteins bei Schköna. Foto: Ralf Bülow
  Fri, 18 Apr 2008 20:13:00 +0200

Online Videos by Veoh.com

Video: "Bronze Age and Three Gorges Dam" von "NTDTV" bei Veoh
http://www.veoh.com/videos/v658439XKTN85RN

Beschreibung des Videoclips:

Hello everyone. Welcome to Journey to the East. I'm Anna Chan. Spanning across two long dynasties, from the Shang Dynasty between 1600-1050 B.C, and the Zhou Dynasty between 1046-256 B.C., the Bronze Age emerged in China. From objects for worshipping, to ornaments for the emperors, musical instruments for entertainment, to weapons for war, this age has been recorded as one of the most significant in Chinese history. In today's Five Thousand Years segment, we will see how bronze was used in ancient China and the objects that are among the most representative of Bronze objects in the world today. Then following, in our China Today segment, we will show the last part from the documentary on the Three Gorges Dam in China.
Die meisten missglückten Schädelope­rationen der Urgeschichte gab es zur Zeit der bronzezeitlichen Aunjetitzer Kultur (vor etwa 2000 v. Chr.). Damals sind - im Gegensatz zur Jungsteinzeit - nur noch etwa 72 Prozent der Schädeloperationen gelungen. Die Ursache für diese geringere Heilungsquote ist unbekannt.
Wiesbaden (welt-der-bronzezeit) - Die ersten Befestigungen mit steinernen Mauern und Türmen in Europa entstanden während der Bronzezeit, die in manchen Gebieten schon um 2300 v. Chr. begann und teilweise erst um 500 v. Chr. endete. Solche wehrhaften Burgen kennt man aus Spanien, dem mediterranen Frankreich, Deutschland, Ungarn und Griechenland.
  Wed, 30 Jan 2008 08:10:00 +0100
Wiesbaden (welt-der-bronzezeit) - Die Bauern, Bronzegießer und Burgherren in der Bronzezeit von etwa 2300 bis 800 v. Chr. haben nicht nur Gerichte aus Getreidemehl sowie Fleisch von geschlachteten Haus- und gejagten Wildtieren gegessen. Ihr Speisezettel war viel reichhaltiger: Sie verzehrten auch Gemüse, Salat, Obst, Vogeleier, Fische, Milch, Käse, würzten ihre Mahlzeiten mit Salz oder süßten sie mit Honig und tranken Alkohol.

Archäologische Funde und Abdrücke von Getreidekörnern verraten, dass damals Nacktgerste, mehrzeilige Gerste, Saatweizen, Emmer, Einkorn, Rispenhirse und Dinkel gesät und geerntet wurden. Aus dem daraus gewonnenen Mehl hat man Suppen, Breie und Brote hergestellt. Zudem tischte man eßbare Ackerunkräuter - wie Roggentrespe und Windenknöterich - auf.

In manchen Fällen hat man sogar Toten noch Brot als Wegzehrung für das Jenseits mit ins Grab gelegt. Derartige Funde glückten in Bellenberg (Landkreis Neu-Ulm) in Bayern sowie in Heek und Rhede (beide Landkreis Borken), Telgte-Raestrup (Landkreis Warendorf ) und Rheine-Meseum (Landkreis Steinfurt) in Nordrhein-Westfalen.

Als Haustiere sind Rinder, Schafe, Ziegen, Schweine, Pferde und Hunde nachgewiesen. Ihr Fleisch wurde in Tongefäßen gekocht und über offenem Feuer gebraten. Kühe und Ziegen lieferten Trinkmilch, aus der man manchmal - worauf tönerne Siebgefäße hindeuten - auch Käse zubereitet hat.

Suppen, Breie, Brote und Fleisch sind sicherlich gesalzen worden. Schließlich hat man im oberösterreichischen Hallstatt um 1200 v. Chr. die ältesten Salzbergwerke der Erde betrieben und in der Gegend von Halle/Saale in Sachsen-Anhalt tönerne Geräte zur Salzherstellung entdeckt. In manchen Dörfern betrieb man schon die Imkerei und wußte den Honig der Bienen als Leckerei oder Süßungsmittel zu schätzen.

Dank der schon in der Jungsteinzeit aufgekommenen Landwirtschaft spielte die Jagd auf wilde Tiere in der Bronzezeit keine wichtige Rolle mehr bei der Ernährung. Braunbären, Elche, Rothirsche, Rehe, Auerochsen, Wildschweine, Hasen, Biber und Wildgeflügel (Enten, Gänse, Kormorane, Kraniche) sorgten nur lediglich für Abwechslung auf dem Speisezettel. Man brachte die großen Tiere mit Speeren und die kleinen mit Pfeil und Bogen zur Strecke.

Speisereste, Angelhaken, Netzreste und -senker sowie Harpunen belegen gelegentlichen Fischfang an Flüssen und Seen. Das Fleisch von Muscheln aus Bächen, Flüssen, Seen und Meeren sowie die Eier von brütenden Wildvögeln wußte man sporadisch ebenfalls zu schätzen. Der Fischfang und die Jagd auf Wasservögel erfolgten teilweise von Booten aus.

Außer Getreide baute man in der Bronzezeit auch Gemüse wie Kohl, Möhren, Linsen, Erbsen und Ackerbohnen (Pferde- oder Saubohnen genannt) an. Sie dienten zur Herstellung von Brei. Aus Schlafmohn, Flachs und später Leindotter wurde pflanzliches Öl für Speisezwecke gewonnen.

Nach den Funden aus damaligen Siedlungen zu schließen, waren auch viele eßbare Sammelpflanzen bekannt, die in freier Natur wuchsen. Dazu gehören Wildäpfel, Wildbirnen, Schlehen, Trauben von Wildem Wein, Kornelkirschen, Himbeeren, Walderdbeeren, Brombeeren, Schwarzer Holunder, Haselnüsse und Eicheln. Weintraubenreste kennt man aus Franzhausen in Niederösterreich und aus Plauen (Elstertalkreis) in Sachsen. Obst ist mitunter als Vorrat gedörrt worden.

Krusten aus Kochtöpfen der spätbronzezeitlichen Seeufersiedlung von Zug in der Schweiz zeigten, dass man verschiedene Pflanzen zusammen zubereitete. Eine solche Kruste bestand vor allem aus Dinkel und Linsen, mit denen Saatgerste, Rispenhirse, Seebinse, großes Nixenkraut, Haselnuß, Hahnenfuß, Brombeere, Wildapfel, Hundspetersilie, bittersüßer Nachtschatten, Zwergholunder und Feldsalat vermischt wurden.

Im Grab einer Frau von Egtved in Dänemark ist in einer Birkenrindenschachtel sogar der Rest eines alkoholisches Getränkes nach gewiesen worden. Es handelte sich um ein Fruchtbier aus Weizen und Preiselbeeren mit Zusatz von Porst und Honig. Drei bronzene Gefäße - ein Eimer, eine Tasse und ein Sieb - in einem reich ausgestatteten Grab von Hart an der Alz (Landkreis Altötting) in Bayern gelten als Weinservice. Dem damit versehenen, wohl bedeutenden Toten hatte man auch Teile eines vierrädrigen Prunkfahrzeuges ins Grab gelegt.

Zumindest in Bayern hat man bereits Hanf oder Mohn geraucht. Den Beweis dafür lieferte der Fund des tönernen Kopfes einer Pfeife aus Bad Abbach-Heidfeld (Landkreis Kelheim), an dem noch ein winziger Rest des einstigen hölzernen Saugrohres haftete.
  Wed, 30 Jan 2008 07:42:00 +0100
Wiesbaden (welt-der-bronzezeit) - Die ersten Rasiermesser aus Metall gab es ab der mittleren Bronzezeit um 1600 v.Chr. in Europa. Derartige Funde wurden unter anderem auch in Deutschland und Dänemark relativ häufig geborgen. Die Rasiermesser der damaligen Zeit bestehen aus ausgedengelter Bronze und haben messerartige bis halbmondförmige Gestalt. Man benutzte zwei- und einschneidige Rasiermesser. Bei ersteren wurde vorwiegend der Griff verziert, bei zweiteren neben dem Griff auch Blatt und Rücken. Experimente haben gezeigt, dass man mit bronzezeitlichen Rasiermessern gut die Kopf- und Barthaare schneiden konnte.


Video "Countryside history - 2000 BC" von Youtube
http://www.youtube.com/watch?v=2U2K_sHJqCg

Leseprobe aus dem Taschenbuch „Die Bronzezeit“ von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Als Bronzezeit wird jenes Zeitalter der Menschheitsgeschichte bezeichnet, in dem erstmals in größerem Umfang aus einer Verbindung der Metalle Kupfer und Zinn – nämlich Bronze – Werkzeuge, Waffen und Schmuck angefertigt wurden. Nach der vorangegangenen, viel längeren Steinzeit ist die Bronzezeit in Europa mit ihrer verhältnismäßig geringen Dauer von maximal 1500 Jahren das zweitlängste Zeitalter der Urgeschichte.
Die Bronzezeit begann – nach den ältesten Bronzefunden zu schließen – in Mesopotamien, Ägypten, auf der Mittelmeerinsel Kreta, in Troja und Südosteuropa schon um 2500 v. Chr., nahm in manchen Teilen Mitteleuropas etwa 2300 v. Chr. ihren Anfang und setzte in Nordeuropa erst gegen 1600 v. Chr. ein. Die Bronzezeit endete mit dem Aufkommen des Eisens, also bei den Hethitern in Kleinasien schon 1300 v. Chr., in Griechenland etwa 1200 v. Chr., in Italien und auf dem Balkan um 1000 v. Chr., in Teilen Mitteleuropas ungefähr 800 v. Chr. und in Nordeuropa erst um 500 v. Chr. Bronzezeitliche Kulturen haben in Europa, Afrika und Asien existiert.
Der Begriff »Bronzezeit« wurde 1836 in einem Museumskatalog durch den dänischen Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen (1788–l865) aus Kopenhagen eingeführt. Statt des Namens Bronzezeit schlug der Prähistoriker Christian Strahm aus Freiburg/Breisgau bei einem Vortrag im April 1991 den Ausdruck »Metallikum« vor, weil man erst seit diesem Abschnitt von einer weitverbreiteten Metallurgie sprechen könne. Strahm bezeichnete die ältere Frühbronzezeit in Mitteleuropa als »Aufbauphase« und die entwickelte Frühbronzezeit als »industrielle Phase« der Metallurgie.
Bis in die Bronzezeit reichen die Anfänge der Antike, also des klassischen oder griechisch-römischen Altertums, zurück. Die Historiker datieren den Beginn der Antike uneinheitlich. Sie lassen die Antike entweder schon mit der frühgriechischen Einwanderung in Hellas vor 1500 v. Chr. beginnen oder erst mit der eigentlichen griechischen Geschichte etwa 500 Jahre später. Auch bezüglich des Endes der Antike war man sich nicht einig. Es wird durch bestimmte historische Ereignisse – wie etwa den Beginn der Alleinregierung Konstantins 324 n. Chr. oder die Absetzung des letzten weströmischen Kaisers Romulus Augustus durch den Söldnerführer Odoaker 476 n. Chr. – markiert.
Außer den archäologischen Funden geben auch zahlreiche schriftliche Quellen über das bronzezeitliche Leben Auskunft, weil in dieser Periode die Schrift in Ägypten, Sumer und Babylonien bereits bekannt war und auf Kreta, in Phönikien und Griechenland eingeführt wurde. So liegen beispielsweise für Ägypten aus der Zeit nach 2000 v. Chr. die Dauer der einzelnen Herrscherdynastien, die Regierungszeit der Pharaonen, deren Namen sowie Jahreszahlen wichtiger Ereignisse vor. Dieses Zahlengerüst liefert manchmal wertvolle Anhaltspunkte bei Datierungsfragen.
  Fri, 11 Jan 2008 21:15:00 +0100
Bronzezeitbuch

Wiesbaden (welt-der-bronzezeit) - Alle Kulturen der Bronzezeit in Deutschland werden im Weblog "Welt der Bronzezeit" beschrieben. Dabei handelt es sich um Texte in alter deutscher Rechtschreibung für das 1996 erschienene Buch "Deutschland in der Bronzezeit" des Wiesbadener Wissenschaftsautors Ernst Probst. Das Weblog ist unter der Adresse http://welt-der-bronzezeit.blogspot.com im Internet zu finden. Am Anfang wird die Aunjetitzer Kultur beschrieben, am Ende die Lausitzer Kultur. Das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" ist vergriffen und nur noch gebraucht erhältlich! Zum Beispiel bei: http://www.zvab.de

Die Bronzezeit gilt als erste und längere der so genannten Metallzeiten in Europa. In dieser Zeit wurden Werkzeuge, Waffen und Schmuck aus Bronze hergestellt. Bronze ist eine Metalllegierung aus Kupfer und Zinn.

Die Bronzezeit begann in Süddeutschland schon vor etwa 2.300 v. Chr. und endete um 800 v. Chr. In Norddeutschland dagegen währte sie von etwa 1.600 bis 500 v. Chr.

Mit der ersten und längeren der Metallzeiten in Europa befasst sich das Weblog "Welt der Bronzezeit". Es informiert über Entdeckungen, Funde, Museen, Ausstellungen, Bücher und Internetseiten.

Weil die meisten Goldfunde der Urgeschichte aus der Bronzezeit stammen, wird diese von manchen Prähistorikern auch als "goldenes Zeitalter" bezeichnet. Berühmt sind vor allem die so genannten "goldenen Hüte" aus Süddeutschland und Südfrankreich, die eine Rolle im Kult spielten.
  Fri, 11 Jan 2008 12:13:00 +0100
Leseprobe aus dem E-Book und dem Taschenbuch "Die Lausitzer Kultur" von Ernst Probst:

Eine der wichtigsten Kulturen Mitteleuropas war von etwa 1300 bis 500 v. Chr. die Lausitzer Kultur. Sie entwickelte sich vermutlich aus der Vorlausitzer Kultur und existierte während der mittleren und jüngeren Bronzezeit sowie in der frühen Eisenzeit. In diesem Kapitel werden lediglich die bronzezeitlichen Abschnitte von etwa 1300 bis 800 v. Chr. behandelt, die ungefähr der Lebensdauer der süddeutschen Urnenfelder-Kultur entsprechen.
Das Verbreitungsgebiet der Lausitzer Kultur reichte im Westen bis an die Saale in Mitteldeutschland, während es im Süden Nordböhmen, Nordmähren und die nordwestliche Slowakei umfaßte. Im Nordwesten gehörte das südliche Brandenburg dazu, und im Osten bildete die heutige polnische Provinz Posen (Poznan) die Grenze. Die Prähistoriker unterscheiden zwischen einer Ost-, West-, schlesisch-mährischen, oberschlesisch-polnischen, mittelschlesischen und einer Lausitz-sächsischen Gruppe.
Zur Westgruppe rechnet man die einst vor allem in der Lausitz im südlichen Brandenburg und in Sachsen ansässige Lausitz-sächsische Gruppe. Dazu gehörten im Norden die Spindlersfelder Gruppe, im Osten die Niederlausitzer Gruppe, Neißemündungs-Gruppe, Oberlausitzer Gruppe, Aurither Gruppe sowie im Westen die Fläming-Gruppe, Schliebener Gruppe, Elbe-Mulde-Gruppe, Elbe-Elster-Gruppe, Dresdener Gruppe und Osterländische Gruppe. Letztere hatte sich überwiegend östlich der Saale in Sachsen-Anhalt und Thüringen sowie geringfügig auch in der Umgebung westlich der Saale niedergelassen.
Den Begriff Lausitzer Kultur hat 1880 der damals an der Universität Berlin wirkende Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902) geprägt. Virchow erkannte bei Besuchen des Gräberfeldes von Zaborow bei Priment (Provinz Posen) in den 1870er und 1880er Jahren, daß ein Teil der dortigen Funde von einer selbständigen Kultur stammt. Denn bestimmte Tongefäße lagen tiefer als die slawische Keramik und unterschieden sich durch ihr feineres Tonmaterial, ihre Form und Verzierungen deutlich von dieser.

*

Bestellungen des E-Books "Die Lausitzer Kultur" bei "GRIN Verlag für akademische Texte":
http://www.grin.com/e-book/93341/die-lausitzer-kultur
Die bemalten Steinkisten

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Zu beiden Seiten der unteren Saale in Sachsen-Anhalt breitete sich von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. der Lebensraum der Saalemündungs-Gruppe aus, die vor allem im Köthen/Bernburger Land konzentriert war. Diese Gemeinschaft konnte jenseits der Elbe nur geringfügig Fuß fassen. Die Bezeichnung »Saalemündungs-Gruppe« wurde 1935 von dem damals am Landesmuseum Halle/Saale arbeitenden Prähistoriker Hellmut Agde (1909-1940) vorgeschlagen.
Nachbarn der Saalemündungs-Gruppe waren im Süden die Helmsdorfer Gruppe, im Westen die Lüneburger Gruppe, im Norden die Elb-Havel-Gruppe der nordischen jüngeren Bronzezeit und im Osten die Spindlersfelder Gruppe der Lausitzer Kultur. Mit Angehörigen dieser, aber auch anderer Gemeinschaften hatten die Menschen der Saalemündungs-Gruppe Kontakt und betrieben sie Tauschgeschäfte.
Bei Untersuchungen der menschlichen Leichenbrände aus Steinkistengräbern der Saalemündungs-Gruppe haben Anthropologen eine auffällig hohe Sterblichkeit von Kindern und Jugendlichen festgestellt. Mitunter kamen auf zehn nichterwachsene nur drei erwachsene Tote.
Der Stoff für die Kleidung aus Leinen oder Schafwolle wurde auf Webstühlen angefertigt. Reste eines etwa drei Meter breiten Webstuhles von unbekannter Höhe kamen in der Siedlung von Wallwitz1 (Kreis Jerichower Land) unweit von Magdeburg zum Vorschein. Dabei handelte es sich um Pfostenlöcher der Holzkonstruktion des Webstuhles und um tönerne Webgewichte in einer Siedlungsgrube.
Mit dem Wallwitzer Webstuhl ließen sich – wie die Aufreihung der Webgewichte ergab – Stoffbahnen von etwa zwei Meter Breite herstellen. Dieses Gerät wurde durch einem Brand zerstört. Beim Verbrennen der Kettfäden fielen die tönernen Webgewichte lotgerecht auf einer Länge von 2,45 Metern in die Grube.
Die pyramidenförmigen Webgewichte aus Wallwitz sind etwa 16 bis 18 Zentimeter lang und im oberen Drittel durchbohrt, damit die Kettfäden befestigt werden konnten. Die
an mehreren Löchern durch Kettfäden entstandenen Scheuer- und Schleifspuren belegen einen längeren Gebrauch der Webgewichte.
Häufig wurden die Siedlungen neben einem Bach oder Fluß angelegt. Meistens blieben davon nur noch runde Vorratsgruben erhalten. Es gab unbefestigte sowie mit Graben und Wall gesicherte Siedlungen.
Die unbefestigte Siedlung von Wallwitz umfaßte 16 Häuser. Ein Bronzedepot in einem dieser Gebäude wird von dem Ausgräber Heribert Stahlhofen aus Halle/Saale als Opfer- oder Weihegabe gedeutet. Dabei könnte es sich nach seiner – nicht unumstrittenen – Ansicht um ein Bauopfer handeln, das man vollbrachte, um für die Bewohner des Hauses Glück und Segen zu erbitten.
Die Kombination des Bronzedepots mit Schmuck (Armring, Spiralplattenfibel), Waffe (Lanzenspitze) und Arbeitsgerät (Sichelfragment), die sich sowohl aus weiblichen als auch aus männlichen Besitzanteilen zusammensetzt, könnte ein Hinweis für eine gemeinsame Opfergabe der Hausbewohner sein. Aber auch ein Handwerkerdepot ist nicht ganz auszuschließen, weil von der Sichel ein Stück abgetrennt und anderweitig verwendet wurde. Ungefähr
200 Meter vom Fundort dieses Depots entfernt hatte man einzige Jahrzehnte zuvor ein weiteres Depot entdeckt, das zwei bronzene Armbergen oder Beinringe enthielt.
Wie groß die Häuser jener Zeit waren, belegt ein Fund aus Wulfen im Kreis Köthen. Der dort freigelegte Grundriß eines Pfostenhauses ist etwa 14 Meter lang und fünf Meter breit.
Anhand eines Tierknochens aus einem der Steinkistengräber von Altenburg (Kreis Bernburg) konnte die Haltung von Schafen nachgewiesen werden. Daß man auch Pferde als Haustiere besaß, beweisen Funde aus Halle/Saale-Kanena und Wallwitz (Kreis Jerichower Land). Der vom Rumpf getrennte Pferdekopf aus Halle-Kanena wurde von dem Prähistoriker Walther Schultz (1887-1982) aus Halle/Saale als Opfergabe gedeutet.
Die Tongefäße der Saalemündungs-Gruppe sind häufig geglättet und poliert. Anders als die hellen, lederbraunen Tongefäße der Lausitzer Kultur haben diejenigen der Saalemündungs-Gruppe meistens eine dunkelgraubraune oder dunkelgraue bis schwärzliche Farbe. Zur Keramik gehörten Zylinderhalsterrinen, Trichterschalen, Doppelkoni, zweihenkelige Amphoren, Tassen, Kannen, Vorratsgefäße, Tonteller, Schalen mit Radkreuzmuster innen und außen sowie Sauggefäße.
Die Sauggefäße zum Füttern von Kleinkindern waren teilweise in Gestalt eines Stieres modelliert worden. Derartige Objekte wurden in Gräbern von Aschersleben und Staßfurt-Leopoldshall (beide Kreis Aschersleben-Staßfurt) geborgen. Sie haben jeweils einen schlanken, zitronenförmigen Körper. Das Sauggefäß von Aschersleben ist mit einem Standboden, das von Staßfurt-Leopoldshall dagegen mit vier Füßen versehen.
Von den Saalemündungs-Leuten wurden auch Tongefäße anderer Kulturen importiert. So stammen eine Schale mit vor dem Brand eingesetzten Bronzenieten aus Dessau-Großkühnau von der süddeutschen Urnenfelder-Kultur, ein Doppelgefäß aus Wulfen (Kreis Köthen) von der böhmischen Knovízer Kultur und ein Pokal aus Osternienburg (Kreis Köthen) von der Lausitzer Kultur.
Fraglich ist der Verwendungszweck eines 15,6 Zentimeter langen Tonhorns aus Calbe/Saale (Kreis Schönebeck), das einem Pferdekopf ähnelt. Weil an der kleinen Öffnung dieses Objekts Grünspanreste mit Kupfer haften und es großer Hitze ausgesetzt war, wird es als Blasebalgdüse gedeutet, deren kleinere Öffnung ins Innere des Schmelzofens reichte. Ein ähnliches Exemplar aus Hrádek bei Kramolín in Mähren enthält ein Stück Kupfer an der Innenwandung.
Zu den bronzenen Werkzeugen gehörten Knopfsicheln, Absatz- und Lappenbeile sowie bronzene Sägen. Neben bronzenen Werkzeugen gab es zudem solche aus Gestein. In ei-nem Steinkistengrab von Großwirschleben (Kreis Bernburg) lag die fragmentarisch erhaltene Klinge eines Beiles aus Felsgestein.
Aus Schadeleben (Kreis Aschersleben-Staßfurt) liegt ein bronzenes Hängebecken vor. Es ist neun Zentimeter hoch, hat einen Durchmesser von 21,2 Zentimetern und wurde zusammen mit einer Plattenfibel gefunden.
Auch die Angehörigen der Saalemündungs-Gruppe haben manchmal metallene Gefäße eingetauscht. Als derartige Importware gilt die Bronzetasse von Osternienburg (Kreis Köthen). Sie ist auf dem Boden mit einem sechszackigen Sternmuster verziert.
Als seltener Fund gilt das stark beschädigte Goldgefäß aus Krottorf (Bördekreis). Es ist sechs Zentimeter hoch, hat einen Durchmesser von 13 Zentimetern und wiegt 68,7 Gramm.
Im Umkreis von Halle/Saale wurden viele tönerne Geräte geborgen, die zur Salzherstellung dienten. Dabei handelt es sich um Stützen, die über den Feuerstellen mit Salz gefüllte Tonwannen trugen. In den Wannen hat man das für Tauschgeschäfte bestimmte Salz getrocknet, geformt und gehärtet. Eine Salzsiedersiedlung lag auch am ehemaligen Salzigen See bei Erdeborn (Kreis Mansfelder Land).
Pferde dienten als Reit-, Zug- und Opfertiere. Zwei Stücke einer bronzenen Pferdetrense wurden in Calbe/Saale (Kreis Schönebeck) gefunden. Eines davon ist
15,5 Zentimeter lang und wiegt 150 Gramm, das andere ist 16 Zentimeter lang und 127 Gramm schwer. Beide Teile sind mit Ösen versehen.
Ein Fund aus Altenburg (Kreis Bernburg) veranschaulicht, daß auch manche Kinder Schmuck trugen. Die Urne mit dem Leichenbrand eines Kindes enthielt drei kleine Ringe aus Bronzedraht.
Sogar Goldschmuck konnte man sich im Gebiet der Saalemündungs-Gruppe leisten. Aus Neuendorf am Damm/Karritz (Altmarkkreis Salzwedel) kennt man eine bronzene Schmuckdose, die zwei goldene Ringe in Form von Drahtspiralen enthielt. In Spergau (Kreis Merseburg-Querfurt) wurden ein Tongefäß mit einem goldenen Noppenring aus Doppeldraht und eine verbogene Golddrahtspirale von Fingerformat geborgen.
Über die Kunst der Saalemündungs-Gruppe ist nichts bekannt. Der in einem Grab gefundene, 70 Zentimeter lange, 25 Zentimeter breite und zehn Zentimeter dicke Bildstein von Pfützthal (Saalkreis) in Sachsen-Anhalt dürfte schon in der Jungsteinzeit entstanden und nur als Baumaterial wiederverwendet worden sein. Dieser Bildstein ist mit einem auf dem Kopf stehenden, langgezogenen T, das wohl eine menschliche Nase darstellen soll, verziert. Darunter befindet sich ein waagrechter Strich, der vermutlich den Mund symbolisiert. Es folgen vier halbkreisförmige Linien, die Halsschmuck andeuten, und auf der Mitte der Platte zwei Reihen ineinanderliegender Winkel.
In der älteren Phase der Saalemündungs-Gruppe (Periode IV) erfolgten die Brandbestattungen in Steinkisten oder in Steinpackungsgräbern. Sie lagen in Gruppen von drei bis zu fünf Gräbern zusammen. Der Leichenbrand von meistens einem, manchmal aber auch von zwei Toten wurde jeweils in eine große Zylinderhalsterrine geschüttet und ins Grab gestellt.
Dagegen nahm man in der jüngeren Phase (Periode V) die Brandbestattungen ausschließlich in Steinkisten vor, die zuweilen mehrere kleine Tongefäße mit dem Leichenbrand von zwei bis fünf Menschen aufnahmen. Die jeweils in den Steinkisten beerdigten Menschen sind wohl nicht alle zur gleichen Zeit verstorben. Es handelte sich auch nicht um Grablegen von vollständigen Familien, sondern lediglich bestimmter Familienangehöriger.
Zu den als Urnen benutzten Zylinderhalsterrinen und Tassen wurden manchmal leere oder mit Speisen gefüllte Tongefäße als Grabbeigaben gestellt. Hierfür fanden Becher, Näpfe, Schalen, Tassen und Terrinen Verwendung.
Bedeutenden Toten dürften die im Inneren bemalten Steinkisten vorbehalten gewesen sein. Im der 1913 entdeckten Steinkiste am Galgenberg bei Großwirschleben (Kreis Bernburg) waren die Wände und die Decke im Inneren der Grabkammer von Resten einer weißen mit feinem Sand vermischten Tonschicht bedeckt. Die Wände hatte man mit waagrechten farbigen Steifen geschmückt. An der Nordwand folgten auf einen schwarzen Streifen von fünf Zentimeter Breite fünf unregelmäßige rote Streifen von zwei bis 3,5 Zentimeter Breite, die von vier Millimeter breiten Streifen der weißgrauen Tonschicht unterbrochen waren.
Mehrere bemalte Steinkisten kamen 1853 oder 1854 bei der Abtragung des »Langen Berges«, eines von zwei Grabhügeln bei Baalberge (Kreis Bernburg), ans Tageslicht. Die meisten davon sollen im Inneren rot bemalt gewesen sein. Eines dieser Gräber war angeblich von oben nach unten in weißer, schwarzer und roter Farbe gehalten.
Zum Kult der Saalemündungs-Gruppe gehörten Speiseopfer, Schädelbestattungen, Menschenopfer und rituell motivierter Kannibalismus. Solche Praktiken waren damals auch in anderen Kulturen jener Zeit bekannt.
Speiseopfer hat man in überaus sorgfältig hergestellten und verzierten Tongefäßen dargebracht. Eine derartige Weihegabe kennt man beispielsweise von Aken im Kreis Köthen.
Vereinzelte Beisetzungen menschlicher Schädel lassen sich am ehesten kultisch deuten. Vielleicht betrachtete man den Kopf als wichtigsten Teil des Toten und hat ihn deswegen in manchen Fällen besonders behandelt. Eine Schädelbestattung wurde in Klebs (Kreis Jerichower Land) entdeckt.
Das Gräberfeld vom Sehringsberg

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Im östlichen und nördlichen Harzvorland von Sachsen-An-halt behauptete sich von etwa 1300/1200 bis um 600 v. Chr. die Helmsdorfer Gruppe. Ihr südlicher Nachbar war die im Thüringer Becken konzentrierte Unstrut-Gruppe, ihr nördlicher Anrainer die beiderseits der unteren Saale heimische Saalemündungs-Gruppe.
Zwischen diesen drei Kulturen lassen sich wegen fließender Übergänge keine deutlichen Abgrenzungen vornehmen. Bei der Keramik hatte die Helmsdorfer Gruppe viele Gemeinsamkeiten mit der Saalemündungs-Gruppe. Dagegen spiegeln ihre Bronzeobjekte einen engen Kontakt mit der Unstrut-Gruppe wider.
Die Helmsdorfer Gruppe verdankt dem Gräberfeld auf dem Sehringsberg beim Ortsteil Helmsdorf von Heiligenthal1 (Kreis Mansfelder Land) in Sachsen-Anhalt ihren Namen. Der Begriff Helmsdorfer Gruppe geht auf den Prähistoriker Jörg Lechler (1894-1969) zurück, der 1913 bis 1918 auf dem Sehringsberg gegraben und 1925 vom Helmsdorfer Kulturkreis gesprochen hatte. Der Name Helmsdorfer Gruppe wurde 1967 von dem am Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle/Saale, tätigen Prähistoriker Berthold Schmidt eingeführt.
Vor allem im östlichen Harzvorland sind auffällig viele Funde, Siedlungen und Gräberfelder entdeckt worden. Demzufolge dürfte die entsprechende Bevölkerungskonzentration auf den Abbau von Kupfererz im Mansfelder Land und dessen Weiterverarbeitung sowie auf die für den Ackerbau günstigen Böden zurückzuführen sein.
Der Prähistoriker Berthold Schmidt hat 1978 die Ansicht vertreten, man könne den Zeitabschnitt, in dem die Helmsdorfer Gruppe im Harzvorland existierte, fast als ein »goldenes Zeitalter« bezeichnen. Er schrieb damals: »Es handelt sich um eine Epoche, in der große Siedlungen, Befestigungen, ausgedehnte Gräberfelder mit anspruchsvollen Grabdenkmälern errichtet, aufwendige religiöse Zeremonien veranstaltet, wohl intensiv Kupfer abgebaut und Bronze zahlreich verwendet wurde, in der Viehhaltung und Ackerbau blühten und die Anzahl der hier wohnenden Menschen relativ hoch gewesen sein muß.«
Die Helmsdorfer Leute wohnten in unbefestigten und befestigten Siedlungen. In Polleben2 (Kreis Mansfelder Land) lagen die Dörfer jener Zeit in sanfter Hanglage. Eine unbefestigte Höhensiedlung mit einer Fläche von etwa zwei bis drei Hektar war auf einer Hochebene nördlich von Timmenrode (Kreis Wernigerode) angelegt worden.
Durch Grabungen nachgewiesene befestigte Höhensiedlungen der Helmsdorfer Gruppe sind bisher vom Burgberg bei Bösenburg (Kreis Mansfelder Land), auf der Schalkenburg bei Quenstedt (Kreis Mansfelder Land) und auf dem Kleinen Gegenstein bei Ballenstedt/Harz (Kreis Quedlinburg) bekannt. Vermutlich war auch der Burgberg von Quedlinburg als Bollwerk ausgebaut.
Der etwa 600 Meter lange und 250 Meter breite Burgberg (auch Kirchberg genannt) östlich von Bösenburg, einem Ortsteil von Rottelsdorf, ist von der angrenzenden Hochfläche durch eine Schlucht getrennt. Auf dem Bergsporn wurde ein Areal von etwa zwölf Hektar ringsum durch einem mächtigen Wall geschützt, der aus Löß und Baumstämmen bestand.
Von den ehemaligen Behausungen zeugen in den Sandsteinfelsen eingetiefte Vorratsgruben und Pfostenlöcher. Die Bewohner der Wallburg haben ihre Toten auf dem nahe gelegenen Goldberg bestattet. Diese Befestigung bei Bösenburg bestand etwa vier Jahrhunderte lang. Sie wurde in der frühen Eisenzeit um 600 v. Chr. bei einem Angriff in Brand gesetzt und zerstört.
Die Wände damaliger Wohnhäuser sind nicht nur mehrfach neu verputzt, sondern zuweilen auch bemalt worden. Der entsprechende Nachweis hierfür gelang in einer Siedlung zwischen Bösenburg und Rottelsdorf (Kreis Mansfelder Land). Dort fand man Lehmbrocken, die bis zu dreizehnmal mit weißer Farbe getüncht wurden. Auf einigen Stücken sind sogar Reste roter Bemalung zu beobachten. Dabei handelte es sich um eine Verzierung mit parallelen geraden Streifen, gebogenen Streifen und Punkten. Die weiße Farbe enthält vor allem Kaolin, die rote ein Gemisch aus Kaolin und Eisenoxyd.
Als Sicherungsmaßnahmen für die Befestigung auf der Schalkenburg bei Quenstedt dienten ein aus Holz und Erde errichteter Wall sowie zwei davor ausgehobene Gräben. An die hölzerne Innenwand des Holz-Erde-Walles waren kasemattenartige Langhäuser angebaut. Auch diese Wallburg fiel um 600 v. Chr. einem Feuer zum Opfer.
Die Wallburg auf dem Kleinen Gegenstein bei Ballenstedt nahm eine Fläche von etwa 400 Meter Länge und 225 Meter Breite, also von etwa neun Hektar, ein. Im Gegensatz zu den Befestigungen bei Bösenburg und auf der Schalkenburg wurde jene »Burg« nicht zerstört. Unklar ist, ob auch die Höhensiedlung auf dem benachbarten Großen Gegenstein befestigt war. Dort konnten nur dicht beieinanderliegende, runde Vorratsgruben aufgedeckt werden.
Die Bewohner der Wallburg bei Bösenburg säten und ernteten Dinkel (Triticum spelta), mehrzeilige Gerste (Hordeum vulgare), Emmer (Triticum dicoccon), Einkorn (Triticum monococcum) und Rispenhirse (Panicum miliaceum). Diese Getreidearten wurden getrennt angebaut. Außerdem sind in jener Befestigung auch Ackerbohne (Vicia faba) und Flachs (Linum usitatissimum) durch Funde nachgewiesen.
Bei Bösenburg ist in einem großen bottichartigen Holzgefäß die größte gehortete Getreidemenge Mitteldeutschlands entdeckt worden. Sie bestand aus vier Zentnern Getreide und Unkrautsämereien. Insgesamt konnten 26 Pflanzenarten nachgewiesen werden. Der Getreidefund stammt aus der frühen Eisenzeit um 600 v. Chr.
In Burgsdorf (Kreis Mansfelder Land) hat man auf einem Gräberfeld in flachen Opfergruben Schädel und untere Teile von Pferdebeinen bestattet. Es handelte sich vermutlich um kleinwüchsige weibliche Tiere mit einer Widerristhöhe von 1,27 Metern.
In einer Grube der erwähnten Siedlung zwischen Bösenburg und Rottelsdorf lagen außer Lehmbewurf und Wandverputz auch Reste von Webgewichten sowie Knochen vom Rind, Reh, (Capreolus capreolus), ein Zahn vom Rothirsch (Cervus elaphus) und das Bruchstück einer Malermuschel (Unio pictorum).
Die Keramik der Helmsdorfer Gruppe besteht häufig aus dunkelbraunem, schokoladenbraunem und dunkelgrauem, seltener schwärzlichem Ton. Typisch sind abwechselnde senkrechte Furchen- und Riefengruppen als Verzierung auf dem Gefäßbauch. Es gab Töpfe, Schalen, Schüsseln, Henkelkrüge und Tassen mit Schrägriefen. Mit der Saalemündungs-Gruppe hatte die Helmsdorfer Gruppe tönerne Trichterschalen, Zylinderhalsterrinen und das im Gefäßinneren angebrachte vierspeichige Radkreuzmuster gemeinsam.
Von der erwähnten Befestigung auf der Schalkenburg bei Quenstedt liegt ein tönernes Sauggefäß in Stiergestalt vor. Dieses 12,5 Zentimeter hohe Objekt hat ein Fassungsvermögen von 575 Kubikzentimetern. Damit ist es mehr als doppelt so groß wie die üblichen für Kinder angefertigten Sauggefäße, deren Volumen meistens weniger als 270 Kubikzentimeter beträgt. Vielleicht wurde damit ein kranker oder alter Mensch ernährt. Unbekannt ist die Funktion eines Tonhorns aus Polleben (Kreis Mansfelder Land).
Wie bei der Unstrut-Gruppe waren auch im Verbreitungsgebiet der Helmsdorfer Gruppe bronzene Hakenspiralen und gedrehte Halsringe üblich. Die Hakenspiralen werden als Objekte zum Zusammenhalten eines Gewandes gedeutet.
Zur Brandbestattung eines etwa sechs- bis achtjährigen Kindes bei Westerhausen (Kreis Quedlinburg) gehören neben mehreren Tongefäßen auch bronzene Schmuckstücke (zwei Anhänger, fünf kleine Bronzespiralen, Bronzedraht und ein zusammengewundenes Bronzeband mit 2,5 Zentimeter Durchmesser und 1,8 Zentimeter Breite). Davon ist ein 3,9 Zentimeter langer und 3,4 Zentimeter breiter Anhänger mit Ring und tierkopfähnlichen Aufsatz besonders er-wähnenswert. Bei dem Aufsatz könnte es sich um den Kopfteil und die Vorderbeine eines Bockes handeln, aber auch um eine menschenähnliche Darstellung wie auf skandinavischen Felsbildern.
In Quedlinburg sind mehr als 100 grünliche bis dunkelblaue Glasperlen gefunden worden, die als Importware gelten. Eine Glasperle mit einem Durchmesser von 1,2 Zentimetern und einem zentralen Bohrloch lag auch in einem Steinpackungsgrab von Beesenstedt (Saalkreis). Glasperlen waren damals selten.
Auf den Gräberfeldern der Helmsdorfer Gruppe wurden Körper- und Brandbestattungen vorgenommen. Die Steinpackungsgräber sind meistens von Norden nach Süden ausgerichtet. Den Leichnam oder den in einem Tongefäß aufbewahrten Leichenbrand legte man zusammen mit den Beigaben (Keramik Schmuck, Waffen) auf ein rechteckiges Steinpflaster. Darüber wurde eine Steinpackung in Form eines »falschen Gewölbes« aufgetürmt. Mehrfach waren die Gräber mit einem Kreisgraben versehen. Im nördlichen Harzvorland gab es auch Hügelgräber.
In der älteren Phase (Periode IV) der Helmsdorfer Gruppe wurden die Verstorbenen überwiegend einzeln in Steingrä-bern bestattet. Solche Gräber bildeten Dreier- bis Fünfergruppen. Im Gegensatz dazu beerdigte man in der jüngeren Phase (Periode V) den Leichenbrand der Toten jeweils in einem Tongefäß (Doppelkonus, Terrine), in Steinkisten oder in kürzeren steinkistenähnlichen Behältnissen. Diese enthielten zuweilen bis zu fünf Brandbestattungen.
Das Gräberfeld auf dem erwähnten Goldberg bei Bösenburg gilt als der größte Friedhof der Helmsdorfer Gruppe. Dort hat man einen Teil des Gräberfeldes systematisch untersucht und bisher 120 rechteckige Steinpackungsgräber und zwei Kreisgräben freigelegt. Der Ausgräber Berthold Schmidt aus Halle/Saale nimmt an, daß der Bestattungsplatz mindestens noch einmal die gleiche Anzahl von Gräbern oder das Vielfache davon enthält. Sie stammen überwiegend aus der Periode IV. Die Toten wurden entweder unverbrannt oder verbrannt beigesetzt.
Auf dem Goldberg hat man meistens nur einen Menschen, selten zwei Personen, bestattet. Die Gräber waren als Dreier- bis Fünfergruppen angelegt. Mehrfach wurden die Grabstätten durch steinerne Stelen markiert, die einst sichtbar waren, aber nach dem Zusammenbrechen der Gräber beziehungsweise deren Holzeinbauten im Erdreich einsanken.
Das etwa einen Kilometer südlich von Heiligenthal-Helmsdorf auf der Kuppe des Sehringsberges gelegene Gräberfeld umfaßte 62 Steinpackungsgräber und fünf Kreisgräben. Auf dem Berg bietet sich ein weiter Rundblick über das Mansfelder Land. Auch hier wurden die Toten sowohl unverbrannt als auch verbrannt nur mit spärlichen Beigaben bestattet.
Die Steinpackungsgräber auf dem Sehringsberg bestehen aus 20 bis 50 Zentimeter großen Bruchsteinen und sind mit einem Bodenpflaster, hochkant stehenden Seitensteinen sowie sich nach innen verjüngenden Abdeckungssteinen versehen. Meistens befand sich nur ein Skelett, seltener zwei Skelette, oder der Leichenbrand eines Menschen in einem Grab. In drei der erwähnten Kreisgräben war jeweils ein zentrales Steinpackungsgrab (Zentralgrab) errichtet worden. In zwei anderen Kreisgräben gab es außer dem Zentralgrab noch je eine zeitgleiche Nebenoder eine später erfolgte Nachbestattung.
Am Westabhang des Sehringsberges erinnert heute ein kleines, vom Landesmuseum für Vorgeschichte, Halle/Saale, und ehrenamtlichen Bodendenkmalpflegern eingerichtetes Freilichtmuseum mit einigen Steinpackungsgräbern an das 280 Meter lange und 180 Meter breite Gräberfeld.
Etwa 20 bis 25 Hügel dürfte einst – Berichten aus dem 19. Jahrhundert zufolge – das Hügelgräberfeld bei Westerhausen im Kreis Quedlinburg gezählt haben. In den 1950er Jahren existierten davon nur noch acht Hügel mit Durchmessern von zwölf bis 23 Metern und einer erhaltenen Höhe von 0,35 bis 1,70 Metern. Bei der Freilegung eines dieser Hügel hat der erwähnte Prähistoriker Berthold Schmidt fünf Gräber vorgefunden.
Die Helmsdorfer Gruppe nahm vermutlich in der frühen Eisenzeit um 600 v. Chr. ein gewaltsames Ende. Ihre letzten Hinterlassenschaften finden sich im sogenannten Katastrophenhorizont, der unter anderem anläßlich von Untersuchungen der erwähnten Wallburgen bei Bösenburg und auf der Schalkenburg bei Quenstedt festgestellt wurde.
  Fri, 11 Jan 2008 12:04:00 +0100
Geschirr und Menschen als Opfergaben

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

Zu den selbständigen Kulturen der Spätbronzezeit in Mitteldeutschland gehörte die nach dem gleichnamigen thüringischen Fluß benannte Unstrut-Gruppe. Sie ist aus der mittelbronzezeitlichen Hügelgräber-Kultur hervorgegangen und wurde dabei stark von der Urnenfelder-Kultur geprägt. Den Begriff Unstrut-Gruppe hat 1943 der damals am Landesmuseum Halle/Saale wirkende Prähistoriker Wilhelm Albert von Brunn (1911-1988) vorgeschlagen.
Manche Prähistoriker verwenden statt dessen den Namen Walterslebener Gruppe, der sich auf das Gräberfeld von Erfurt-Waltersleben in Thüringen bezieht. Von der Walterslebener Gruppe hat 1928 als erster der Studienrat und Altertumsforscher Ernst Lehmann (1893-1950) aus Erfurt gesprochen. Nicht durchzusetzen vermochten sich die etwas umständlich klingenden Bezeichnungen »Kultur des Friedhofes auf dem Erfurter Flughafen« und »Kultur der thüringischen Steinpackungsgräber«.
Die Unstrut-Gruppe war von etwa 1300/1200 bis 800 v. Chr. im Bereich der Unstrut bis zum Südharz verbreitet. Ihr Kerngebiet lag im Thüringer Becken, wo sich der fruchtbare Lößboden gut für den Ackerbau eignete. Einige Fundorte befinden sich im Fuldaer Becken in Nordhessen. Die Unstrut-Gruppe hatte Kontakt zu benachbarten Kulturen und wurde von diesen mehr oder minder stark beeinflußt.
Im Südwesten Thüringens wirkte sich – nach Erkenntnissen des Jenaer Prähistorikers Karl Peschel – zunächst die westböhmisch-ostbayerische Urnenfelder-Kultur in wesentlicher Weise aus. Sie formte die Unstrut-Gruppe mit und prägte den am Oberlauf der Saale und der Weißen Elster heimischen Zweig der Lausitzer Kultur zur Osterländischen Gruppe, die sich schätzungsweise 250 Jahre lang behauptete.
Später gerieten der Westen und die Mitte Thüringens in den Einflußbereich der untermainisch-schwäbischen Gruppe der Urnenfelder-Kultur und schließlich von deren niederhessischer Randzone. Damals verschmolzen mitunter die Formen und Verzierungen der Keramik der Unstrut-Gruppe und der niederhessischen Urnenfelder-Kultur.
Im Nordosten Thüringens jenseits von Helme und Unstrut ging die Unstrut-Gruppe in die Helmsdorfer Gruppe über. Diese Gemeinschaft war im östlichen und nördlichen Harzvorland von Sachsen-Anhalt ansässig.
Obwohl sich die Menschen der Unstrut-Gruppe und der erwähnten Osterländischen Gruppe der Lausitzer Kultur in Tracht und Kult unterschieden, vermischten sich beide in Ostthüringen. Zudem standen die Unstrut-Leute in Verbindung zur böhmischen Knovízer Kultur und praktizierten wie diese die Leichenzerstückelung.
Die Kleidung der Unstrut-Leute wurde mit Webstühlen angefertigt. Von einem solchen stammen 24 Webgewichte von 15 bis 18 Zentimeter Länge, die zusammen mit Keramikresten in einer Siedlungsgrube von Weimar-Belvedere geborgen wurden. Von der Kleidung selbst ist nur das Zubehör in Form bronzener Knöpfe mit rückwärtiger Öse sowie der Ei-, Rollenkopf-, Plattenkopf- und Vasennadeln, mit denen das Obergewand zusammengehalten wurde, erhalten.
Die bronzenen Rasiermesser der Unstrut-Gruppe haben teilweise einen kurzen, dreigeteilten Griff. In Kunitz (Stadt Jena) gelangte ein Rasiermesser aus Bronze nur halbiert ins Grab.
Reste von unbefestigten Siedlungen im Flachland wurden neben anderen in Erfurt-Nord und in Weimar-Belvedere entdeckt. Ihre Bewohner waren Ackerbauern und Viehzüchter.
In Erfurt-Nord kamen auf dem Gelände einer Kiesgrube Keller-, Abfall- und Feuergruben sowie Pfostenlöcher zum Vorschein. Die Abfallgruben enthielten Keramikreste, Speiseabfälle, Haustierknochen und Geräte. Ernst Lehmann hat 1929 diese Siedlungsrelikte irrtümlich der Knovízer Kultur zugerechnet, weil er darunter deren Keramik zu erkennen glaubte.
In Weimar-Belvedere konnten Gruben, Pfostenlöcher, Hüttenlehm, Webgewichte, Keramikreste, Tierknochen und eine bronzene Rollenkopfnadel ausgegraben werden. Die dortigen Keramikfragmente stammen von Terrinen, Doppelkoni, Eitöpfen, Tassen, Schalen und Vorratsgefäßen.
Auch auf Bergen haben unbefestigte Siedlungen der Unstrut-Gruppe gelegen. Das war auf dem Felsenberg bei Pößneck-Öpitz (Saale-Orla-Kreis) und auf dem Gleitsch bei Saalfeld (Kreis Saalfeld-Rudolfstadt) der Fall. In beiden Höhensiedlungen hielten sich Angehörige sowohl der Unstrut- als auch der Osterländischen Gruppe der Lausitzer Kultur auf.
Befestigte Höhensiedlungen sind von Menschen der Unstrut-Gruppe auf dem Alten Gleisberg (Mönchsberg) bei Graitschen (Saale-Holzland-Kreis), auf dem Jenzig bei Jena-Wenigenjena und auf dem Johannisberg bei Jena-Lobeda in Thüringen sowie auf der Altenburg bei Nebra/Unstrut (Burgenlandkreis) in Sachsen-Anhalt errichtet worden. Die ebenfalls bei Jena liegende Befestigung auf dem Dohlenstein wurde nur von Leuten der erwähnten Osterländischen Gruppe der Lausitzer Kultur bewohnt. Solche »Burgen« deuten auf unruhige Zeiten und kriegerische Auseinandersetzungen hin. Daneben werden sie aber auch als Handwerker- und Handelszentren betrachtet.
Die Höhensiedlung auf der Altenburg bei Nebra/Unstrut war mit einem Graben und mit einem Wall befestigt. Diese Wallburg wurde durch die damals in Halle/Saale arbeitenden Prähistoriker Volker Töpfer (1908-1989) und Dietrich Mania untersucht.
Im thüringischen Ichtershausen (Ilm-Kreis) ist der Anbau der Getreidearten Einkorn (Triticum monococcum), Emmer (Triticum dicoccon) und mehrzeilige Gerste (Hordeum vulgare) sowie der Hülsenfrüchte Ackerbohne (Vicia faba) und Linse (Lens culinaris) nachgewiesen. Außerdem barg man dort Reste der eßbaren Ackerunkräuter Roggentrespe (Bromus secalinus) und Windenknöterich (Polygonum convolvulus). In Erfurt-Nord kamen Emmer, Gerste, Rispenhirse (Panicum miliaceum) und Leindotter (Camelina sativa) zum Vorschein. Aus Leindotter ließ sich Öl für technische und für Speisezwecke herstellen. Auf der Altenburg bei Nebra/Unstrut sind Gerste und Emmer sowie Ackerbohne, Erbse (Pisum sativum) und Linse belegt.
Die Ackerbauern schnitten das reife Getreide meistens mit bronzenen Sicheln. Derartige Erntegeräte kamen mehrfach in großer Zahl in Depots vor. Allein zum Depot von Frankleben (Kreis Merseburg-Querfurt) gehören insgesamt 235 komplette Knopfsicheln und zwei Bruchstücke von solchen. Das Depot 1 von Braunsbedra (Kreis Merseburg-Querfurt) enthielt 84 bronzene Sicheln, das Depot von Schkopau (Kreis Merseburg-Querfurt) 36 Knopfsicheln und das Depot von Kretzschau-Groitzschen (Burgenlandkreis) in Sachsen-Anhalt etwa 50 Knopfsicheln.
Als typische Keramikformen der Unstrut-Gruppe gelten Schulterwulstamphoren, Terrinen mit Warzenbuckeln, konische Schalen, Teller mit Turban- und gezipfeltem Rand sowie Tassen und Näpfe. Die Tongefäße sind mit Warzenbuckeln, Rillen, senkrechten oder steilschrägen Riefen, Ringabrollungen, Einstichen und Kerbreihen verziert.
Tönerne Formen für den Guß von Ringen wurden in Pößneck-Schlettwein (Saale-Orla-Kreis) gefunden, wo Hinterlassenschaften der Unstrut-Gruppe zusammen mit Relikten der Osterländischen Gruppe der Lausitzer Kultur geborgen werden konnten. Die Gußformen kamen zusammen mit massiven rundstabigen Hals-, Arm- und Beinringen zum Vorschein.
Zum Formenspektrum der bronzenen Werkzeuge gehörten Knopf- und Zungensicheln, Lappen- und Tüllenbeile sowie Messer und Sägen. Zwei Bruchstücke einer Säge mit einem Loch am Ende hat man vor 1880 in Burgholzhausen (Burgenlandkreis) entdeckt. Aus Hirschgeweih angefertigte Geweihhämmer liegen aus Jena-Wöllnitz (ein Exemplar) und Erfurt-Melchendorf (zwei Exemplare) vor. An letzterem Fundort wurden des weiteren zwei Knochenpfrieme und die durchbohrte Klinge einer Steinaxt mit fünfeckigem Umriß geborgen.
Die Männer der Unstrut-Gruppe waren vor allem mit Lanzen bewaffnet, daneben aber auch mit Pfeil und Bogen sowie merklich seltener mit importierten bronzenen Schwertern.
Die hölzernen Pfeilschäfte wurden sowohl mit knöchernen als auch mit bronzenen Pfeilspitzen bewehrt. Knöcherne Pfeilspitzen hat man in Jena-Wöllnitz und Pößneck-Öpitz (Saale-Orla-Kreis) gefunden.
Das in Bothenheilingen (Unstrut-Hainich-Kreis) entdeckte Depot eines Händlers umfaßte sechs Schwerter. Davon sind zwei Möriger Schwerter (80,1 und 64,8 Zentimeter lang), zwei Auvernier-Schwerter (84,5 und 73,1 Zentimeter) und zwei Antennenschwerter (84,1 und 65,2 Zentimeter). Die Möriger und Auvernier-Schwerter wurden nach Funden aus Seeufersiedlungen in der Schweiz benannt.
Die Bergung eines weiteren Depots importierter Schwerter gelang im thüringischen Kehmstedt (Kreis Nordhausen). Es bestand aus sieben Schwertern und einer Lanzenspitze, alle mit der Spitze in dieselbe Richtung weisend. Das längste Schwert mißt 76 Zentimeter. Dieses Waffendepot lag frei im Boden und wird als Weihegabe an eine höhere Macht interpretiert.
Zum in den 1870er Jahren aufgefundenen Altmetalldepot von Schmiedehausen (Kreis Weimarer Land) gehörte sogar die beschädigte rechte Wangenklappe eines bronzenen Helmes. Sie hat zwei Löcher am oberen und eines am unteren Ende. Verziert ist sie mit zwei den Rand begleitenden Perlbuckelreihen.
Von Menschen der Unstrut-Gruppe sind manchmal metallene Gefäße importiert worden. Besonders eindrucksvoll belegt dies das Depot von Braunsbedra (Kreis Merseburg-Querfurt) mit sieben Bronzetassen vom Typ Fuchsstadt, zwei Bronzetassen mit Sternmuster vom Typ Osternienburg-Dresden und einer Schöpfkelle.
Im Depot von Pößneck-Schlettwein fanden sich unter anderem drei getriebene Bronzetassen. Eine davon entspricht dem Typ Fuchsstadt, dem eine andere gleicht, während die dritte dem Typ Jenisovice-Kirkendrup zugerechnet wird.
Zu den bronzenen Schmuckstücken der Unstrut-Gruppe zählen neben den bereits erwähnten Nadeln auch Hakenspiralen, gedrehte Halsringe, Schmuckscheiben (Phaleren) und dünne Ringe. In den Körpergräbern von Erfurt-Melchendorf kamen häufig als Haar- und Ohrschmuck angefertigte Gehänge aus ineinandergefügten kleinen Draht- und Blechringen zum Vorschein.
Außer metallenen Schmuckstücken trug man auch Muschelschmuck (Dreitzsch, Saale-Orla-Kreis, Erfurt-Melchendorf, Münchenroda, Stadt Jena). Die durchbohrte Muschelschale aus Erfurt-Melchendorf stammt von der heimischen Teichmuschel (Anodonta cygnea).
Die oft paarweise gefundenen Hakenspiralen – je eine größere und eine kleinere – dienten wohl zum Zusammenhalten des Gewandes. Ebenfalls nicht geklärt ist die Trageweise der dünnen Ringe von Erfurt-Steiger und Erfurt-Flughafen. Sie könnten als Kopfschmuck in der Ohrgegend, ein- oder beidseitig im Haar oder an einem Band getragen worden sein. Möglicherweise hingen sie auch an durchbohrten Ohrläppchen, wie auf späteren tönernen Gesichtsurnen zu sehen ist.
Aus der Gegend von Großbrembach (Kreis Sömmerda) in Thüringen kennt man einen Fahrweg jener Zeit. Darauf hinterließ ein Wagen mit einem Radabstand von einem Meter eine 25 Meter lange Spur.
Im Verbreitungsgebiet der Unstrut-Gruppe waren Körperbeerdigungen in Steinkisten und Steinpackungsgräbern sowie Brandbestattungen üblich. Die Steinpackungen lagen in Flach- oder Hügelgräbern. Das Hügelgräberfeld von Auleben (Kreis Nordhausen) umfaßte mehr als 200 Grabhügel, von denen die meisten in die jüngere Bronzezeit gehören. Bei Brandbestattungen diente des öfteren eine tönerne Terrine als Behältnis für den Leichenbrand.
Männer wurden häufig zusammen mit ihrer Lanze auf dem Scheiterhaufen verbrannt. Von der Waffe blieb nur die bronzene Spitze erhalten, die man zusammen mit einer Nadel und einem Armring ins Grab legte. Frauen dagegen sind mehrfach mit zwei verzierten bronzenen Hakenspiralen und einer Nadel ausgestattet worden. Sowohl in Körper- als auch in Brandgräbern fanden Tongefäße als Beigaben Verwendung. Ein Brandgrab von Erfurt-Melchendorf enthielt 13 Beigefäße, die auf dem ausgestreuten Leichenbrand standen.
Als bisher größtes Gräberfeld der Unstrut-Gruppe gilt der Friedhof von Erfurt-Melchendorf, Fundstelle Wiesenhügel III, mit 79 untersuchten Gräbern. Davon waren
58 Körper- und 21 Brandgräber mit und ohne Steinschutz. Ursprünglich sollen dort nach Schätzungen des Ausgräbers Bernd W. Bahn aus Weimar etwa 150 bis 200 Beisetzungen vorgenommen worden sein.
Die Umrisse der Steinpackungsgräber mit Körperbestattungen von Erfurt-Melchendorf sind in der Mehrzahl langrechteckig, oval oder rhombisch. Unter ihnen befanden sich muldenförmige Grabgruben. Auf diesem Friedhof wurden auffallend viele Kinder bestattet. Einmal hat man eine Mutter zusammen mit ihrem Kind beerdigt.
Das Gräberfeld von Erfurt-Waltersleben, nach dem die eingangs erwähnte Walterslebener Gruppe bezeichnet ist, lag auf dem Flurstück Toter Mann. Dort sind schon 1881 die ersten Steinkistengräber und Gräber mit losem Steinschutz untersucht worden. Zwischen 1881 und 1901 kamen dort insgesamt 13 Gräber zum Vorschein.
Der Friedhof auf dem früheren Flughafen in Erfurt-Nord umfaßte 46 überwiegend aus Kalkstein errichtete Grabanlagen. Auf ihn war man 1926 bei Planierungsarbeiten für den Flughafen am Südabhang des Roten Berges gestoßen. Die Gräber wurden von dem Altertumsforscher Ernst Lehmann untersucht.
In einem Grab aus jener Zeit bei Altengottern (Unstrut-Hainich-Kreis) in Thüringen konnten Spuren von Grabräubern ermittelt werden. Die Frevler hatten einen Schacht zum Grab vorgetrieben, um dort wertvolle metallene Beigaben zu stehlen. Dabei zerstörten sie teilweise Skelette und warfen Grabbeigaben durcheinander. Bei Altengottern ist möglicherweise der erste direkt nachgewiesene Beraubungsschacht aus der Urnenfelder-Zeit entdeckt worden.
Zum Kult der Unstrut-Gruppe gehörten Geschirropfer, aus menschlichen Unterkiefern angefertigte Amulette, Menschenopfer und vermutlich auch rituell motivierter Kannibalismus.
Als Geschirropfer werden die Keramikreste in einer 1,20 Meter tiefen Grube mit einem Durchmesser von 1,50 Metern von Dreitzsch (Saale-Orla-Kreis) gedeutet. Dieser Fundort war sowohl von Angehörigen der Unstrut- als auch der Osterländischen Gruppe der Lausitzer Kultur besiedelt worden.
In Jena-Wöllnitz wurde ein aus einem menschlichen Unterkiefer angefertigtes Amulett gefunden. Es ist mit einem eingeritzten Radkreuz verziert, das vielleicht ein Sonnensymbol darstellte.
Einzelne im Siedlungsabfall von Erfurt-Nord vorhandene menschliche Knochen oder Knochenteile mit Schlag- und Brandspuren gelten als Zeugnisse kannibalischer Bräuche. Sie wurden zusammen mit verkohltem Getreide entdeckt und – wie erwähnt – fälschlicherweise der Knovízer Kultur zugeordnet.
Relikte kannibalischer Rituale lagen auch in zwei Siedlungsgruben der Altenburg bei Nebra/Unstrut in Sachsen-Anhalt. Zu dieser Auffassung gelangte der damals in Halle/Saale arbeitende Prähistoriker Dietrich Mania nach der Untersuchung der dortigen Funde.
In einer Grube fanden sich die Skelettreste eines Menschen, dem der Kopf abgetrennt sowie die Arme und Beine bis auf Stümpfe abgeschnitten oder abgeschlagen worden waren. Wie Brandspuren belegen, sind der vermutlich ausgeweidete Torso, der Schädel und die Schultergürtelteile gebraten worden. Den erhitzten Schädel hat man geöffnet, um das Gehirn zu entnehmen, und das so zubereitete Opfer offenbar verzehrt. Anschließend hat man die noch im Skelettverband befindlichen Reste bestattet.
In einer anderen Grube der Altenburg wurde ein vereinzeltes Schädelstück mit verkohlten Bruchrändern ausgegraben. Auch dieser zusammen mit großen Mengen gerösteten Getreides und Hülsenfrüchten geborgene Fund stammt wahrscheinlich nicht von einer regulären Bestattung.
Auf rituellen Kannibalismus lassen außerdem je ein »zerrupftes« Skelett bei Collenbey nahe Schkopau (Kreis Merseburg-Querfurt) und von Schkortleben (Kreis Weißenfels) schließen.
Bei Collenbey sind mehrere Gruben aufgedeckt worden, in denen sich eine große Anzahl von Scherben, Tierknochen, darunter zwei größtenteils erhaltene Rinderskelette, sowie Knochenreste von vier Erwachsenen und zwei Kindern fanden. Entweder sind diese Menschen unter Beigabe der Scherben und Tierknochen in den Gruben bestattet oder in diese zusammen mit Abfall geworfen worden. Letzteres hielt Ernst Lehmann für wahrscheinlicher. Er meinte, es handle sich um Leichen von Sklaven oder anderen Personen niedrigen Standes.
Unfaßliches spielte sich von der mittleren bis zur späten Bronzezeit/frühen Eisenzeit (etwa 1600 bis 800 v. Chr.) vor und in manchen Höhlen des Kyffhäusers nahe Bad Frankenhausen (Kyffhäuser-Kreis) in Thüringen ab. Dort wurden unter freiem Himmel und in Höhlen makabre Rituale abgehalten, bei denen man Tier- und Menschenfleisch verzehrte.
Von diesen Vorgängen zeugen in der Höhle 1 aufgeschlagene Menschenknochen mit Schnitt- und Feuerspuren. Dabei handelte es sich vor allem um Skelettfragmente von Jugendlichen und Kindern, die zusammen mit Tierresten in die Höhle geworfen wurden.
Im Spalt der Höhle 9 lagen Schweine-, Ferkel-, Ziegen-, Rinderknochen, Menschenwirbel sowie Reste von Fackeln, die wahrscheinlich in die Kluft hinabgeschleudert worden waren. Der Boden der von der Höhle 4 aus erreichbaren Höhle 9 war mit vertrocknetem Gras und Moos gepolstert. Zum Fundgut gehören Gürtel aus Rinde, Spanschachteln, ein Holzbrett, auf dem Fleisch geschnitten wurde, Fladenbrot, Fackelreste, Schnüre aus Menschenhaaren und ein Menschenschädel. Nach Ansicht des Ausgräbers Günter Behm-Blancke (1912-1994) aus Weimar haben dort Frauen eine Kultversammlung abgehalten und Opfergaben dargebracht.
Der Spalt der Höhle 10 enthielt Speisereste, Tier- und verstreute Menschenknochen. Die Knochenschichten waren teilweise mit Steinen bedeckt, die man vermutlich nach dem Mahl und der Versenkung in den Spalt der Höhle geworfen hatte.
Eine genaue kulturelle Zuordnung der Funde in den Kyffhäuserhöhlen bei Bad Frankenhausen zu einer Bevölkerungsgruppe ist bisher nicht möglich. Fest steht aber, daß es sich um einen über viele Jahrhunderte in bestimmten Abständen genutzten, überregionalen, heiligen Platz handelte, wo ganz unterschiedliche Rituale abgehalten wurden. Der Schwerpunkt lag sicherlich in der späten Bronzezeit.
Das Seddiner »Königsgrab«

Bronzezeitbuch

Rohfassung eines Textes für das Buch "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) von Ernst Probst in alter deutscher Rechtschreibung

In der nordischen jüngeren Bronzezeit von etwa 1100 bis 800 v. Chr. vergrößerte sich das Verbreitungsgebiet des Nordischen Kreises um ein Vielfaches seiner ursprünglichen Ausdehnung. Es reichte nun im Süden bis zur Oder, Saale und Weser sowie im Norden bis Schweden und Norwegen. Wegen dieser Entwicklung spricht man auch vom großnordischen Kreis. In Deutschland gehörten Schleswig-Holstein, Mecklenburg-Vorpommern, das nördliche Brandenburg und der Norden Sachsen-Anhalts zum Bereich der nordischen jüngeren Bronzezeit.
Diese Kultur wird von den Prähistorikern in mehrere Gruppen eingeteilt. In Mecklenburg-Vorpommern gab es die Rügener Gruppe und Neubrandenburger Gruppe, im südlichen Mecklenburg-Vorpommern und im nördlichen Sachsen-Anhalt die Elb-Havel-Gruppe, im nördlichen Brandenburg und in Vorpommern die Uckermärkisch-westpommersche Gruppe und die Usedom-Woliner-Gruppe, im nördlichen Brandenburg die Prignitz-Gruppe (auch Seddiner Gruppe genannt) und die Rhin-Gruppe. Dagegen ist bisher in Schleswig-Holstein eine entsprechend weitergehende Unterteilung unterblieben.
Die Menschen aus dieser Zeit gelten als die unmittelbaren Vorfahren der Germanen. Bei der Untersuchung von Leichenbränden aus dem Flachgräberfeld in Warlin (Kreis Mecklenburg-Strelitz) konnte die Körperhöhe der dort Bestatteten ermittelt werden. Demnach waren die Männer in dieser Gegend zwischen 1,55 und 1,63 Metern groß. Eine Frau brachte es auf etwa 1,55 Meter Größe.
Eine auffallend hohe Kindersterblichkeit wurde bei Blievenstorf (Kreis Ludwigslust) in Mecklenburg-Vorpommern festgestellt. In fast der Hälfte der Gräber lagen Kinder und Jugendliche. Damit war dort die Todesrate unter dieser Bevölkerungsgruppe größer als in der nachfolgenden Vorrömischen Eisenzeit. In Hagenow-Granzin (Kreis Ludwigslust) in Mecklenburg-Vorpommern betrug das Durchschnittsalter aller Bestatteten zwischen 25 und 32 Jahren. Der älteste Tote war mindestens 55 Jahre alt.
Obwohl die Toten in der nordischen jüngeren Bronzezeit ausnahmslos verbrannt wurden, konnte man an ihren spärlichen Knochenresten vereinzelt Spuren von Krankheiten erkennen. So sind bei einem Jugendlichen aus Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) die Augenhöhlendächer porös (Cribra orbitalia), was auf eine Mangelerkrankung hinweist. Einem mehr als 45 Jahre alten Mann aus Gielow (Kreis Demmin) in Mecklenburg-Vorpommern fielen zu Lebzeiten einige kranke Zähne aus. Teilweise haben sich danach im Ober- und Unterkiefer Abszesse gebildet.
Die 1,5 Zentimeter lange Hiebverletzung auf dem Schädel einer mindestens 30jährigen Frau aus Gielow deutet darauf hin, daß es damals nicht immer friedlich zuging. Die Verletzung ist durch einen scharfschneidigen Gegenstand verursacht worden und ohne Komplikationen verheilt.
Der Griff eines elf Zentimeter langen bronzenen Messers bei Beringstedt nördlich von Itzehoe (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in Schleswig-Holstein lieferte Hinweise auf die Kleidung und den Schmuck der Frauen. Denn der sieben Zentimeter hohe Griff zeigt eine Frau mit kurzem Schnurrock, geflochtenem Gürtel, zwei Halsringen, einem Ohrring im überdimensionierten linken Ohr, Spiralen an den Unterarmen und einer Gürteldose auf dem Rücken. In ihrem Armen hält sie ein Gefäß. Die weibliche Gestalt wird als Priesterin, Göttin (»Halsringgöttin«) oder Opfernde gedeutet. Die abgebrochene Klinge ist mit einer Schiffsdarstellung verziert.
Als Kleidungsbestandteile gelten Knöpfe und Nadeln aus Bronze und Geweih. Bronzene Knöpfe sind unter anderem aus Mannhagen, Schwarzenbek, Tremsbüttel, Pahlen, Kölln-Reisik (alle in Schleswig-Holstein) und aus der Nähe von Warlow in Mecklenburg-Vorpommern bekannt. Sie sind in unterschiedlichen Formen angefertigt und teilweise prächtig verziert.
Die meisten Bronzeknöpfe wurden bei Warlow (Kreis Ludwigslust) in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Dort barg man etwa 190 Exemplare mit einem Durchmesser von 0,5 bis 0,8 Zentimetern, die im Innenteil mit einem bandförmigen kleinen Bügel versehen sind. Zum auf einem Wiesengelände in Tremsbüttel (Kreis Stormarn) freigelegten Depot gehören 65 kleine Bronzeknöpfe. Von den zwei Doppelknöpfen in Kölln-Reisik (Kreis Pinneberg) ist einer mit konzentrischen Rillen (vermutlich ein Sonnensymbol) und einer mit einem vierstrahligen Sternmuster verziert. Der Doppelknopf aus einem Grab von Schwarzenbek präsentiert auf der Schauseite ein Spiralmuster.
Verzierte Knöpfe aus Geweih in Knebelform liegen vom Voßberg bei Groß Gottschow (Kreis Prignitz) in Brandenburg, Hagenow-Granzin (Kreis Ludwigslust), Groß Upahl (Kreis Güstrow) und Wendelstorf (Kreis Bad Doberan) in Mecklenburg-Vorpommern vor. Sie sind mit Kreisaugen verschönert.
Die bronzenen Nadeln haben oft einen gekrümmten Schaft. Je nach ihrer Form werden sie als Warzenkopf-, Vasen-, Schälchen- und Scheibennadeln sowie als Nadeln mit doppelkonischem Kopf bezeichnet.
Außer Nadeln dienten bronzene Fibeln zum Verschließen von Gewändern. Bei den Fibeln mit spitzovalem Bügel wurden die Spiralen durch feste Platten ersetzt sowie der Bügel verkürzt und rautenförmig gestaltet.
Funde von Kämmen verraten, daß man eine ordentliche Frisur zu schätzen wußte. Je ein bronzener Kamm kam an den schleswig-holsteinischen Fundorten Kaisborstel (Kreis Steinburg) und Meldorf (Kreis Dithmarschen) sowie in Seddin (Kreis Prignitz) in Brandenburg zum Vorschein. In Emkendorf (Kreis Rendsburg-Eckernförde) soll ein Knochenkamm entdeckt worden sein, der jedoch verschollen ist.
Weitere Toilettegeräte sind bronzene Pfrieme, die als Tätowiernadeln fungierten, sowie Rasiermesser und Pinzetten. Die Rasiermesser waren zunächst drei-, später viereckig und wurden mitunter zu Kunstwerken im Kleinformat gestaltet. Ihr Griff ist S-förmig gebogen und endet manchmal mit einem Vogel- oder Pferdekopf. Die Klingen hat man teilweise mit Schiffsszenen verschönert. Pinzetten (Nippzangen) sind oft mit Leiterbandmustern verziert.
Die Ackerbauern und Viehzüchter wohnten in unbefestigten Haufendörfern, jedoch gelegentlich auch in befestigten Siedlungen (»Burgen«). Erhalten blieben davon Gruben, Hausgrundrisse, Keramikfragmente, Werkzeuge sowie Reste von Herden und Backöfen.
In der Hamburger Gegend sind mehrere Siedlungen aus jener Zeit durch archäologische Funde nachgewiesen. Drei davon haben nördlich der Elbe auf sandigen Geestböden nahe der Niederung des Flusses Bille gelegen.
Das größte jener Dörfer mit einer Ausdehnung von etwa 9000 Quadratmetern wurde bei Hamburg-Boberg (Groten Heesen) entdeckt. Dort hat man fünf Häuser mit einer Länge von 7,50 bis 12,50 Metern und einer Breite von vier bis fünf Metern sowie 838 Gruben freigelegt.
Die Siedlung an der Fundstelle Hamburg-Lohbrügge (Höperfeld) hatte ungefähr 5000 Quadratmeter Fläche. Von ihr blieben Reste von Hausgrundrissen und Gruben erhalten. Deren ehemalige Bewohner haben zahlreiche Keramikreste, Werkzeuge aus Feuer- und Felsgestein hinterlassen.
Das Dorf von Hamburg-Lohbrügge (Am Langberg) nahm eine Fläche von etwa 4000 Quadratmetern ein. Es konnten Reste von Hausgrundrissen und ca. 520 Gruben festgestellt werden. Zum Fundgut gehörten vor allem Keramik und Steingeräte.
Teile von Dörfern kamen außerdem bei Grabungen in Lenzersilge, Perleberg, Viesecke und Uetz (Brandenburg), in Klein Krams (Mecklenburg-Vorpommern) sowie in Osterburg-Zedau (nördliches Sachsen-Anhalt) zum Vorschein. Dabei wurden wichtige Erkenntnisse über die Anlage der Siedlungen, der Häuser und teilweise sogar über deren Inneneinrichtung gewonnen.
Die Siedlung von Lenzersilge im Kreis Prignitz lag in der Flußniederung der Silge. Sie war als Haufendorf angelegt, bei dem die Häuser nicht in Reihen, sondern in einem Haufen angeordnet sind. In Lenzersilge rahmten die Gebäude einen freien Platz ein. Im noch nicht zerstörten Teil dieses Haufendorfes wurden sieben Hausgrundrisse ermittelt. Das kleinste Gebäude war etwa 3,90 Meter lang und 3,40 Meter breit, während das größte eine Länge von ungefähr sechs Metern und eine Breite von 3,20 Metern aufwies.
In Lenzersilge bestanden die Häuser aus einer Pfostenkonstruktion mit Fachwerkwänden. Zu fast allen Anwesen gehörte eine Vorhalle. In den Häusern 1 und 5 wurden in Kellergruben Vorräte aufbewahrt. Verschiedene Bronzeobjekte im Haus 1 belegen, daß darin ein Bronzegießer wohnte. Andere Häuser dienten ebenfalls als Heimstätten von Handwerkern, wie Funde tönerner Spinnwirtel und Webgewichte demonstrieren.
Bei der Siedlung von Perleberg im Kreis Prignitz handelte es sich ebenfalls um ein Haufendorf. Dessen 16 Häuser waren um einen freien Platz in der Mitte mit einem Backofen gruppiert. Meistens hatten die Häuser eine Länge von fünf und eine Breite von vier Metern. Es gab aber auch einige größere Bauten mit den Maßen sieben mal zwölf Meter, in denen womöglich reichere Familien lebten. Die Bewohner dieser Siedlung haben offenbar das Dorf beim Verlassen systematisch geräumt, weil nur wenige Hinterlassenschaften zurückblieben.
Neun Grundrisse von rechteckigen Häusern mit Flächen von etwa 30 bis zu 36 Quadratmetern wurden in Viesecke (Kreis Prignitz) freigelegt. Der Abstand zwischen diesen Bauten betrug jeweils etwa acht Meter. Die Gebäude besaßen häufig an der Giebelseite, an der sich der Eingang befand, eine Vorhalle oder eine Art Windfang aus einer Wand mit senkrechten Bohlen.
Bei Rettungsgrabungen in Uetz (Kreis Potsdam-Mittelmark) wurden mehrere rechteckige Hausgrundrisse von etwa 15 Meter Länge und sieben Meter Breite festgestellt. Au-ßerdem sind Herdstellen sowie Vorrats- und Abfallgruben zum Vorschein gekommen.
In Klein Krams (Kreis Ludwigslust) stieß man auf ein großes Rechteckhaus mit Lehmwänden und drei Öfen. Pfostenlöcher konnten nicht beobachtet werden. Einer der Öfen diente zum Rösten von Eicheln. Bei einem anderen Ofen befand sich eine kellerartige Vertiefung, in der tönerne Vorratsgefäße untergebracht waren. Außerdem lagen darin viele Bruchstücke von Behältnissen, die vermutlich nach dem Abbrennen des Hauses von Regalen gefallen sind. In dem Haus hat man Fragmente von etwa 60 Tongefäßen geborgen. Das Gehöft wurde von einem Zaun umgeben.
Eine der größten unbefestigten Siedlungen jener Zeit wurde auf einer Talsandinsel am Rand der Flußniederung der Biese bei Osterburg-Zedau (Kreis Stendal) im nördlichen Sachsen-Anhalt ausgegraben. Von den insgesamt 78 nachgewiesenen Gebäuden waren 46 in den Boden eingetieft und 32 ebenerdig. Bei den letzteren Bauten im Zentrum der Siedlung handelte es sich um rechteckige Wohnhäuser. 28 der Wohnhäuser waren 5,40 Meter lang, drei Meter breit und im hinteren Teil mit einer Herdstelle versehen.
Merklich größer waren die restlichen vier Wohnhäuser von Osterburg-Zedau mit einer Wohnfläche von bis zu 40 Quadratmetern. Sie hatten ein hölzernes Gerüst aus zwölf Pfosten und waren in zwei Räume eingeteilt. In diesen Häusern wohnten vermutlich bedeutende Persönlichkeiten wie der Häuptling, Dorfälteste oder Priester.
Die 46 eingetieften Bauten von Osterburg-Zedau lagen am Rand der Siedlung. Sie dienten als Speicher beziehungsweise Werkstätten und waren 4,70 bis 7,90 Meter breit. Nach Schätzungen des Ausgräbers Fritz Horst (1936-1990) aus Berlin lebten in diesem Dorf etwa 120 Menschen.
Aus Mecklenburg-Vorpommern sind einige Befestigungen der nordischen jüngeren Bronzezeit bekannt. Solche »Burgen« gab es in Basedow (Kreis Demmin), auf dem Golm bei Kamminke (Kreis Ostvorpommern), Klein-Luckow (Kreis Müritz) und bei Kratzeburg (Kreis Mecklenburg-Strelitz) sowie möglicherweise in Penzlin (Kreis Müritz) und Rühlow (Kreis Mecklenburg-Strelitz).
Die imposante Befestigung von Basedow wurde durch eine Plankenwand geschützt, von der bei Ausgrabungen Reste zum Vorschein kamen. Vor der Plankenwand verlief in einigem Abstand ein Graben. Im Schutze dieser »Burg« lebten schätzungsweise 650 Menschen. Außer Scherben von Tongefäßen konnten dort auch Skelettreste eines vielleicht getöteten Kriegers geborgen werden. Die »Burg« von Basedow ist abgebrannt.
Auf einer Anhöhe zwischen zwei Seen war die Wallburg von Klein-Luckow errichtet worden. Sie hatte einen ovalen Grundriß.
Die »Burg« bei Kratzeburg war an der Ostseite des Dambecker Sees auf einem etwa 350 Meter langen und maximal 125 Meter breiten Plateau mit rundum abfallenden Hängen angelegt worden. Bei Ausgrabungen stieß man auf Pfosten-, Vorrats- und Abfallgruben sowie auf Reste eines fast fünf Meter breiten und vier Meter hohen verbrannten Walles, der einst die Befestigung umgab. Das Bollwerk war aus Holz und Erde konstruiert. Es wurde an der Vorder- und Rückfront durch eine Plankenwand abgeschlossen und mittels Ankerhaken in der Erdfüllung stabilisiert. Den Wall sicherte in 15 Meter Entfernung ein neun Meter breiter und 2,50 Meter tiefer Graben ab.
Getreidereste und -abdrücke, bronzene Sicheln, steinerne Getreidemühlen sowie Knochenreste von Haustieren lassen keinen Zweifel daran aufkommen, daß sich die damaligen Menschen vor allem vom Ackerbau und von der Viehzucht ernährten. Die Jagd und der Fischfang hatten keine große Bedeutung mehr.
Aus Möllenknob bei Archsum auf der Nordseeinsel Sylt ist der Anbau von Emmer (Triticum dicoccon), Dinkel (Triticum spelta) und Nacktgerste (Hordeum vulgare var. nudum) bekannt. Außerdem sind dort die Ackerunkräuter Vogelknöterich (Polygonum aviculare), Flohknöterich (Polygonum persicaria) und Weißer Gänsefuß (Chenopodium album) nachgewiesen. In Keelbek und Süderschmedeby im Kreis Flensburg wurden Abdrücke von Gerstenkörnern entdeckt, im Ortsteil Ashausen von Stelle (Kreis Harburg) solche von Weizen und Gerste sowie letztere ebenfalls aus Hittfeld-Karoxbostel (Kreis Harburg). In der Siedlung von Zitz (Kreis Potsdam-Mittelmark) kamen zahlreiche Samen von Ackerbohnen (Vicia faba) mit Fraßspuren von Ackerbohnen-Käfern zum Vorschein.
Allein zum Depot bei Bäk am Ratzeburger See (Kreis Herzogtum Lauenburg) in Schleswig-Holstein gehörten 14 Fragmente von bronzenen Sicheln für die Getreideernte. Eine bronzene Knopfsichel lag auch im Depot des Ortsteils Eichede von Steinburg (Kreis Stormarn) in Schleswig-Hol-stein. Bruchstücke einer steinernen Getreidemühle fanden sich in einem Grab von Warlin (Kreis Mecklenburg-Strelitz) in Mecklenburg-Vorpommern.
Die Bewohner der erwähnten Befestigung bei Kratzeburg hielten Rinder, Schweine, Pferde und Hunde als Haustiere. Am häufigsten waren dort die Reste von Rindern (23 Tiere), danach folgten solche von Schafen und Ziegen (mindestens 18 Tiere), Schweinen (sieben Tiere), vom Pferd und vom Hund.
Die Rinder von Kratzeburg hatten eine Widerristhöhe von 1,09 bis 1,23 Metern. Etwa zwei Drittel bis drei Viertel wurden geschlachtet, bevor sie das Alter von dreieinhalb Jahren erreichten. Die Schafe waren mit einer Widerristhöhe von 59 bis 65 Zentimetern etwa so groß wie heutige Heidschnucken. Sie wurden meistens erst nach dreieinhalb Jahren für den Verzehr getötet. Bei den Schweinen hatten die erwachsenen Tiere eine Widerristhöhe von 65 bis 70 Zentimetern. Bei ihnen sind alle Altersklassen geschlachtet worden.
In der erwähnten Siedlung von Zitz konnten Knochen von mindestens neun Rindern, fünf Schweinen, fünf Schafen oder Ziegen, drei Pferden und drei Hunden identifiziert werden. Aus der Siedlung auf dem Weilickenberg am Tornowsee bei Gühlen-Glienicke (Kreis Ostprignitz-Ruppin) in Brandenburg sind Reste von zehn Rindern bekannt.
Sogar Gräber lieferten manchmal Hinweise auf die damalige Viehzucht. Dies war bei Blievenstorf (Kreis Ludwigslust) in Mecklenburg-Vorpommern der Fall. Dort lagen zwischen den Gebeinen von auf Scheiterhaufen eingeäscherten Menschen auch Tierknochenstücke vom Pferd (ein Grab), vom Schwein (zwei Gräber) sowie vom Schaf oder von der Ziege (drei Gräber). Vielleicht handelte es sich um Überbleibsel des Leichenschmauses.
In freier Natur konnte man damals noch viele Wildtiere jagen. Als wichtigste Jagdbeute gelten Auerochsen, Elche, Rothirsche, Rehe, Wildschweine und Hasen. Daneben wurden auch Braunbären, Wölfe, Füchse, Wildkatzen, Luchse, Dachse, Gemsen, Biber, Adler, Schwäne und Möwen erlegt. Die größeren Tiere brachte man mit Speeren sowie mit Pfeil und Bogen zur Strecke. Kleinere Tiere wie Eichhörnchen, Igel, Marder, Iltisse und Wiesel fing man mit Fallen.
Die Jagd auf Rothirsche (Cerphus elaphus) und Hasen (Lepus europaeus) ist durch Knochenreste aus der Befestigung von Kratzeburg belegt. Die Bergung einer hölzernen Falle glückte in Ganzlin (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern. In der Siedlung Zitz fanden sich Jagdbeutereste vom Rothirsch, Hasen sowie Auerochsen (Bos primigenius) oder Wisent (Bos bonasus).
Gefischt hat man in Seen, Bächen und Flüssen mit Netzen, Harpunen und Angeln. Teilweise geschah dies vermutlich an Bord von Einbäumen aus. Zur Beute zählten neben anderen so große Fische wie Hecht (Esoc lucius), Wels (Silurus glanis) und Zander (Lucioperca lucioperca).
In einer Siedlungsgrube bei Schmalstede (Kreis Rendsburg-Eckernförde) lagen verkohlte Reste von Nacktgerste (Hordeum nudum), in einer anderen 220 Gramm verkohlter halbierter Wildäpfel (Malus sylvestris) und 35 Gramm verkohlter Hälften von geschälten Eicheln (Quercus robur).
Geröstete oder verbrannte Eicheln konnten auch bei Hittfeld im Kreis Harburg nachgewiesen werden. Der zentral auf dem Dorfplatz angelegte Backofen des erwähnten Haufendorfes Perleberg deutet darauf hin, daß es Backgemeinschaften gegeben haben könnte.
Zu den Tongefäßen der nordischen jüngeren Bronzezeit gehörten Kannen mit Schrägriefen, Buckelgefäße, weitmündige doppelkonische Terrinen (Doppelkoni), Zylinderhalsgefäße, Henkeltöpfe, Zipfelschalen, tassenförmige Gefäße und tönerne Löffel. In der Siedlung von Osterburg-Zedau gehörten zu jedem Wohnhaus ungefähr 50 Tongefäße unterschiedlicher Form und Größe: ein Sieb- und sieben Kleingefäße, 22 Töpfe mittlerer Größe, 18 Schalen und Näpfe, sowie drei große Rauhtöpfe.
Die Siedlungskeramik wurde meistens verziert, die Graburnen dagegen blieben häufig schmucklos. Als Ornamente dienten Besenstrich, Kerbenreihen, schräg verlaufende Kanneluren, eingeritzte Bögen, Tannenzweigmuster, Dreiecke, Linien, Kammstrich, Fingernageleindrücke, Knubben und gewellte Ränder.
Das umfangreiche Keramikdepot von Gramzow (Kreis Uckermark) in Brandenburg verrät, daß Tongefäße teilweise se-rienmäßig in Töpfereien modelliert wurden. Zu diesem Depot gehören insgesamt 36 Tongefäße, darunter 33 Kannen, die der Besitzer nicht mehr geborgen hat.
Gußformen, Gußkuchenreste, Altmetall, Werkzeuge und Depots mit verschiedenen bronzenen Werkzeugen, Waffen und Schmuckstücken deuten auf eine hochentwickelte Metallurgie hin. Gegen Ende dieser Kultur waren sogar schon eiserne Objekte in Gebrauch, die als Vorboten eines neuen Zeitalters gelten.
In der Befestigung bei Kratzeburg wurden zwei Gußformen und bei der Bronzeverarbeitung benutzte Steingeräte mit Rille entdeckt. Als Bronzegießerwerkzeug gilt ein Steingerät mit Rille aus Gühlen-Glienicke (Kreis Ostprignitz-Ruppin) in Brandenburg. Aus Alt Plestin (Kreis Demmin) in Mecklenburg-Vorpommern sind ein Amboß aus Geweih und ein Tüllenhammer bekannt. Ein ähnlicher Hammer liegt aus Rossow (Kreis Uecker-Randow) in Mecklenburg-Vorpommern vor.
Gußkuchenreste und Bronzeobjekte hat man – wie bereits erwähnt – im Haus 1 von Lenzersilge gefunden. Altmetall, das zum Bronzeguß wiederverwendet werden sollte, kam in Murchin (Kreis Ostvorpommern) in Mecklenburg-Vorpommern zum Vorschein. Zwei eiserne Nadeln fanden sich im »Königsgrab« von Seddin (Kreis Prignitz).
Das Vorhandensein von Metallobjekten in Depots war nach Ansicht von Prähistorikern die Folge rückgängiger Erzimporte. Vielleicht war die Metallgewinnung im Alpenraum rückläufig oder traditionelle Handelswege wurden durch Völkerbewegungen gesperrt. Es wäre aber auch ein Mangel an Tauschhandelsgütern denkbar, der vielleicht aufgrund des Schwindens der jütischen Bernsteinlager entstanden sein könnte. Wegen der verringerten Metallimporte mußte Altmetall umgeschmiedet oder umgeschmolzen werden. Die Depots mit Altmetall spiegeln eindrucksvoll wider, welche Werkzeuge, Waffen und Schmuckstücke damals angefertigt wurden.
Zum Depot bei Bäk am Ratzeburger See (Kreis Herzogtum Lauenburg) in Schleswig-Holstein gehörten fünf Schwert-, neun Lanzen- (von fünf Lanzen), vier Tüllenbeil- und fünf Messerbruchstücke, zwei Messer, 14 Sichelfragmente, ein Sägenfragment, zwei kleine Meißel, zwei Pinzettenfragmente, ein Schaftbruchstück, der kegelförmige Kopf einer Nadel, zahlreiche Bruchstücke von Arm- und Beinringen sowie Bronzebuckelchen.
Das Depot in einem Tongefäß von Kronshagen unweit von Kiel (Kreis Rendsburg-Eckernförde) umfaßte ein Bronzeband (Zierband beziehungsweise »Diadem«), drei Hängebecken (Hängegefäße), einen Gürtelbuckel, drei gedrehte Halsringe, zwei Armspiralen, zehn Armstulpen, sieben Bruchstücke von Armspiralen aus Doppeldraht und einen Lanzenschuh. Das 55 Zentimeter lange und verzierte Bronzeband stammt vielleicht von einem Gürtel. Seine kultischen Motive könnten darauf hindeuten, daß es bei besonderen Festlichkeiten getragen wurde.
Ein weiteres Depot kam bei Murchin (Kreis Ostvorpommern) in Mecklenburg-Vorpommern zum Vorschein. Er enthielt 27 komplette Klingen und acht Bruchstücke von Tüllenbeilen, das Bruchstück eines Lappenbeiles, drei Tüllenmeißel, drei Lanzenspitzen, sieben Sicheln, 13 Armringe, einen kleinen Blechring, drei Ringe, sieben Ösenhalsringe, fünf Nadeln, das Bruchstück einer Schwertklinge, einen Messerrest und ein Trensenbruchstück.
Fast nur aus Schmuckstücken bestand das Depot von Roga (Kreis Mecklenburg-Strelitz) in Mecklenburg-Vorpommern. Dabei handelte es sich um ein Bronzebecken, ein verziertes »Diadem«, drei dünne Halsringe, sechs Armmanschetten, drei Spiralfingerringe, zwei Ringe und um einen Bernsteinring.
Außer Werkzeugen aus Bronze gab es weiterhin solche aus Stein, Knochen und Geweih, wie Funde aus Siedlungen und Gräbern beweisen. Im Grabhügelfeld bei Nettelbeck (Kreis Prignitz) in Brandenburg lag beispielsweise ein Wetzstein aus Sandstein mit Durchbohrung und Benutzungsspuren. Geweihreste mit Bearbeitungsspuren sind aus den erwähnten Siedlungen bei Kratzeburg in Mecklenburg-Vorpommern und von Gühlen-Glienicke (Kreis Ostprignitz-Ruppin) in Brandenburg bekannt. In Gühlen-Glienicke konnten unter anderem zwei Hirschgeweihäxte geborgen werden. Aus Oldenburg (Kreis Ostholstein) in Schleswig-Holstein liegt eine mit Kreisaugen verzierte, Hischgeweihaxt vor.
Reste von Geweih- und Knochengeräten wurden in etlichen schleswig-holsteinischen Brandgräbern entdeckt. So lag in einem Kindergrab von Bordesholm (Kreis Segeberg) ein bandförmiges, zwei Zentimeter breites, mit Punktaugen verziertes Knochengerät. In einem Männergrab vom selben Fundort fand sich der Rest einer Pfeilspitze aus Geweih und in einem Männergrab von Emkendorf-Kleinvollstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) ein 13,4 Zentimeter langer Pfriem aus Geweih.
Der Griff bronzener Messer endet teilweise mit einem stilisierten Vogelkopf, einem Spiralgriff oder sogar mit einer Menschenfigur. Exemplare mit einem menschengestaltigen Griff kennt man aus Beringstedt (Kreis Rendsburg-Eckernförde) und aus Tennsbüttel-Röst (Kreis Dithmarschen). Andere Messer haben nur einen Ringgriff. Oft wurde der Rücken der Messerklinge verziert. Manche Messer sind Importstücke aus dem Gebiet der süddeutschen Urnenfelder-Kultur.
Bronzene Pfrieme wurden manchmal mit einem Griff aus Bernstein versehen. Derartige Objekte kennt man aus Bunsoh (Kreis Dithmarschen) und aus dem Urnenfeld von Wacken (Kreis Rendsburg-Eckernförde) in Schleswig-Hol-stein.
Manche Krieger schützten ihren Kopf mit einem bronzenen Helm. Ein solcher wurde 1836 in einem Moor von Sehlsdorf (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Diese 25,5 Zentimeter hohe Kopfbedeckung mit glockenförmiger Kappe und knaufartigem Knopf stammt vermutlich aus dem Donaugebiet zwischen Karpaten und Balkan. Vielleicht ist er in der Gegend des Theißbogens angefertigt worden. Ein weiterer Bronzehelm konnte zwischen 1910 und 1912 bei der Erweiterung und Vertiefung des Havelkanals in Oranienburg (Kreis Oberhavel) zusammen mit einem Griffangelschwert geborgen werden.
Zwei bronzene Helme mit jeweils zwei geschwungenen Hörnern kamen in einem Moor von Vikso/ auf Seeland (Dänemark) zum Vorschein. Einer davon lag auf einem Holzbrett, der andere auf einer Tonschale. Bei beiden handelte es sich wohl um Opfergaben. Jeder von ihnen hat vorne einen hakenförmigen Schnabel und an dessen Seiten große nach au-ßen gewölbte Augen unter krummen Augenbrauenbögen. Verziert wurden diese Helme mit Reihen und Kreisen getriebener Buckel. Auf beiden Helmen verläuft eine tiefe Rille, in der sich Feder- oder Haarbüschel befestigen ließen.
Die zwei 1844 im Sumpfboden von Herzsprung (Kreis Uckermark) im nördlichen Brandenburg gefundenen Bronzeschilde eigneten sich wegen ihrer geringen Wandstärke nicht als Schutzwaffen. Sie dienten nur zu Prunk- oder Repräsentationszwecken. Einer von ihnen ist kreisrund und hat einen Durchmesser von 70 Zentimetern, der andere ist etwas oval und hat einen Durchmesser von 71 mal 68 Zentimetern. Diese Schilde sind mit konzentrischen Kreisen aus Buckelreihen und Wülsten verziert, die halbmondförmige Aussparungen haben. Solche Herzsprung-Schilde sind von Nordeuropa und den Britischen Inseln über Mitteleuropa bis nach Spanien und zu den Heiligtümern Griechenlands und Zyperns verbreitet.
Nach einem Fundort bei Stettin in Mecklenburg-Vorpommern werden die Schilde vom Typ Nipperwiese bezeichnet. Zu jenem Typ, von dem aus Deutschland einige Exemplare bekannt sind, gehört der Schild von Schiphorst (Kreis Herzogtum Lauenburg) in Schleswig-Holstein). Er hat einen Durchmesser von 39 Zentimetern, ist in der Mitte schwach nach außen gewölbt und dort sowie am Rand mit drei schmalen Rippen versehen.
Zur Waffenausrüstung gehörten damals außer den erwähnten Schutzwaffen in Form von Helmen und Schilden auch Angriffswaffen wie bronzene Schwerter, Dolche, Speere sowie Pfeil und Bogen. Bronzene Streitäxte waren aus der Mode gekommen.
Bei den Schwertern lassen sich so viele Formen wie nie zuvor unterscheiden. Es gab Hörnerknauf-, Dreiwulst-, Nierenknauf-, Antennen-, Möriger- und Auvernier-Schwerter. Erstere vier sind nach der Form benannt, die letzteren zwei nach Fundorten in der Schweiz. Die Schwerter zeichnen sich durch eine hohe Qualität aus und sind häufig auf dem Griff mit Gold verziert. Das Depot von Stölln (Kreis Havelland) in Brandenburg umfaßte sieben Schwerter und eine Lanzenspitze.
Neu bei den Speerspitzen waren Formen mit hohlem Blatt. Allein in Gabow (Kreis Märkisch-Oderland) in Brandenburg konnten elf bronzene Lanzenspitzen zusammen mit zwei Nierenringen geborgen werden.
Die Pfeilschäfte wurden meistens mit bronzenen zweischneidigen Spitzen bewehrt. Diesbezügliche Fundstücke kennt man aus Mannhagen (Kreis Herzogtum Lauenburg), Schalkholz (Kreis Dithmarschen) und Pohnsdorf (Kreis Plön). Daneben gab es Pfeilspitzen aus Feuerstein und Knochen, wie an je einem Fund aus Grebs (Kreis Ludwigslust) in Mecklenburg-Vorpommern ersichtlich wird.
Beile dienten nur noch als Arbeitsgeräte. Die Klingen der Tüllenbeile hatten zunächst eine gerade und später eine bogenförmige Schneide. Weitere Werkzeuge waren bronzene Meißel sowie Messer mit einfachem oder doppeltem Ringgriff. Manche Messer sind Importstücke aus dem Gebiet der süddeutschen Urnenfelder-Kultur.
Einen wertvollen Besitz stellten sicherlich die Tassen aus Bronzeblech vom Typ Fuchsstadt und vom Typ Jenisˇovice (früher Typ Kirkendrup) dar, die nach Fundorten in Bayern und Böhmen benannt sind. Dabei handelt es sich um Trinkgefäße mit einem Henkel.
Aus Basedow (Kreis Demmin) liegen eine Tasse vom Typ Fuchsstadt und zwei Tassen vom Typ Jenisovice, aus Dah-men (Kreis Demmin) eine Tasse vom Typ Jenisovice und aus Klein Luckow (Kreis Müritz) drei Tassen vom Typ Jenisovice vor. Sämtliche Fundorte sind in Mecklenburg-Vorpommern gelegen.
In Herzberg (Kreis Ostprignitz-Ruppin) in Brandenburg erfaßte im September 1991 die Schaufel eines Bagger beim Herrichten einer Teichanlage das Unterteil einer Bronzeblechamphore, die fünf Bronzebecher enthielt. Die Becher waren wie ein Satz mit den Mündungen nach oben ineinandergesteckt.
Aus Bronzeblech bestanden Schöpfgefäße mit Henkel, die teilweise verziert sind. Zwei solcher Gefäße fanden sich in den Heidbergen bei Güstrow in Mecklenburg-Vorpommern. Sie sind aus einem Stück gegossen. Das besser erhaltene Exemplar ist 5,1 Zentimeter hoch und hat am Rand einen Durchmesser von 8,3 Zentimetern. Das andere ist 5,5 Zentimeter hoch, hat am Rand einen Durchmesser von 8,9 Zentimetern und ist auf dem Unterteil mit zwei umlaufenden Spiralbändern geschmückt. Zwei Bruchstücke eines Schöpfgefäßes kamen bei Levitzow (Kreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern zum Vorschein.
In einem Moor bei Granzin bei Lübz (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern hat man Bronzekessel mit zwei Henkeln geborgen. Sie sind auf der oberen Hälfte prächtig ornamentiert. Zahlreiche von innen herausgetriebene Buckel bilden Linien, Sonnensymbole und Wasservögel.
Verschiedentlich wurden bronzene Hängebecken entdeckt. Zu den schleswig-holsteinischen Fundorten gehören Wacken im Kreis Rendsburg-Eckernförde (drei Exemplare), Kronshagen im Kreis Rendsburg-Eckernförde (drei), ein Moor bei Bad Oldesloe im Kreis Stormarn (zwei), eine Wiese des Ortsteils Eichede von Steinburg im Kreis Stormarn und Hamburg-Volksdorf (je ein Hängebecken). Ebenfalls je ein Hängebecken förderte man in Kluess (Kreis Güstrow) und Roga (Kreis Mecklenburg-Strelitz), beide in Mecklenburg-Vorpommern, zutage.
Die Hängebecken sind wegen ihrer Abnutzungsspuren am Boden, Deckel und an den Ösenschlitzen unterschiedlich gedeutet worden. Man hielt sie für Urnen, Lampen, Gefäße oder Gürteldosen, in denen Amulette und Schmuck aufbewahrt wurden. Noch heute weiß man nicht genau, wozu die Hängebecken dienten.
Für diese umstrittenen Becken wurde sogar eine Trageweise über dem Gewand auf dem Rücken erwogen. Doch der Hamburger Prähistoriker Friedrich Laux wies bei Experimenten nach, daß der Rand und die bei vielen Becken darüber hinausragenden Ösen der Trägerin bald starke Schmerzen bereitet hätten.
Im Verkehrswesen der nordischen jüngeren Bronzezeit spielte die Schiffahrt eine wichtige Rolle. Denn im Verbreitungsgebiet dieser Kultur lagen die Nord- und Ostseeküste sowie zahlreiche Bäche und Flüsse. Die Bedeutung der Schiffahrt spiegelt sich in den Darstellungen von Wasserfahrzeugen auf bronzenen Rasiermessern und Messern wider.
Schiffsmotive verzieren die Rasiermesser von Borgdorf und Lütjenbornholt (Kreis Rendsburg-Eckernförde), Neumünster-Tungendorf (Stadtkreis Neumünster), Gönnebek (Kreis Segeberg) und Albersdorf (Kreis Dithmarschen) in Schleswig-Holstein. Ein Schiffsornament ist auch auf einem Rasiermesser angebracht, das in einem der Grabhügel bei Kratzeburg (Kreis Mecklenburg-Strelitz) in Mecklenburg-Vorpommern lag. Auf der abgebrochenem Klinge des erwähnten Messers bei Beringstedt wird ebenfalls ein Schiff dargestellt.
Knochenreste von Pferden sowie Geschirrteile aus Geweih und Bronze weisen darauf hin, daß Pferde als Reit- und Zugtiere eingesetzt wurden. Skeletteile von Pferden sind – wie erwähnt – von der Befestigung bei Kratzeburg und aus dem Gräberfeld bei Blievenstorf bekannt.
Aus Geweih geschnitzte Knebel fanden sich in Leichenbränden von Bokhorst, Bordesholm, Bornhöved (alle drei Kreis Segeberg), Beringstedt, Emkendorf-Kleinvollstedt (beide Kreis Rendsburg-Eckernförde) in Schleswig-Hol-stein, Groß Gottschow (Kreis Prignitz) in Brandenburg, Groß Upahl (Kreis Güstrow) und Wendelstorf (Kreis Bad Doberan) in Mecklenburg-Vorpommern.
Zwei Paar gleichartiger Stangenknebeltrensen mit zweiteiligen Mundstücken aus Bronze wurden auf einem Acker in Karbow bei Lübz (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Zusammen mit diesen jeweils 14 Zentimeter langen Geschirrteilen kamen 14 bronzene Phaleren zum Vorschein.
Bisher einmalig in Mecklenburg-Vorpommern ist der Depotfund von Ückeritz auf der Ostseeinsel Usedom (Kreis Ostvorpommern) in Mecklenburg-Vorpommern. Das Depot umfaßte 110 Bronzeobjekte, die – mit Ausnahme zweier großer Nadeln – Bestandteile eines Pferdegeschirrs sind. Dazu gehören 54 Schmuckscheiben und Fragmente von beschädigten Scheiben, 13 Klapperbleche, 16 gerippte Hülsen aus Bronzeblech, zwei Aufsätze, sieben Trensenstangen, zwei verzierte Knebel, drei Knöpfe, zwei hülsenartige, hohle zylindrische Ringe, sechs Ringe, Teile von vier Geweihknebeln sowie kleine Bruchstücke und Holzfragmente.
Eine bronzene Schmuckscheibe, die zu einem Pferdegeschirr gehörte, wurde auch in Bad Oldesloe (Kreis Stormarn) in Schleswig-Holstein gefunden. Möglicherweise stammt sie ebenfalls aus einem Depot.
Nach den Funden aus Stade in Niedersachsen, aus Kühlungsborn (Kreis Bad Doberan) in Mecklenburg-Vorpommern und aus Kemnitz (Kreis Prignitz) in Brandenburg zu schließen, rollten damals sowohl Wagen mit bronzenen Speichenrädern als auch mit hölzernen Scheibenrädern durch Nord- und Ostdeutschland. Diese Gefährte dürften von Pferden gezogen worden sein.
Die zwei hölzernen Scheibenräder bei Kühlungsborn wurden etwa 120 Meter vor dem Strand in etwa 2,50 Meter Tiefe vom Grund der Ostsee hervorgeholt. Sie haben heute einen Durchmesser von 92,5 und 93 Zentimetern und dürften irgendwann zwischen 1000 und 800 v. Chr. hergestellt worden sein. Die Räder lagen wohl ursprünglich im Verlandungsbereich eines kleinen Baches, der noch heute in die Ostsee mündet. Vielleicht waren sie zum Aufquellen ins Wasser gelegt worden und konnten nicht mehr geborgen werden.
Die Scheibenräder von Kühlungsborn bestehen aus Eschen- und Ahornholz. Man hat sie jeweils aus drei nebeneinander angeordneten Brettern mit Dübeln und Leisten zusammengefügt. Die zwei halbmondförmigen Aussparungen neben dem Buchsloch wurden vielleicht geschaffen, um die Räder mit einer hindurchgesteckten Stange bremsen zu können.
Von einem Bronzerad stammt das Felgenteil aus Kemnitz. Es hat einen U-förmigen Querschnitt, ist sechs Zentimeter breit und 1,5 Zentimeter stark.
Als Wagenraddarstellungen werden von manchen Autoren die Funde aus zwei Siedlungsgruben bei Levitzow (Kreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern betrachtet. Dabei handelt es sich jeweils um eine tönerne Scheibe mit einem weiten Mittelloch. Eine hatte ursprünglich einen Durchmesser von 6,9 Zentimetern, einen Achsloch-Durchmesser von 1,6 Zentimetern und ein Gewicht von 114 Gramm. Der Durchmesser der anderen Scheibe beträgt 6,45 Zentimeter, ihr Achsloch-Durchmesser mißt 1,6 Zentimeter, und sie wiegt 55 Gramm.
Weitere Tonräder wurden bei Schöneberg und Friedenfelde (beide im Kreis Uckermark) in Brandenburg entdeckt. Diese Exemplare sind vierspeichig. An letzterem Fundort ka-men Reste von drei Tonrädern mit Rillenverzierung zum Vorschein. Möglicherweise dienten all diese Tonräder als Kinderspielzeug.
Vielleicht hat es damals schon hölzerne »Reisekoffer« gegeben. Als solcher wird ein zweiteiliges Behältnis von mehr als 50 Zentimeter Länge aus einem dünnen Eichenstamm gedeutet, das 1882 in einem Moor bei Koppenow unweit von Labehn im ehemaligen Kreis Lauenburg in Hinterpommern (heute Polen) zum Vorschein kam. Diesen Fund sah 1882 der Berliner Pathologe Rudolf Virchow (1821-1902) bei einer Exkursion im Museum Stettin. Er deutete das Objekt, in dem fragmentierte Ringe, eine Spiralplattenfibel, Knöpfe, Anhänger, ein Lappenbeil, zwei Tüllenbeile, eine Knopfsichel, eine Schwertklinge und Gußbrocken lagen, als »Reisekoffer«. Sein Hohlraum hatte kleine Abteilungen, in eine davon paßte genau die Schwertklinge.
Bei Tauschgeschäften wechselten Tongefäße, Metall, Bronzetassen, Salz, Werkzeuge, Waffen und Schmuckstücke den Besitzer. Dabei gelangten Tongefäße und bronzene Tüllenbeile mit kleinem Öhr aus der mitteldeutschen Lausitzer Kultur, Metall und Salz aus der Alpenregion, Antennen-, Auvernier- und Möriger Schwerter sowie Bronzetassen der Urnenfelder-Kultur, der erwähnte Helm von Sehlstorf aus dem Donauland und die Bronzeurne von Seddin aus Südeuropa in das Verbreitungsgebiet der nordischen jüngeren Bronzezeit. Viele Importwaren wurden vermutlich mit dem begehrten Bernstein von der Nordsee- und Ostseeküste »bezahlt«.
Geschmückt hat man sich mit bronzenen Zierbändern, Halsketten, gedrehten (tordierten) Halsringen, Halskragen, Armringen, massiven Armmanschetten, an denen klappernder Schmuck hing, sowie mit Armspiralen, Fußringen und goldenen »Eidringen«. Perlen aus Bernstein und Bronze zierten Halsketten.
Zierbänder (»Diademe«) wurden in Lübtheen (Kreis Ludwigslust) und in Roga (Kreis Mecklenburg-Strelitz) in Mecklenburg-Vorpommern gefunden. Auf dem Zierband aus dem Depot von Roga sind Darstellungen von stilisierten Pferden, Sonnen und Menschen zu sehen. Dabei handelt es sich wohl um die Wiedergabe von Zeremonien des Sonnenkultes.
Die Halskette aus dem »Königsgrab« von Seddin (Kreis Prignitz) im nördlichen Brandenburg war mit bronzenen Spiralröllchen und Perlen als Anhängern versehen. Auch ein bronzener Halsring kam in Seddin zum Vorschein. Die in sich gedrehten Halsringe aus jenem Abschnitt lassen sich kaum von denen aus der vorhergehenden Zeit unterscheiden. Halskragen aus Bronzeblech wurden häufig mit längslaufenden Rippen verziert.
An den Armen trug man bronzene Ringe, massive Armmanschetten oder solche aus Bronzeblech, Spiralen und goldene »Eidringe«. Viele Armringe ähnelten stark den Formen aus älteren Abschnitten. Teilweise sind sie mit querstehenden Rippen gemustert. Der Draht der Armspiralen hat einen dach- oder bandförmigen Querschnitt.
Als typische Schmuckstücke der nordischen jüngeren Bronzezeit gelten die goldenen »Eidringe« mit freien oder fast lückenlosen Enden. Der unpassende Begriff »Eidring« wurde 1837 von dem dänischen Prähistoriker Christian Jürgensen Thomsen (1788-1865) aus Kopenhagen in seinem »Leitfaden zur nordischen Altertumskunde« geprägt. Damals hielten Altertumsforscher diese Armringe für heilige Requisiten, die von Wikingern beim Ablegen des Eides getragen wurden. Solche Pretiosen waren vielleicht bedeutenden Männern vorbehalten.
Goldene »Eidringe« liegen vor aus Wolfenhagen bei Wismar, Bresegard bei Eldena (Kreis Ludwigslust), Granzin bei Lübz, Jülchendorf bei Sternberg, Plau, Woosten bei Goldberg (Kreis Parchim) und Malchin (Kreis Demmin) in Mecklenburg-Vorpommern. Weitere Funde derartiger Schmuckstücke glückten in Bebensee, Großenaspe, Wittenborn (alle drei Kreis Segeberg), Meldorf, Dithmarschen (beide Kreis Dithmarschen), Neumünster und Rendsburg in Schleswig-Holstein.
Die Kunst der nordischen jüngeren Bronzezeit wurde durch Symbole der süddeutschen Urnenfelder-Kultur inspiriert. Aufgrund der Verbindung von Althergebrachtem und Neuem wirkt der jungbronzezeitliche Stil lebendiger und vielseitiger. In Rasiermesser, Messer, Hängebecken oder Pinzetten wurden Sonnensymbole (Sonnenrad, aufgerollte Spiralen), Dreiwirbel, Schlangen oder Schiffe eingraviert. Rasiermesser enden mit stilisierten Vogelköpfen oder aufgerollten Spiralen.
Viel Mühe wandte ein Künstler bei der Gestaltung einer 3,2 Zentimeter langen figürlichen Plastik aus Stein an, die in Schwedt/Oder (Kreis Uckermark) in Brandenburg zum Vorschein kam. Das kleine Kunstwerk hat einen fast kugelförmigen menschlichen Körper und einen ebensolchen Kopf. Augen, Nase und Mund sind eingeritzt. Der Rückenteil war einst rot bemalt, bei der Vorderpartie wurde auf Farbe verzichtet. Geteilt werden Rücken- und Vorderteil durch eine zwei Millimeter breite Linie seitlich des Körpers.
Die eingeritzten Vertiefungen der Augen wurden mit schwarzer Farbe gefüllt. Dagegen ist die Vertiefung, welche die Nase markiert, mit leuchtendroter Farbe ausgelegt. Vermutlich war auch der Mund rot bemalt. Zwei parallele schwarze Linien sollen wohl den Oberlippenbart darstellen. Acht schwache, bis zu fünf Millimeter lange und einst schwarz bemalte Einkerbungen symbolisierten möglicherweise den Kinnbarts oder Halsringe.
Ein tönernes Kunstwerk aus jener Zeit wurde in Putbus auf der Ostseeinsel Rügen entdeckt. Dabei handelt es sich um ein menschliches Köpfchen von 2,4 Zentimeter Höhe und 2,1 Zentimeter Breite. Die Ohren hat man durch einen Kniff mit Fingernägeln wiedergegeben, die Augen eingestochen, den Mund durch einen Einschnitt markiert und die Nase modelliert. Die Frage, ob das Tonköpfchen zu einem Gefäß oder zu einer Plastik gehört, muß unbeantwortet bleiben.
In Vietgest (Kreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern kamen bronzene Aufsätze mit einer Vogelfigur zum Vorschein. Sie dienten als Knöpfe und Schmuckstücke eines Gewandes.
Aus Klein Zastrow (Kreis Ostvorpommern) in Mecklenburg-Vorpommern kennt man die 13,5 Zentimeter hohe Bronzefigur einer nackten Frau, die einen Gürtel und einen Halsring trägt. Im Gegensatz dazu ist die erwähnte Frauengestalt auf dem Messergriff von Beringstedt mit einem kurzen Rock bekleidet.
Schiffs-, Rad- und Sonnensymbole wie auf skandinavischen Felsbildern sind auf Bronzebeschlägen eines Blashorns zu sehen, das aus einem Torfmoor der Gegend von Wismar in Mecklenburg-Vorpommern stammt. Der archäologische Wert dieses Fundes wurde erst erkannt, als er 1836 in den Altmetallbestand einer Glockengießerwerkstatt gelangte, wo ihn aufmerksame Bürger vor dem Einschmelzen retteten.
Die Bronzebeschlagteile bildeten das Mundstück und den Schalltrichter eines Musikinstrumentes, dessen Mittelteil aus einem Rinderhorn bestand, von dem geringe Reste erhalten blieben. Das breite Mundstück ist in sieben waagrechte Zonen mit verschiedener Punkt- und Stichornamentik eingeteilt. Auch Schiffs-, Rad- und Sonnensymbole wurden eingraviert. Zwei der Zonen hat man mit einer laufenden Spirale ausgefüllt, die in das Bronzeblech eingepunzt wurde.
Weitere bronzene Beschläge von Blashörnern wurden in Bo-chin43 (Kreis Ludwigslust) und in Teterow (Kreis Güstrow) in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt. Das Alter des 30,5 Zentimeter langen Blashorns von Teterow ist umstritten. Dieses in einem Moor aufgefundene Blasinstrument ist durch acht Doppelrippen gegliedert. Das siebte Rippenpaar – vom Mundstück an gezählt – weist Verzierungen durch ein Fischgrätenmuster und seitlich durch eingepunzte Dreiecke auf.
Als typische Musikinstrumente der nordischen Bronzezeit gelten gänzlich aus Bronzeblech hergestellte Blashörner, die von den Prähistorikern als Luren bezeichnet werden. Im Gebiet des Nordischen Kreises konnten bisher mehr als 50 solcher Blasinstrumente geborgen werden. Luren sind auch auf Steinplatten von Gräbern (Kivik in Schweden) oder auf Felsbildern dargestellt.
Die 1835 entdeckte Lure aus Daberkow bei Demmin (Kreis Demmin) in Vorpommern ist 1,46 Meter lang. Dagegegen handelt es sich bei dem Fund aus Daberkow von 1911 nur um zwei zusammenpassende Bruchstücke vom unteren Ende einer Lure mit dem Mundstück, die zusammen eine Länge von 13 Zentimetern erreichen, und um ein drei Zentimeter langes Fragment von der Wandung des Rohres.
In Lübzin (Kreis Güstrow) kamen 1935 zwei Luren zum Vorschein. Davon gelangte eine fast vollständig erhaltene Lure von 1,67 Meter Länge, bei der nur das Mundstück fehlt, ins Schweriner Museum, während das zweite Instrument verschollen ist. Von Hof zum Felde (Kreis Nordwestmecklenburg) stammt das Fragment einer weiteren Lure.
Bei bestimmten Anlässen ließ man an einer langen Schnur hängende Schwirrhölzer durch die Luft kreisen und erzeugte so ein summendes Geräusch. Solche Musikinstrumente wurden schon in der Altsteinzeit von Neandertalern in England und Ungarn benutzt, welche die Töne des Schwirrgerätes vielleicht für die Stimme eines Gottes hielten. In Gadebusch (Kreis Nordwestmecklenburg) kam ein verziertes »Schwirrholz« aus Knochen zum Vorschein.
Das erwähnte bronzene »Diadem« von Roga (Kreis Mecklenburg-Strelitz) in Mecklenburg-Vorpommern beweist, daß damals nicht nur musiziert, sondern auch getanzt wurde. Denn auf dem zusammen mit anderen Schmuckstücken aus dem Schlamm eines Teiches geborgenen »Diadem« sind Gruppen symbolischer Figuren sowie stilisierte tanzende Menschen zu erkennen.
In der nordischen jüngeren Bronzezeit wurden die Toten auf Scheiterhaufen verbrannt und die übriggebliebenen Knochenreste (Leichenbrand) meistens in tönerne Urnen geschüttet. Danach hat man die Urnen in älteren Hügeln der Bronzezeit und Jungsteinzeit, unter neu errichteten flachen Hügeln oder in großen Urnenfeldern mit bis zu 200 Gräbern bestattet. Die Friedhöfe lagen in Sichtweite der Siedlungen und wurden häufig mehrere Perioden lang benutzt.
Meistens hat man die Gräber in Gruppen angeordnet. Aber es gab Ausnahmen von dieser Regel. So waren die Gräber bei Bresch (Kreis Prignitz) in Brandenburg im Abstand von einem bis zu 1,50 Metern in Reihen angelegt.
Die Urnen mit dem Leichenbrand wurden häufig mit Keramik verschlossen. Hierzu benutzte man Schalen, Gefäßunterteile, große Gefäßscherben und flache Steine. Gelegentlich standen Beigefäße in der Urne oder neben dieser. Über der Urne oder in deren Nähe lagen oft zerschlagene Gefäße.
Als Seltenheiten in Norddeutschland gelten Glockengräber, bei denen die Urne und die Deckschale von einem großen Vorratsgefäß überdeckt wurden. Ein derartiges Glockengrab kennt man bei Wustrow (Kreis Ludwigslust) in Mecklenburg-Vorpommern. Im Mittelelbegebiet waren Glockengräber häufiger.
Teilweise wurden die Urnen mit dem Leichenbrand durch Steine geschützt. Bei kistenförmigen Steinsetzungen umgaben hochkant stehende flache Platten die Urne. Zu kesselförmigen Steinsetzungen gehörten umstehende flache Platten sowie ein Boden- und ein Deckstein. Darüber wurden manchmal mehrere Lagen rundlicher oder flacher Steine aufgeschichtet. In anderen Fällen sicherten Steinpackungen mit einem Mantel aus faust- bis kopfgroßen Steinen die Urne, die oft auf einem größeren Stein stand und mit einer flachen Platte bedeckt wurde. Außerdem gab es Gräber nur mit Boden- oder Deckstein.
Die tönernen Urnen wurden hin und wieder mit kleinen »Seelenlöchern« versehen. Solche Behältnisse kamen in
Mecklenburg-Vorpommern in vier Gräbern bei Blievenstorf (Kreis Ludwigslust) sowie in Repzin (Kreis Parchim) zum Vorschein. Das »Seelenloch« sollte vielleicht ermöglichen, daß die Seele des in der Urne bestatteten Toten ein und aus gehen konnte.
Mitunter wurde der Leichenbrand nicht in eine Urne, sondern in einen Beutel aus Stoff oder Leder geschüttet. In anderen Fällen hat man die übriggebliebenen Knochen und die Asche auf eine länglich-ovale Steinsetzung gestreut. Diese Bestattungsart kam in Hügeln und Flachgräbern vor. Auch Beisetzungen ohne jeden Steinschutz konnten freigelegt werden.
Bei Ausgrabungen in Glasow-Streithof (Kreis Uecker-Randow), direkt am Steilhang der Randow, entdeckte der Berliner Archäologe Christoph Sommerfeld im Sommer 1995 die Reste des ersten Totenhauses von Mecklenburg-Vorpommern.
Ein aus über 1200 Steinen sorgfältig gesetztes, zweilagiges Pflaster von 3,60 Meter Länge und 2,40 Meter Breite, in das sechs randliche Pfostengruben mit Steinverkleidung eingebaut waren, bildete den Grundriß. Die Pfosten ruhten ehemals auf mächtigen Steinplatten.
Das Totenhaus war von Osten nach Westen ausgerichtet. Sein Eingangsbereich lag im Osten. In der Mitte des Totenhauses befand sich ein großer, abgeflachter Zentralstein. Westlich davon wurde eine in das Pflaster integrierte Steinkiste gefunden, die Knochenbrandmaterial enthielt. Östlich des Zentralsteins hatte man in eine andere Steinkiste ein vollständig erhaltenes, leeres Zy-linderhalsgefäß gestellt.
Nach Ansicht von Christoph Sommerfeld lassen die Zeitstellung und das kulturhistorische Umfeld darauf schließen, daß das Totenhaus in Glasow-Streithof als Vorgänger-Bauwerk der zeitlich anschließenden »Pommerschen Hausurnen« anzusehen ist. Der Befund dürfte für die Diskussion um die Entstehung und Konstruktionsprizipien des pommerschen Hausurnen-Phänomens von Interesse sein.
Aus Schollene-Neuschollene (Kreis Stendal) in Sachsen-Anhalt liegt eine Schädelbestattung vor. Sie wurde mit Hirschgeweihen abgedeckt, was wichtigen Persönlichkeiten vorbehalten gewesen sein dürfte.
In den Urnen mit dem Leichenbrand hatten nur wenige Beigaben Platz. Meistens handelt es sich um ein bis zwei Gegenstände wie bronzene Nadeln, Messer, Knöpfe, Ringe, Pinzetten oder Rasiermesser. Dagegen enthalten die auffallend zahlreichen Depotfunde aus dieser Zeit all jene Objekte, die in den Urnen fehlen: Schwerter, Beilklingen, Lanzenspitzen, Hängegefäße, Ringe, Fibeln und sogar Teile des Pferdegeschirrs. Möglicherweise war eine Reihe von Depots als ergänzende Ausstattung für das Jenseits gedacht, welche die Hinterbliebenen unter großen Steinen oder in Mooren angelegt hatten.
Im Gegensatz zur süddeutschen Urnenfelder-Kultur wurden im Verbreitungsgebiet der nordischen jüngeren Bronzezeit kaum tönerne Beigefäße zu den Urnen mit dem Leichenbrand gestellt. Die in den Urnen vorgefundenen Bronzegegenstände hat man nicht zusammen mit dem Toten auf dem Scheiterhaufen verbrannt, sondern erst nachträglich dazugelegt.
Für fern der Heimat gestorbene Menschen wurden vermutlich in seltenen Fällen sogenannte Scheingräber (Kenotaph genannt) errichtet. Hinweise auf diesen Brauch fand man unter anderem bei Albersdorf (Kreis Dithmarschen) und Schwarzenbek (Kreis Herzogtum Lauenburg) in Schleswig-Holstein. Bei Albersdorf enthielten manche Hügel nicht die geringste Spur einer Bestattung. Ähnlich war es bei einer kesselförmigen Steinsetzung in Schwarzenbek.
Zu den größten jungbronzezeitlichen Urnenfeldern in Schleswig-Holstein gehörten die Friedhöfe von Panten-Mannhagen (etwa 200 Urnengräber), Börnsen (mehr als 100 Gräber und weitere Grabhügel mit Urnen), Geesthacht-Hasenthal (etwa 100 Urnengräber), Schwarzenbek (etwa 60 Gräber) im Kreis Herzogtum Lauenburg sowie Neumünster-Tungendorf (etwa 70 Gräber) und Neumünster-Falderaschule (etwa 40 Urnengräber und weitere Gräber mit Leichenbrandschüttungen).
Als größter Urnenfriedhof jener Zeit in Mecklenburg-Vor-pommern gilt das Gräberfeld auf der Anhöhe »Dehms« bei Blievenstorf im Kreis Ludwigslust. Dort erfolgten nach Schätzungen des Schweriner Prähistorikers Horst Keiling insgesamt etwa 400 Bestattungen. Ausgegraben sind 169 Bestattungen aus der nordischen jüngeren Bronzezeit. In Blievenstorf wurden Urnengräber, Scherbenstellen, längliche oder ovale Steinsetzungen (»Steindämme«) und Gruben freigelegt.
Einen weiteren Urnenfriedhof vom Typ Blievenstorf entdeckte man bei der Errichtung eines Schweinestalles in Leezen (Kreis Parchim) in Mecklenburg-Vorpommern. Als die Arbeiter bei Planierungsarbeiten auf ein Steinpflaster stießen, hielten sie es zunächst für eine alte Straße, benachrichtigten jedoch nach Keramikfunden das Museum Schwerin. Der Friedhof Leezen umfaßte mehr als 50 Gräber und Branderdegruben. Auch dort wurden Steinset