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Wed, 06 Sep 2006 14:18:00 +0200 ![]() Wiesbaden Der Begriff "Schwarzer Peter", der oft verwendet wird, wenn es darum geht, jemand die Schuld für einen Fehler zuzuschieben, erinnert an den Räuber Peter Petri, der im 18. und 19. Jahrhundert im Hunsrück und Odenwald sein Unwesen trieb. Auf diese wenig bekannte Tatsache weist der Wissenschaftsautor Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim in seinem Taschenbuch "Der Schwarze Peter" (3-936326-39-8) hin. Der 1752 in Burgen bei Veldenz im Moselgebiet geborene, schwarzhaarige Holzfäller, Köhler und Räuber war ein Lehrmeister und Komplize des 25 Jahre jüngeren Schinderhannes (1777-1803), der als Deutschlands berühmtester Räuber gilt. Peter Petri kam auf die schiefe Bahn, nachdem französische Soldaten 1792 seine Hütte in der Holzfällerkolonie Hüttgeswasen bei Allenbach im Hunsrück angezündet hatten. 1812 verurteilte man Peter Petri im damals zu Frankreich gehörenden Mainz wegen seiner Verbrechen zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe, die er in Bicetre bei Paris absitzen sollte. Er erfand hinter Gittern das Kartenspiel "Schwarzer Peter", bevor er zu einem heute nicht mehr bekannten Zeitpunkt im Säuferwahn starb. Sowohl der Name des Kartenspiels als auch der Begriff "Schwarzer Peter" gehen laut Ernst Probst auf den zu Lebzeiten gefürchteten Räuber zurück. Der Journalist und Wissenschaftsautor Ernst Probst hat 2001 den Verlag Ernst Probst gegründet, der sich auf Bücher aus den Bereichen Biografien, Geschichte, Natur, Wissenschaft und Aphorismen spezialisiert hat. Im Verlag Ernst Probst sind auch die Bücher "Schinderhannes-Chronik" und "Schinderhannes-Ortslexikon" des Mainzer Historikers Dr. Peter Bayerlein erschienen. Ernst Probst hat sich durch seine Bücher "Deutschland in der Urzeit", "Deutschland in der Steinzeit" und "Deutschland in der Bronzezeit" einen Namen gemacht. Seine Standardwerke über die Urzeit, Steinzeit und Bronzezeit stehen in vielen europäischen Bibliotheken, werden oft in der Fachliteratur und in den Medien zitiert und sogar in renommierten Lexika erwähnt. * Leseprobe: http://www.beepworld.de/members79/ihrlesestoff/schwarzerpeter.htm Bestellungen: http://www.buch-shop-mainz.de Fri, 01 Sep 2006 19:47:00 +0200 ![]() Solnhofen - Unter den in der Gegend von Solnhofen und Eichstätt in Bayern entdeckten Fossilien aus der späten Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren sind Insekten mit mehr als 150 Arten vertreten. Damit rangieren sie was die Artenzahl betrifft noch vor den Fischen. Gemessen an ihrer Stückzahl werden Libellen allerdings merklich weniger gefunden als Fische und Krebse. Das Fundgut im aus Meeresablagerungen entstandenen Solnhofener Plattenkalk beweist, dass alle bedeutenden Ordnungen der gegenwärtig lebenden Insekten bereits in der späten Jurazeit existierten: Schmetterlinge, Käfer, Wespen, Fliegen, Florfliegen, Wasserläufer, Heuschrecken, Schaben und Libellen. In der Jurazeit gab es bei den Libellen bereits sämtliche gegenwärtig vorkommenden Unterordnungen, die nach der Größe und Lage der Augen sowie nach der unterschiedlichen Form der Flügel unterschieden werden. Die Großlibellen (Anisoptera) und die Kleinlibellen (Zygoptera) tragen einen irreführenden deutschen Namen, weil es auch unter den Kleinlibellen große Arten gibt. Eine dritte Unterordnung sind die Anisozygoptera. Die Zygoptera besitzen Vorder- und Hinterflügel von fast gleicher Form und Größe daher nennt man sie auch Gleichflügler, In Ruhelage sind die Flügel nach hinten oben zusammengeklappt. Die Anisoptera haben Flügelpaare von ungleicher Form. Ihr wissenschaftlicher Name bedeutet Ungleichflügler. Bei ihnen sind die Flügel in Ruhestellung waagrecht ausgebreitet. Die Anisozygoptera ähneln den Anisoptera sehr, aber teilweise auch den Zygoptera. Heute sind die Anisozygoptera nur noch durch die beiden Arten Epiophlebia superstes in Japan und Epiophlebia laidlawi im Himalaja vertreten. Bei den im Solnhofener Plattenkalk überlieferten Libellen ist das Geäder ihrer Flügel in allen Einzelheiten sichtbar. Bräunliche eisenhaltige oder schwärzliche manganhaltige Lösungen, die in die Hohlräume des Geäders eingesickert sind. haben dessen Verlauf farbig nachgezeichnet. Einige fossile Libellenarten aus der Gegend von Solnhofen und Eichstätt übertrafen mit ihrer imposanten Flügelspannweite sogar die stattlichsten exotischen Formen aus tropischen Gebieten der heutigen Zeit. So erreichte die Libelle Aeschnogomphus intermedius, die schon 1848 wissenschaftlich beschrieben wurde, eine Flügelspannweite bis zu 21 Zentimeter und eine Körperlänge von 14 Zentimeter. Die größten jetzigen Libellen haben eine Flügelspannweite von 14 Zentimeter. Die Libellen aus der späten Jurazeit vor etwa 150 Millionen Jahren waren Zeitgenossen von Urvögeln (Archaeopteryx), Flugsauriern und Dinosauriern. Offenbar wurden sie von manchen Flugsaurierarten gejagt und gefressen. Im Fundgut gibt es mitunter Libellenflügel mit Bissspuren von Flugsauriern. Fossile Libellen aus dem Solnhofener Plattenkalk sind seltene und bei Sammlern begehrte Objekte. Ein Steinbrucharbeiter, der jeden Arbeitstag etwa 8 Stunden lang Solnhofener Platten spaltet, entdeckt etwa alle 2 bis 3 Jahre eine Libelle. Prächtige fossile Libellen aus Solnhofen und Eichstätt werden zeitweise im Online-Shop http://www.antiquitaeten-shop.net des international tätigen Fossilienhändlers Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim angeboten. Er verkauft mitunter auch Wasserwanzen, Wasserskorpione, Wasserläufer, Käfer, Grillen und Heuschrecken aus dem Solnhofener Plattenkalk. Heute existieren in Deutschland rund 80 Arten von Libellen. Die größte unter ihnen ist die Große Königslibelle Anax imperator (Herr und Herrscher) mit einer Flügelspannweite von maximal 11 Zentimeter. Libellen sind wahre Flugkünstler: Sie fliegen rückwärts, bewegen sich in der Horizontale wie ein Hubschrauber, stoppen und wenden während größter Geschwindigkeit. Ihre durchsichtigen und knittrigen Flügel werden von extrem starken Muskeln in der Brust angetrieben. Große Libellenarten erreichen eine Geschwindigkeit von 40 und mehr Stundenkilometern. Der Kopf der Libellen ist ungewöhnlich beweglich, was ihnen ein großes Sehfeld erlaubt. Die Augen der Libellen bedecken fast ihren ganzen Kopf. Je nach Art bestehen sie aus bis zu 28000 Facetten. Seit der späten Jurazeit vor rund 150 Millionen Jahren der Lebenszeit der fossilen Libellen aus der Gegend von Solnhofen und Eichstätt haben sich die Libellen anatomisch kaum verändert. Deswegen werden sie als Volltreffer der Evolution bezeichnet. Libellen gelten als perfekte Jäger. Während ihres rasanten Fluges ergreifen sie ihre Beute und fressen sie noch in der Luft. Sie verzehren vor allem Schmetterlinge, aber auch Fliegen, Mücken und sogar Artgenossen. Ihre im Wasser lebenden Larven jagen anfangs Mückenlarven, später nach mehrfacher Häutung und wenn sie bereits 5 Zentimeter lang sind sogar Kaulquappen und kleine Fische. Die mit Dornen bewehrten kurzen Beine der Libellen eignen sich nicht zum Laufen. Damit ergreift das Männchen während der Paarungszeit das Weibchen. Das Männchen fliegt von unten heran und umklammert die Partnerin danach steuern beide einen Schilfhalm oder einen Zweig an und das Männchen überträgt seinen Samen. Das Weibchen sucht nach Wasserpflanzen für die Eiablage und das Männchen hält nach dem nächsten Weibchen Ausschau. Libellen beherrschen jeweils einige Dutzend Quadratmeter große Reviere über Gewässern, die sie unermüdlich auf und ab fliegen. Wenn einem Männchen ein männlicher Artgenosse zu nahe kommt, attackiert er diesen und verjagt ihn. * Antiquitäten-Shop & Fossilien-Shop: Der Antiquitäten-Shop & Fossilien-Shop mit der Internetadresse http://www.antiquitaeten-shop.net wurde 2004 von dem Journalisten, Wissenschaftsautor, Buchautor, Buchverleger, Fossilien- und Antiquitätenhändler Ernst Probst gegründet. In diesem Online-Shop werden fossile Amphibien (Saurier) und Reptilien (Dinosaurierzähne) sowie Fossilien aus Solnhofen angeboten). * Kontaktdaten: Ernst Probst Antiquitäten-Shop & Fossilien-Shop http://www.antiquitaeten-shop.net Im See 11 D-55246 Mainz-Kostheim Telefon: +49 (0)6134 21152 Fax: +49 (0)6134 26665 E-Mail: ernst.probst@gmx.de Steuernummer: 043 857 603 23 UID-Nummer: DE154994733 Fri, 01 Sep 2006 19:43:00 +0200 ![]() Wiesbaden - Während der frühen Permzeit vor etwa 290 bis 260 Millionen Jahren schwammen in vielen Seen im Gebiet von Deutschland die später ausgestorbenen Stachelhaie (Acanthodier). In Mitteleuropa wird die frühe Permzeit wegen der teilweise auffällig rotgefärbten Gesteine aus diesem Zeitabschnitt auch Rotliegendzeit genannt. Ablagerungen aus dieser Zeit treten beispielsweise auf der linken Rheinseite bei Nierstein und Nackenheim unweit von Mainz und örtlich im Saar-Nahe-Gebiet besonders deutlich zutage. Der Name Stachelhaie beruht auf den kräftigen Stacheln, die bei diesen Fischen jeweils den Vorderrand der Flossensegel stützten. Die Stachelhaie sind mit den echten Haien nicht verwandt und werden im weiteren Sinne zur Gruppe der Panzerfische (Placodermen) gerechnet. In Schichten aus der Rotliegendzeit wird die Stachelhai-Gattung Acanthodes oft gefunden. Auf diesem Fundreichtum fußt der Name Acanthodes-Schichten im Thüringer Wald. Von der Gattung Acanthodes sind aus der Rotliegendzeit zwei Arten bekannt sind: Eine davon ist die bis zu 20 Zentimeter lange Art Acanthodes bronni, die andere die kleinere Art Acanthodes gracilis. Bei Acanthodes ist die Panzerung in ein aus vielen kleinen Knochenschuppen bestehendes Schuppenkleid abgewandelt. Die zahnlosen Stachelhaie ernährten sich offenbar von Plankton. Acanthodes gilt als guter Schwimmer, der wohl bevorzugt dicht unter der Wasseroberfläche in großen stehenden Gewässern lebte. Zu Lebzeiten der Stachelhaie in der frühen Permzeit lagen die Lebensräume dieser Fische im damaligen tropischen Gürtel auf 10 Grad bis 20 Grad nördlicher Breite. Das heißt: Analog zu heutigen tropischen Seen herrschte in den oberen Wasserschichten eine Temperatur von ständig mehr als 20 Grad Celsius mit nur sehr geringfügigen Schwankungen. An den einstigen Fundstellen der Stachelhaie in Rheinland-Pfalz sind seit 1986 Grabungen nach Fossilien gesetzlich verboten. Seitdem gibt es von dort keine Neufunde mehr. Es gelangen aber immer wieder Altfunde aus dem Besitz von Privatsammlern in den Fossilienhandel. Originalfunde von Stachelhaien gehören zeitweise zum Angebot des Online-Shops http://www.antiquitaeten-shop.net des international tätigen Fossilienhändlers Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim. Der frühere Journalist hat sich als Wissenschaftsautor mit seinen Büchern Deutschland in der Urzeit, Rekorde der Urzeit und Dinosaurier in Deutschland (letzterer Titel zusammen mit Raymund Windolf) einen Namen in der Fachwelt gemacht. Literatur: Haubold, Hartmut: Die Lebewelt des Rotliegenden, Wittenberg 1983 Probst, Ernst: Deutschland in der Urzeit, München 1986 Fri, 01 Sep 2006 11:03:00 +0200 Von Ernst Probst
![]() Christian Erich Hermann von Meyer kam am 3. September 1801 in Frankfurt am Main als Sohn des Juristen Johann Friedrich von Meyer (1772-1849) zur Welt. Sein Vater wurde 1825 Bürgermeister und Gesandter der freien Reichsstadt Frankfurt in der Bundesversammlung. Von Kindheit an litt Hermann unter einem körperlichen Gebrechen. Er hatte eine Art von Klumpfüßen, weswegen er nicht lange stehen oder gehen konnte. Wegen seiner Behinderung war Hermann von vielen Kinderspielen, bei denen im Freien herumgetobt wurde, ausgeschlossen. Er genoss in seiner Familie eine sehr gute Erziehung. Von Mai 1808 bis Oktober 1815 besuchte er das Gymnasium in Frankfurt am Main. Als Gymnasiast wandte er sich der Mineralogie und Chemie zu. Mit Friedrich Wöhler (1800-1882), der später ein berühmter Chemiker wurde, führte Hermann als Jugendlicher im Hof seines Elternhauses chemische Versuche durch. Sein Taschengeld gab er fast ausschließlich für Mineralien, Reagentien und Druckschriften über Chemie und Mineralogie aus. 1818 arbeitete Hermann von Meyer zur Vorbereitung auf das Hüttenwesen im Kahler Glaswerk. Auf Wunsch seines Vaters absolvierte er von 1819 bis 1822 eine Lehre im Bankhaus Gebr. Meyer seines Onkels. Die Beschäftigung in der Bank befriedigte ihn nicht. Während dieser Zeit verzichtete er nicht auf seine chemischen Versuche zusammen mit Wöhler. Ab Mai 1822 studierte der 21-jährige Hermann von Meyer an der Universität Heidelberg Mineralogie, Mathematik und Physik. Zu seinen akademischen Lehrern gehörten unter anderem die berühmten Wissenschaftler Heinrich Georg Bronn (1800-1862), Karl Cäsar von Leonhard (1779-1862) und Leopold Gmelin (1789-1853). 1824/1825 setzte Hermann von Meyer an der Universität München sein Studium fort. Dort ordnete er zusammen mit Franz von Kobell (1803-1882) die mineralogische Sammlung des bayerischen Staates und hatte in seiner Freizeit Kontakt mit Architekten, Bildhauern und Malern. Im Juli 1825 lernte Hermann von Meyer den Arzt und Anatom Samuel Thomas von Sömmering (17551830) kennen. Auf dessen Veranlassung wurde er am 16. August jenes Jahres in die nach dem Frankfurter Arzt Johann Christian Senckenberg (1707-1772) benannte, 1817 gegründete Senckenbergische Naturforschenden Gesellschaft (SNG) aufgenommen. Er ordnete deren mineralogische und paläontologische Sammlung, entwickelte sich bald dank seiner Ausdauer, seines Scharfsinns und Zeichentalents vom Schüler zum Meister und war Mitredakteur und einer der Hauptautoren der Veröffentlichungsreihe "Museum Senckenbergianum". Im Sommer 1827 wechselte Hermann von Meyer nach Berlin, betrieb dort naturwissenschaftliche Studien und pflegte die Geselligkeit. Täglich traf er sich mit der Schriftstellerin Bettina von Arnim (1785-1859) und lernte dank ihrer Hilfe bedeutende Künstler und Schriftsteller kennen. 1827/1828 leitete Hermann von Meyer in Nürnberg ein Institut für Glasmalerei, das unter anderem Arbeiten am Regensburger Dom ausführte. Am 10. Juni 1829 wurde er Mitglied der Leopoldinischen Akademie und erhielt den Beinamen Scheuchzer", der an den schweizerischen Arzt, Mathematikprofessor und Naturforscher Johann Jakob Scheuchzer (1672-1733) erinnerte. Am 9. November 1830 wurde Hermann von Meyer in Frankfurt am Main zum Diaconus der evangelisch-lutherischen Gemeinde gewählt, am 10. Oktober 1834 in die Bürgerrepräsentation aufgenommen und 1835 zum Senior des evangelisch-lutherischen Armenpflegeamts ernannt. Mit großer Begeisterung unternahm Hermann von Meyer paläontologische Studien. Er besuchte die fossilienreichen Sandgruben von Eppelsheim in Rheinhessen sowie Fossilienfundstätten in Georgsmünd und Solnhofen. Hermann von Meyer nahm an zahlreichen Versammlungen von Naturforschern in Europa teil. Ungeachtet seiner Abneigung gegen öffentliches Reden vor großem Publikum trug er zahlreiche Mitteilungen in den Sektionssitzungen vor. Sein Vortragsstil wird als klar, bündig, streng sachlich und seine Sprache als gewählt geschildert. Der Gelehrte Hermann von Meyer verfasste mehr als 300 wissenschaftliche Publikationen, beschrieb viele Fossilien und gab ihnen einen wissenschaftlichen Namen. Unter anderem prägte er die Gattungsnamen Plateosaurus (1837) für einen Dinosaurierfund bei Heroldsberg unweit von Nürnberg, Rhamphorhynchus für einen Flugsaurier (1847), Stenopelix für einen Dinosaurier (1857) und Archaeopteryx (1861) für den Abdruck einer Feder eines Ur-Vogels aus Solnhofen. Zeitgenossen rühmten die vorzügliche Allgemeinbildung Hermann von Meyers, sein großes handwerkliches und zeichnerisches Geschick sowie seine gerade und vornehme Gesinnung. Außerdem lobte man seinen ungewöhnlichen Fleiß, seine Ordnungsliebe, seine wundervoll organisierte Arbeit, seine ausgezeichnete Höflichkeit, seine feinen, weltmännischen Umgangsformen und seine Gottesfurcht. 1837 ernannte man Hermann von Meyer zum "Bundestags-Cassen-Controleur" in Frankfurt am Main. In dieser Zeit entfaltete er seine stärkste literarische Aktivität. Er begann sein Werk Zur Fauna der Vorwelt", gründete zusammen mit Wilhelm Dunker (1809-1885) die Paleontographica" und publizierte viele kleinere Abhandlungen. Von 1838 bis 1843 wirkte er als Sektionär für die Osteologie" der SNG in Frankfurt am Main. 1845 erhielt Hermann von Meyer einen akademischen Grad dank einer Ehrenpromotion durch die philosophische Fakultät der Universität Würzburg. 1851/1852 fungierte er als Erster Direktor der Senckenbergischen Naturforschenden Gesellschaft. Im März 1860 erhielt Hermann von Meyer einen Ruf als Professor der Geologie und Paläontologie an die Universität Göttingen, den er aber ablehnte. Er legte großen Wert auf die Unabhängigkeit seiner Stellung in der Wissenschaft und verzichtete stets auf Honorar für seine literarischen Arbeiten. Ab 1. Januar 1863 arbeitete Hermann von Meyer als Bundestags-Cassier, was ihm vermehrte Arbeit einbrachte. Im selben Jahr bezeichnete man einen Berg in Neuseeland ihm zu Ehren als Mount Meyer. 1866 brachte er die "Bundescasse" vor den Preußen in Sicherheit, zunächst auf die Festung Ulm und dann nach Augsburg. Nach Kriegsende wickelte er die Liquidation der "Bundescasse" ab und wurde nach 30-jähriger Amtsführung zusammen mit den anderen Bundesbeamten pensioniert. Bald danach erschwerte ein bösartiges Augenleiden Hermann von Meyer das Lesen und Schreiben. Am 2. April 1869 starb er nach einem Schlaganfall. In einem Nachruf über ihn ist zu lesen: "Die große Zahl seiner Mitbürger, welche dem schön gewachsenen Mann in schwarzem Anzuge und dem wegen mißgebildeter Füße beschwerlichen Gang, den er durch einen Stock unterstützen mußte, auf seinen täglichen Spaziergängen um die Stadt begegnete, kannte ihn wohl nur als Bundes-Cassier; nur die wenigsten wußten, welche hohe Stellung derselbe sich in der Gelehrtenwelt errungen hatte". Das Unwissen über die große wissenschaftliche Leistung Hermann von Meyers ist bis heute geblieben. In gedruckten heutigen Lexika wird der bedeutendste Wirbeltierpaläontologie Deutschlands unverständlicherweise nicht erwähnt * LITERATUR Hermann von Meyer - Frankfurter Bürger und Begründer der Wirbeltierpaläontologie in Deutschland (Hermann von Meyer - A Frankfurt citizen and pioneer of vertebrate paleontology in Germany.) Hrsg.: Keller, Thomas; Storch, Gerhard 2001. 47 Seiten, 27 Abbildungen, 3 Tabellen, 30x21 cm (Kleine Senckenberg-Reihe, Band 40) ISBN 3-510-61329-5 www.schweizerbart.de/pubs/books/sng/ kleinesenc-190104000-desc.html Bielohlawek-Hübel, Gerold (Herausgeber): Hermann von Meyer. Aus: Wer fand den Urvogel? Die Geschichte des Archaeopteryx aus dem Altmühljura, Riedstadt 2005 Probst, Ernst: Deutschland in der Urzeit, München 1986 Struve, Wolfgang: Hermann von Meyer. Sonderdruck aus Senckenbergiana Lethaea, Band 48, S. 56-70, 1967. Aus der Geschichte des Senckenberg-Museums, 15: Zur Geschichte der Paläozoologisch-Geologischen Abteilung des Naturmuseums und Forschungs-Instituts Senckenberg. Teil I: von 1763 bis 1907, Frankfurt am Main, 22. 11, 1967 Fri, 01 Sep 2006 11:00:00 +0200 ![]() Elisabeth Ruttkay, geborene Kiss, kam am 18. Juni 1926 in Pecs (Fünfkirchen) in Ungarn zur Welt. Sie erwarb sich große Verdienste um die Erforschung der jüngeren Steinzeit (Neolithikum) und der Bronzezeit in Österreich. Für ihre wissenschaftlichen Leistungen wurde sie 1987 mit dem "Förderungspreis Niederösterreichs" und 1988 mit dem "Österreichisches Ehrenkreuz für Wissenschaft und Kunst" ausgezeichnet. 1944 legte Elisabeth Ruttkay die Matura (Abitur) ab. 1955 absolvierte sie die Lehramtsprüfung und erhielt das Diplom an der Universität Budapest. 1956 flüchtete sie nach Österreich, wo sie fortan lebte und 1961 die österreichische Staatsbürgerschaft erhielt. Von 1962 bis 1968 arbeitete Elisabeth Ruttkay am "Burgenländischen Landesmuseum Eisenstadt" und von 1968 bis 1992 an der Prähistorischen Abteilung des "Naturhistorischen Museums Wien". Dort promovierte sie 1979 zum Doktor der Philosophie. Nach dem Tod ihres ersten Ehemanns heiratete Elisabeth Ruttkay 1983 den Philosophen Dr. Tibor Hanak, einen der Chefredakteure von "Radio Freies Europa". Seit 1992 ist Elisabeth Ruttkay im Ruhestand. Elisabeth Ruttkay hat eine Kulturstufe der Jungsteinzeit herausgearbeitet und beschrieben (Bisamberg-Oberpullendorf-Gruppe, 1976) und zwei weitere andeutungsweise aufgestellt (Mödling-Zöbing-Gruppe, 1973, und Herzogenburg-Gruppe, 1981). Auch einer Kulturstufe der Bronzezeit, der Attersee-Gruppe, gab sie 1981 den Namen. Außer vielen wissenschaftlichen Publikationen leistete Elisabeth Ruttkay erhebliche Beiträge zu den populärwissenschaftlichen Büchern "Deutschland in der Steinzeit" (1991) und "Deutschland in der Bronzezeit" (1996) des Wissenschaftsautors Ernst Probst aus Mainz-Kostheim. Kurzbiografien von Elisabeth Ruttkay sind in den Büchern "Deutschland in der Steinzeit", "Deutschland in der Bronzezeit" und "Superfrauen 5 - Wissenschaft" von Ernst Probst nachzulesen. Eine Liste der Publikationen von Elisabeth Ruttkay findet man unter der Internetadresse http://www.nhm-wien.ac.at/NHM/Prehist/Ruttkay/Publikationsliste_Ruttkay_G.html Fri, 01 Sep 2006 10:50:00 +0200 ![]() Wiesbaden Die in den Medien, in der Politik und in der Wirtschaft oft gebräuchlichen Begriffe Mammutprogramm und Mammutsitzung im Sinne von etwas besonders Großem sind völlig fehl am Platz. Denn das eiszeitliche Mammut Mammuthus primigenius war in Wirklichkeit nicht das größte Rüsseltier, sondern mit einer Schulterhöhe von etwa 3 Metern kleiner als ein heutiger Afrikanischer Elefant. Darauf weist der Wissenschaftsautor Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim in seinem Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" (Omnibus Verlag, ISBN 3-570209-53-9) hin. Die größten Elefanten sind laut Probst die Waldelefanten (Palaeoloxodon antiquus) und Steppenelefanten (Mammuthus trogonterii) im Eiszeitalter gewesen, die eine Schulterhöhe von ca. 4,50 Metern erreichten. Er glaubt aber nicht, dass statt Mammutprogramm und Mammutsitzung künftig Waldelefanten- oder Steppenelefantensitzung gesagt werden wird. ![]() Stimme eines Mammuts Mammute existierten etwa vor 250.000 bis 12.000 Jahren in Europa., aber auch in Asien, Amerika und Afrika. Sie sind durch ein dichtes Fell mit bis zu 35 Zentimeter langen Wollhaaren und darüber liegenden Deckhaaren gut gegen Kälte geschützt gewesen. Außerdem hatten sie eine 3 Zentimeter dicke Haut und eine dicke Fettschicht. Ihre Stoßzähne waren bis zu 4 Meter lang und wogen pro Exemplar drei Zentner. Damit konnten sie Schnee wegschaufeln, um an die darunter befindliche pflanzliche Nahrung zu gelangen. Über das Aussehen der Mammute weiß man gut Bescheid, weil in Sibirien und Alaska insgesamt mehr als 40 Kadaver im Dauerfrostboden geborgen wurden. Das Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" präsentiert zahlreiche Rekorde aus der Erdgeschichte, Pflanzenwelt, Tierwelt und Menschheitsgeschichte. Ernst Probst schrieb auch die Bücher "Deutschland in der Urzeit", "Deutschland in der Steinzeit", "Monstern auf der Spur" (Drachen, Riesen, Einhörner) sowie "Nessie" über das Ungeheuer von Loch Ness. Der Wissenschaftsautor Ernst Probst hat sich vor allem durch seine Bücher über die Urzeit, Steinzeit und Bronzezeit einen Namen gemacht. Diese Standardwerke stehen in vielen europäischen Bibliotheken, werden in der Fachliteratur, den Medien und in renommierten Lexika erwähnt. Ernst Probst gründete 2001 den Verlag Ernst Probst, der sich auf Bücher aus den Bereichen Biografien, Frauenliteratur, Geschichte, Natur, Wissenschaft und Aphorismen spezialisiert hat. Außerdem betätigt er sich seit 2003 als internationaler Fossilien- und Antiquitätenhändler und machte bereits als "Mann, der Saurier verkauft" Schlagzeilen. * Links: http://www.antiquitaeten-shop.net http://www.buch-shop-mainz.de Fri, 01 Sep 2006 10:43:00 +0200 Über eine rätselhafte Entdeckung bei einer Radtour
![]() Wiesbaden Was liegt denn da? dachte sich der Hobby-Archäologe E. P. während einer Radtour auf Feldwegen in Nähe seines Wohnortes in Hessen. Er hat seit vielen Jahren die Angewohnheit, wenn er an Äckern vorbeikommt, abzusteigen, um nach etwaigen archäologischen Funden Ausschau zu halten. Dabei hatte er allerdings noch nie etwas entdeckt. Weder Tonscherben noch Steinwerkzeuge und schon gar keine Bronzeschwerter. Diesmal erblickte E. P. aber ein Objekt, das seine Fantasie beflügelte. Am Rand des Ackers sah er eine Art Kieselstein mit dunkelbraunen und dunkelroten Linien auf mehreren Seiten. Auf einer Seite glaubte E. P. ein Säugetier mit Ohren zu erkennen, auf einer anderen Fläche eine abstrakte Menschenfigur und an einer der schmalen Kanten einen Vogel mit weit aufgerissenem Schnabel. Alles Motive, wie sie ähnlich von Jägern in der Altsteinzeit geschaffen wurden. ![]() Kurzentschlossen packte E. P. den mit bunten Linien überzogenen Stein in eine Plastiktüte, die er immer auf dem Gepäckträger seines Fahrrades mitführt. Zuhause wusch er den Stein vorsichtig mit kaltem Leitungswasser, trocknete ihn ab, maß ihn (Länge 12 cm, Breite 8 cm, Dicke 5,5 cm) und fotografierte ihn von allen Seiten mit einer Digitalkamera. In den nächsten Tagen sah sich E. P. immer wieder den Stein mit den bunten Linien sorgfältig an, verglich die Motive mit Abbildungen in der Literatur und entschloss sich dann, einen ihm bekannten freundlichen Archäologen um Rat zu fragen. E. P. informierte diesen Archäologen per E-Mail über seinen rätselhaften Fund und fügte im Anhang Fotos bei. ![]() Zur großen Freunde von E. P. erhielt er schon am nächsten Morgen eine Antwort von dem rund 100 Kilometer entfernten Experten. Was dieser ihm über den vermeintlich bemalten Kiesel mit Motiven aus der Steinzeit schrieb, klang sehr logisch, jedoch enttäuschend: Bei dem Stein handelt es sich wohl um ein Quarzitgeröll, das länger auf der Ackeroberfläche gelegen hat. Durch das ständige Bearbeiten des Ackers mit Pflug, Egge usw. schlug das Geröll immer wieder an die metallenen Ackergeräte. Der geringe, lineare Abrieb von Eisen auf der Oberfläche korrodierte schnell und ergab die rostbraunen linearen, wechselseitigen Spuren auf dem Geröll. Der Archäologe schloss mit den Worten: Ein Phänomen, das überall auf beackerten Geländeflächen zu finden ist. Es lassen sich auf vielen Steinen unterschiedliche Korrosionsspuren des Eisen-Abriebs nachweisen, von ganz frisch metallisch glänzend bis tief rotbraun. Insofern schon irgendwie ein Artefakt. Nach dieser prompten und kompetenten Antwort zog E. P. voller Respekt den Hut, den er gar nicht auf hatte, vor dem sachkundigen Archäologen. Außerdem beschloss er, wenn er tatsächlich mal zufällig etwas Seltenes und Wertvolles entdecken sollte, wieder diesen freundlichen Experten zu fragen. Fri, 01 Sep 2006 10:41:00 +0200 Was der Experte Helmut Tischlinger herausfand Eichstätt Die Entdeckungsgeschichte des wertvollsten Fossils aller Zeiten muss umgeschrieben werden. Der in den 1870-er Jahren am Blumenberg bei Eichstätt in Bayern gefundene und heute im Museum für Naturkunde in Berlin aufbewahrte Urvogel Archaeopteryx wurde früher entdeckt, als bisher in der Fachliteratur angegeben ist. Die Ehre, der Entdecker zu sein, gebührt einem anderen Mann. Außerdem ist die Fundschicht vermutlich älter, und am Skelett dieses Archaeopteryx erkannte man neue Einzelheiten. Herausgefunden hat dies der Fossilien-Experte und anerkannte Urvogel-Forscher Helmut Tischlinger aus Stammham (Landkreis Eichstätt). Seinen Recherchen zufolge kam der Urvogel vom Blumenberg, der heute in der Fachliteratur wegen seines Aufbewahrungsortes als "Berliner Exemplar" bezeichnet wird, nicht im Herbst 1876, sondern vermutlich schon 1875 oder sogar 1874 ans Tageslicht. Entdecker war nicht der Landwirt und Gastwirt Johann Dörr (1841-1915), sondern der Landwirt, Steinbruch- und Sandgrubenbesitzer Jakob Niemeyer (1839-1906), genannt "Sandjakl", aus dem Ort Blumenberg (heute ein Stadtteil von Eichstätt). ![]() Links Jakob Niemeyer, rechts Johann Dörr Jakob Niemeyer, dessen einzige Kuh gerade verendet war, verkaufte den auf seinem Gelände geborgenen Urvogel für eine Kuh zum damaligen Wert von 150 bis 180 Mark an seinen Nachbarn Johann Dörr, der das noch im Stein verborgene Fossil als Flugsaurier fehldeutete und für 300 Mark an den Steuerberater Ernst Häberlein (1819-1896) aus Weidenbach bei Ansbach veräußerte. Häberlein präparierte das von einer dünnen Gesteinsschicht bedeckte Fossil, bemerkte als erster Federabdrücke und seine wahre Natur als Urvogel. Im April 1880 verkaufte er das Fossil für 20.000 Goldmark, was einer heutigen Kaufkraft von mindestens 500.000 bis 1 Million Euro entspricht, an den Industriellen Werner von Siemens (1816-1892). Dieser überließ den Urvogel großzügigerweise zum selben Preis, der im April 1881 und im April 1882 in zwei Raten von je 10.000 Goldmark bezahlt wurde, dem damaligen "kgl. Mineralogischen Museum der Universität Berlin". Die neuen Fakten über die Entdeckungsgeschichte des "Berliner Exemplars" verdankt Helmut Tischlinger der Eichstätter Steinbruchbesitzerin und Firmenleiterin Gunda Mayer. Sie wandte sich im Frühjahr 2005 an ihn, um aus ihrer Familienüberlieferung Details zur Fundgeschichte des "Blumenberger Urvogels" (heute "Berliner Exemplar") weiterzugeben. Sie stammt aus einer der Steinbruch-Dynastien vom Blumenberg bei Eichstätt. Ihr Urgroßvater Jakob Niemayer betrieb zur Entdeckungszeit des Urvogels einen Steinbruch und eine Sandgrube am südöstlichen Ortsrand des Ortes Blumenberg. Gunda Mayer konnte Helmut Tischlinger genau die Stelle zeigen, wo einst das "Berliner Exemplar" ans Tageslicht gekommen war und wo sich heute ein Wiesengelände befindet. Dort existieren laut Geologischer Karte von Bayern nicht die sonst überall auf dem Blumenberg anstehenden Oberen Schichten des Weißjura, sondern ältere Untere Solnhofener Schichten des Weißjura. Wenn das "Berliner Exemplar" tatsächlich aus letzteren Schichten stammt, wäre es der geologisch älteste aller bisherigen zehn Urvogelfunde. Früher hatte es irrtümlich geheißen, das "Berliner Exemplar" sei im Steinbruch von Johann Dörr entdeckt worden. In Wirklichkeit besaß Dörr aber, wie Tischlinger ermittelte, zur Fundzeit noch keinen Steinbruch, sondern erst viel später. Helmut Tischlinger nahm 2003, 2004 und 2005 am "Berliner Archaeopteryx-Exemplar" umfangreiche Untersuchungen unter langwelligem ultraviolottem Licht mit einer verbesserten Filterungstechnik vor. Dabei konnte er mehrere bisher unklare Einzelheiten des Skelettbaus unterscheiden und wissenschaftlich beschreiben. Untersuchungen am Schultergürtel des "Berliner Urvogels" durch Tischlinger zeigten, dass dieser nicht gut und ausdauernd fliegen konnte. Er habe eher wie ein Hühnervogel gelebt. Überraschenderweise stellte sich zudem heraus, dass die Reste der Federn nicht nur als Abdruck, sondern stellenweise auch als dunkler Substanzfilm erhalten sind. Die Federreste stimmen in ihrem Bau mit Federn moderner Vögel überein. Tischlinger vermutet, der Urvogel sei rebhuhnfarben gemustert gewesen. In der Zeitschrift "Archaeopteryx" des Jura-Museums Eichstätt schilderte Tischlinger auch, wie das "Berliner Archaeopteryx-Exemplar" gegen Ende des Zweiten Weltkrieges vor Zerstörung bei Luftangriffen oder Abtransport nach Russland bewahrt wurde. Als die Bombardements zunahmen, entfernte man im Museumskeller einige Bodenplatten, hob eine Grube aus, versenkte darin den Urvogel in einer feuerfesten Stahlkassette zusammen mit dem Kopf eines riesigen Dinosauriers aus Afrika. Danach tarnte man das Versteck mit Sand- und Bodenplatten so gut, dass es bei Kriegsende nicht aufspürbar war. Das Original des "Urvogels vom Blumenberg" wird momentan in einem Tresor sicher aufbewahrt. Nach Abschluss der Arbeiten zur Neugestaltung der paläontologischen Ausstellungen des Museums für Naturkunde soll es ab 2007 in einer von dem Berliner Geschäftsmann Hans Wall gespendeten Hochsicherheitsvitrine zu bewundern sein. * ![]() Lesetipp: Gerold Bielohlawek-Hübel: Wer fand den Urvogel? www.werfanddenurvogel.de.vu * Das Taschenbuch "Wer fand den Urvogel?" ist erhältlich bei: http://www.buch-shop-mainz.de oder http://www.amazon.de/exec/obidos/tg/detail/offer-listing/-/3937316086/new/ref=sdp_new_b/028-7008173-6006919 Fri, 01 Sep 2006 10:38:00 +0200 Der Museumsgründer Arnulf Stapf
![]() Die Geschichte des Paläontologischen Museums Nierstein begann im Spätsommer 1945. Damals entdeckte der neunjährige Schüler Arnulf Stapf aus Nierstein beim Angeln am Rhein zufällig ein Geröll mit Flittern von Blattgold. Dies war der Auslöser dafür, dass er in der Folgezeit die Gerölle am Rheinufer aufmerksam beobachtete. Gold fand der kleine Arnulf Stapf nicht mehr, aber dafür Muscheln und Schnecken, die ihn bald mehr interessierten als die geangelten Fische. An der Bahnstrecke zwischen Nierstein und Nackenheim stieß Arnulf als Zehnjähriger auf Schotter zum Unterbau der Gleisanlagen, die aus dem Abraum des saarländischen Kohlereviers stammten und Pflanzenfossilien aus dem Karbon enthielten. Während eines Sommerurlaubs bei seinem Onkel in Alzey lernte der Schüler Arnulf Stapf auch die fossile Tierwelt des Oligozän kennen. Der Untermieter des Onkels hatte den Jungen in die Sand- und Kiesgruben der Alzeyer Umgebung geführt, wo er Haifischzähne, Schnecken und Muscheln bergen konnte. Fortan ließ Arnulf Stapf die Liebe zu Fossilien nicht mehr los. Besonders beeindruckte ihn das oft hohe geologische Alter von vielen Millionen Jahren dieser Zeugen der Erdgeschichte. Die Wohnung der Eltern von Arnulf Stapf in Nierstein erwies sich im Laufe der Zeit zu klein für die immer mehr wachsende Fossiliensammlung. Gründung des Museums Es war ein Glücksfall, dass der Bürgermeister von Nierstein. Paul Hexemer, die Bedeutung der Fossiliensammlung von Arnulf Stapf erkannte. Nach Fertigstellung des Neuen Rathauses Anfang der 1970-er Jahre stellte Hexemer im Alten Rathaus ein Zimmer für die Stapf'sche Sammlung als Ausstellungsraum zur Verfügung. Dank der Spenden von Privatpersonen und Firmen konnten die ersten Vitrinen angeschafft werden. Der Vater von Arnulf Stapf entwickelte sich zum versierten Museumsführer durch die Ausstellung. 1973 wurde das Paläontologische Museum Nierstein offiziell eröffnet. Es verfügt heute über vier Räume im ersten Stock des Alten Rathauses von Nierstein. Die Ausstellung ist seit der Gründung jeden Sonntag geöffnet, der Besuch ist kostenlos. Beim Suchen von Fossilien kam der Elektriker Arnulf Stapf, der unter anderem Waschmaschinen reparierte, im In- und Ausland mit vielen Gleichgesinnten zusammen. Seine Reisen zu Fossilienfundstätten führten ihn nach Gotland, Schottland, Wales, Frankreich, Belgien, Österreich, in die Tschechoslowakei und nach Nordafrika. Der Förderverein 1974 erfolgte die Gründung des "Vereins der Freunde des Niersteiner Paläontologischen Museums e. V.". Der Verein hatte 2005 rund 250 Mitglieder, darunter sind engagierte Fossiliensammler und renommierte Wissenschaftler. Die Mitglieder treffen sich an jedem ersten Freitag eines Monats zum Stammtisch und zu wissenschaftlichen Vorträgen. Zum tüchtigsten Mitstreiter von Arnulf Stapf entwickelte sich sein Sohn Harald, der beruflich als Designer arbeitet. Er barg und präparierte zahlreiche bedeutende Fossilfunde, erwarb sich Verdienste bei der Präsentation des Paläontologischen Museums Nierstein und gilt als renommierter Amateurpaläontologe. Ehrungen für Arnulf Stapf 1978 wurde die große Leistung von Arnulf Stapf, zahlreiche Zeugen aus allen Epochen der Erdgeschichte zusammengetragen zu haben und in einem Museum zu zeigen, gewürdigt: Damals erhielt er das Bundesverdienstkreuz. Auch in die Annalen der Paläontologie ging Arnulf Stapf ein: Nach ihm sind eine fossile Muschel (Chlamys stapfi) aus dem Oligozän und die älteste Eintagsfliege (Misthodotes stapfi) Mitteleuropas aus dem Perm benannt. Über das Paläontologische Museum Nierstein wurde oft in Zeitungen, im Rundfunk und im Fernsehen berichtet. Arnulf Stapf und sein Sohn Harald führen jeden Sonntag oder sonst nach Vereinbarung Besucher/innen persönlich und kostenlos durch das Paläontologische Museum. Bis 1993 wurde die Ausstellung bereits von mehr als 250.000 Interessierten, darunter vielen Professoren und Studenten, besucht Die Ausstellung Das Paläontologische Museum Nierstein präsentiert rund 2000 Fossilien aus allen Perioden der Erdgeschichte. Die Ausstellungsobjekte wurden mehr als 30 Jahre lang allein von Arnulf Stapf und später mit Hilfe seines Sohnes Harald und vieler Freunde zusammengetragen. Schwerpunkte der sehenswerten Schau sind Pflanzen- und Tierfossilien aus der Rotliegend-Zeit (Perm) von Nierstein in Rheinhessen sowie aus dem Saar-Nahe-Gebiet (Odernheim, Jeckenbach, Sobernheim), Fische aus dem Devon von Schottland, Mollusken aus dem Alttertiär des Pariser Beckens, Insekten und Fische aus dem Tertiär von Süd-Frankreich und Rheinhessen, Pflanzen und Insekten aus dem Pliozän von Willershausen, versteinertes Holz aus dem Raum Leipzig. Literatur Fossilien aus dem Paläontologischen Museum Nierstein wurden in populärwissenschaftlichen Büchern und wissenschaftlichen Abhandlungen beschrieben und abgebildet: Ernst Probst: Deutschland in der Urzeit, München 1986 Ernst Probst: Rekorde der Urzeit, München 1996 Freunde des Paläontologischen Museums Nierstein: Fossile Kostbarkeiten, Nierstein 1992 Lesetipp Paläontologisches Museum Nierstein http://www.museum-nierstein.de Fri, 01 Sep 2006 10:35:00 +0200 Leseprobe aus dem Taschenbuch "Monstern auf der Spur" (Wie die Sagen über Drachen, Riesen und Einhörner entstanden sind) des Wissenschaftsautors Ernst Probst:
![]() Riesengroß, den Furcht erregenden Rachen weit aufgerissen, geifernd, Feuer speiend, die Luft verpestend und wild mit dem kräftigen Schwanz um sich schlagend so wird der Drache in vielen Märchen und Sagen beschrieben. In den germanischen Mythen kämpfte Thor, der Gott des Donners, gegen die Midgardschlange. Der Drache Nidhögg nagte an den Wurzeln der Weltesche Yggdrasil, bis sie in der Götterdämmerung zusammenstürzte. Und Siegfried von Xanten tötete den Riesen Fafnir, der in Drachengestalt einen großen Goldschatz hütete. In Indien priesen Sänger den Sieg des Gewittergottes Indra über die VritraSchlange: Kläglich wie ein geknicktes Rohr liegt der Drache. Bei den Griechen bezwang der Gott Apollon den Python-Drachen, und der Halbgott Herakles tötete die neunköpfige Lernäische Hydra. Die Sumerer rühmten den Blitze schleudernden Göttersohn Marduk, der die Urgöttin der Finsternis, das Meeresungeheuer Tiamat, in zwei Teile spaltete, aus denen er dann Himmel und Erde bildete. Und der semitische Fruchtbarkeitsgott Baal erschlug den Chaosdrachen, den Fürsten Meer, mit einer Zauberkeule, wie auf 3000 Jahre alten Tontafeln von Ugarit zu lesen ist. Ähnliche Beispiele ließen sich in Hülle und Fülle aufführen. Die sich durch ein paar Jahrtausende hinziehende Gleichförmigkeit von Beschreibungen des ganze Landstriche verheerenden, Jungfrauen raubenden, meistens in einer dunklen Höhle hausenden Untieres, das schließlich von einem kühnen Drachentöter besiegt wird, erscheint Literaturwissenschaftlern, Völkerkundlern und anderen Forschern als merkwürdig. Es ist oft gefragt worden, wie es zu dieser immer wiederkehrenden Vorstellung vom Drachen gekommen ist. War es die Begegnung mit dem Krokodil oder dem Großwaran, oder waren es Funde von Knochenresten längst ausgestorbener Urzeittiere, welche die Phantasie der Menschen zu allen Zeiten beflügelt haben? Oder lebt gar in den Bildern vom Drachen die Urerinnerung an prähistorische Großsaurier? Wenn es nach Carl Sagan (19341996) gegangen wäre, dem Professor für Astronomie und Weltraumwissenschaften sowie Direktor des Forschungslaboratoriums für Planetarische Studien an der Cornell-Universität in Ithaca im amerikanischen Bundesstaat New York, dann hätten zumindest im Garten Eden Drachen gelebt. Der Wissenschaftler sagte: Das jüngste Fossil eines Dinosauriers ist etwa 65 Millionen Jahre alt, die Familie des Menschen (nicht die heutige Gattung Homo) einige zehn Millionen Jahre. Kann es menschenähnliche Geschöpfe gegeben haben, die tatsächlich dem Tyrannosaurus rex (einem der größten Raubdinosaurier) begegnet sind? Kann es Dinosaurier gegeben haben, die der Vernichtung in der späten Kreidezeit entgingen? Sagan fragte auch, ob die Angst vor Ungeheuern, von Kindern bald nach dem Erlernen der Sprache entwickelt, nicht Überbleibsel einer Reaktion auf Drachen der Urzeit sind. Der Münchner Paläontologe Edgar Dácque (18781945) hielt ein bis in die Kreidezeit zurückreichendes Artgedächtnis des Menschen für möglich. Er war davon überzeugt, dass die damalige Erfahrung mit Dinosauriern die Ursache für die Überlieferung von den Drachen sei. Die Tatsache, dass es in der Kreidezeit, die vor etwa 65 Millionen Jahren endete, Menschen noch nicht gab, tat Dácque mit der Behauptung ab: Vorfahren von uns in noch unentwickelter Tiergestalt muss es damals schon gegeben haben, und warum sollten ihre Erfahrungen nicht auf uns überkommen sein? Manche Urzeitforscher vertreten die These, in der Kreidezeit seien möglicherweise gar nicht alle Riesensaurier ausgestorben. Einige der letzten Vertreter dieser Tiere könnten bis in geschichtliche Zeiten in der Meerestiefe überdauert haben und so zu den Vorbildern für die Ungeheuer der Sagen geworden sein. Zoologen, die mit derartigen Gedanken liebäugeln, erinnern daran, dass es erst wenige Jahrzehnte her ist, dass man 1938 in den Meerestiefen vor der afrikanischen Küste den Quastenflosser Latimeria entdeckte, den lebenden Vertreter einer Fischgruppe, die in der Urzeit mit langstieligen Flossen an Land gegangen war. Bis dahin hatte man solche Fische für die Zeitgenossen der Saurier und daher für ausgestorben gehalten. Vielleicht erleben wir es, dass in irgendeinem Winkel der Erde ein letzter Riesensaurier lebend gefunden wird? schrieb Professor Joachim Illies (19251982) vom Max-Planck-Institut für Limnologie in Schlitz in seinem Buch zur Anthropologie des Tieres. Ja, vielleicht sei man ihm sogar längst auf der Spur. Schließlich sei das Ungeheuer aus dem schottischen Bergsee Loch Ness schon so oft und endgültig für tot erklärt worden und stets so hartnäckig wieder aufgetaucht, dass allein diese Zähigkeit Nessie als echten Angehörigen des sagenhaften Drachengeschlechtes ausweise. Für die große Mehrheit der Forscher jedoch sind Drachen nichts als Fabelwesen, die lediglich in der Vorstellung vieler Natur- und auch Kulturvölker Gestalt angenommen haben und sich nach Kulturraum und Wesensart unterscheiden. Saurier dagegen haben vor etwa 300 bis 65 Millionen Jahren unseren Planeten bevölkert, wie Fossilfunde zeigen. Die Vorfahren des Menschen, die kleinen Australopithecinen (Südaffe), erschienen nach heute allgemein anerkannter Lehrmeinung vor etwa fünf Millionen Jahren in den Tropen. Die ersten Menschen des heutigen Typs Homo sapiens sapiens gibt es in Europa erst seit etwa 35000 Jahren. Selbst dann also, wenn manche Sagen und Märchen, in denen Drachen eine Rolle spielen, uralt sind, ist es nach Ansicht der meisten Wissenschaftler doch ausgeschlossen, dass die Erinnerungs- und die Überlieferungsfähigkeit des Menschen Zehntausende von Jahren überbrücken oder gar 65 Millionen Jahre bis in die Zeit der letzten Dinosaurier zurückreichen könnte. Dass unseren Vorfahren vielleicht noch Drachen begegnet wären dies glaubt auch der Wirbeltierpaläontologe Rupert Wild vom Museum für Naturkunde in Stuttgart nicht, der als einer der besten Kenner von Dinosauriern in Deutschland gilt. Denn die Dinosaurier sind gegen Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren ausgestorben. Aus der Zeit danach findet man Überreste von ihnen nicht mehr. Es sei aber nicht auszuschließen, dass zu Urzeiten des Menschen große, inzwischen ausgestorbene Tiere existierten, die ihm Furcht und Schrecken einjagten. So kenne man aus Australien fossile Reste von mehr als fünf Meter langen Waranen, die noch im jüngeren Eiszeitalter vor etwa 20000 Jahren zu Zeiten der frühen Jetztmenschen gelebt hätten. Die Furcht des Menschen vor Drachen und anderen Ungeheuern wird von Rupert Wild für eine alte, an ursprüngliche Zustände erinnernde und vielleicht erblich bis heute bewahrte Eigenschaft gehalten. Sie stammt nach seiner Ansicht aus einer Zeit, in der sich der Mensch noch aktiv mit Konkurrenten auseinandersetzen, in der er ums nackte Überleben kämpfen musste. Während der Eiszeiten und Zwischeneiszeiten etwa hatte sich der Mensch gegen Höhlenbären, Höhlenhyänen, Höhlenlöwen und andere Tiere zu behaupten, die ihm gefährlich werden konnten. Vielleicht lasse sich die Angst vor Ungeheuern, vor allem bei Nacht und Nebel, als eine Art Ur-Instinkt bezeichnen, der sich infolge einer zunächst noch gering bleibenden Verbildung durch die Zivilisation besonders bei Kindern bis zu einem gewissen Alter erhalten hat, meint Wild. Die Drachensagen gingen möglicherweise auf ein erblich oder von Generation zu Generation überliefertes Urerlebnis zurück, bei dem der frühe Mensch vielleicht ein seine Existenz bedrohendes räuberisches Tier getötet habe. Wahrscheinlich sei dieses dann von der ganzen Sippe begutachtet worden, erläutert der Saurierexperte des Stuttgarter Naturkundemuseums. Man kenne ähnliches ja noch aus unserer Zeit: etwa wenn ein Wolf gejagt und erschlagen werde. Man wisse dies aus Berichten über den Tod der letzten Raubtiere wie Bären, Wölfe oder Luchse in den Wäldern Mitteleuropas. Die Drachensagen in Südosteuropa und Afrika wiederum gehen zum Teil auch auf den Löwen (zum Beispiel den Berberlöwen) zurück, der im Altertum noch in Europa vorkam, wie es griechische und römische Berichte belegen. Die Ausrottung des Löwen habe vermutlich ähnliche Sagen entstehen lassen wie bei uns die Ausrottung der letzten großen Raubtiere, sagt Wild. Nicht zuletzt Jägerlatein spiele bei Drachensagen eine Rolle, das gelte für die Größe, das Aussehen und natürlich für die Gefährlichkeit des Tieres. Stark übertriebene Berichte über die Länge und die Kraft von Schlangen sowie über deren Aussehen mit Stachelschwanz, Hautflügeln, Knochenkämmen bewirkten, dass in der alten Zoologie der Drache zum Inbegriff aller Ungeheuer wurde. Der heute noch in Afrika weitverbreitete, bis zu sechs Meter lange Felspython, der nachts sogar größere Säugetiere wie Antilopen oder Schweine überwältigt, wurde in der Antike als doppelt so lang geschildert. Aristoteles (384322 v. Chr.) beschrieb die Pythonschlange aus Libyen als von ungeheurer Größe. Und Plinius (2379 n. Chr.) versetzte dieses stattliche Reptil als Boa dann nach Kalabrien und in den Süden Italiens, wo es so berichtete er Rinder und Hirsche verschlungen habe, was zwar falsch war, aber das ganze Mittelalter hindurch weiter behauptet wurde. Der Drache habe gemäß der Weltsicht der Antike in die Liste der irdischen Tiergestalten gehört, sagte der bereits erwähnte Professor Illies. Er fehlte in keinem Tierbuch jener Zeit. Konrad von Megenberg, Zoologe des 14. Jahrhunderts, schrieb zum Beispiel: Draco ist der groesten tier ainz, daz dia werlt hot. Auf dem Kopf, so heißt es dann weiter, trägt er einen Kamm; wenn er läuft, reckt er die Zunge vor, heult und gähnt er mit dem Maul; aber nicht seine Zähne sind gefährlich, sondern sein Schwanz ist es mit diesem schlägt er tödlich zu. Von dem mag der groz helfant nicht sicher gesein, spekulierte Megenberg. Im neunten Jahrhundert wurzelt die Sage über einen roten Drachen, der den Sumpf von Geldern-Pont im Niederrheingebiet tyrannisiert haben soll. Dies geschah zu einer Zeit, in der die Normannen jene Gegend heimsuchten. Das nachts unter einem Baum lagernde Untier wurde von Wichard und Lupold, den Söhnen des Herrn von Pont, erschlagen. Der Drache schrie angeblich kurz vor seinem Tod noch Geldre. Diesen Namen erhielt die Burg, die die Drachentöter an jener Stelle errichteten. In uralten Zeiten soll laut einer Sage auch in einer Höhle des Drachenfels am Rhein ein Drache gehaust haben, den die heidnischen Bewohner der Gegend verehrten. Als man dem Monster eine zum Christentum bekehrte Jungfrau opfern wollte und sie an einen Baum band, hielt diese dem nahenden Drachen ein Kreuz mit dem Bild des Erlösers entgegen. Daraufhin kehrte das Untier um, stürzte zischend in den nahen Abgrund und wurde nie mehr gesehen. Leute, die dieses Wunder ergriffen beobachteten, banden die Jungfrau los und baten sie, ihnen einen Priester zu schicken, der sie unterweisen und taufen solle. An dramatischen Ereignissen des Jahres 1431 orientiert sich das Schauspiel Further Drachenstich, das alljährlich in der zweiten Augustwoche stattfindet: Während der für den Further Raum verhängnisvollen Hussitenkriege war das böhmische Taus Schauplatz einer Schlacht. Zu jener Zeit flüchteten viele Menschen ins benachbarte Furth, wo die Burgherrin sie bei sich aufnahm. Zu allem Überdruss kam ein Drache aus denWäldern und forderte ein Menschenopfer. Die Burgherrin war bereit, zu sterben, doch im allerletzten Augenblick kehrte der totgeglaubte Udo aus der Schlacht zurück, wurde zum Ritter geschlagen und tötete den Drachen mit einem Lanzenwurf. Wie früher Drachensagen entstanden sind, zeigt auch die Geschichte des Lindwurmbrunnens in der österreichischen Stadt Klagenfurt. 1335 wurde auf dem Zollfeld bei Klagenfurt der vermeintliche Schädel eines Lindwurms entdeckt, den man zunächst an einer Kette hängend im Rathaus von Klagenfurt aufbewahrte. Dieser Tierschädel diente Ulrich Vogelsang als Vorbild für das steinerne Lindwurmdenkmal, das 1590 begonnen wurde. Erst 1840 erkannte der Botaniker Franz Unger (18001870), dass es sich bei dem angeblichen Lindwurmschädelfund vom Zollfeld um den Rest eines eiszeitlichen Fellnashorns handelte. Heute wird dieser Schädel im Klagenfurter Stadtmuseum aufbewahrt. Ein weiteres Beispiel für die Beeinflussung eines Künstlers durch ein Fossil repräsentiert das Relief in einer Kirche in Rentweisdorf bei Coburg in Oberfranken. Das Kunstwerk zeigt einen vierbeinigen Drachen, bei dem Künstler eindeutig durch einen fossilen Plesiosaurier beeinflusst wurde. Einstmals konnten die Überreste ausgestorbener Urwelttiere kaum identifiziert werden. Kein Wunder: Zum Beispiel kam das erste lebende Nashorn, dessen Aussehen uns der Nürnberger Maler Albrecht Dürer (14711528) so eindrucksvoll als Holzschnitt überliefert hat, erst 1515 nach Europa. Häufig wurden in früheren Jahrhunderten große Knochen, die man in Flüssen gefunden hatte, entweder dem heiligen Christophorus oder aber Drachen zugeschrieben, berichtet der Paläontologe Wighart von Koenigswald vom Institut für Paläontologie der Universität Bonn. Und Jens Franzen vom Natur-Museum und Forschungsinstitut Senckenberg in Frankfurt am Main weist darauf hin, dass die Sage vom rätselhaften Einhorn auf fehlgedeutete Mammutstoßzähne zurückzuführen ist, während Funde von fossilen Zwergelefantenschädeln die Mär vom einäugigen Kyklopen nährten. Diese Schädel hatten nämlich dort, wo der Rüssel ansetzt, ein großes Loch, das für die Augenöffnung auf der Stirn des Riesen gehalten wurde. Der schweizerische Drachenspezialist Konrad Gesner (15161656) beschrieb in seinem Thierbuch, wie Drachen zu ihrem Namen gekommen sind: Dieser Namen Trach kommt bei den Griechen von dem scharfen Gesicht her und wird oft von den Schlangen in gemein verstanden. Insonderheit aber soll man diejenigen Schlangen, so groß und schwer von Leib all an der Größe halb übertretten, Trachen heißen. Tatsächlich sehen Schlangen wegen ihres starren Blickes, der durch das Fehlen der Augenlider hervorgerufen wird, unheimlich aus. Der landläufigen Vorstellung vom Drachen jedoch kommen große Echsen wesentlich mehr entgegen: Sie haben mitunter kräftige, bekrallte Extremitäten, hornartige Warzenbildungen oder Kämme auf dem Rücken und wirken daher manchmal wie zu Fleisch und Blut gewordene mittelalterliche Beschreibungen. Zu der Vorstellung vom Feuer speienden Drachen hat nach der Ansicht des Stuttgarter Paläontologen Rupert Wild wohl die tief gespaltene Schlangenzunge, die in ständiger Bewegung die Umgebung prüft, beigetragen. Das Züngeln der Schlangen und Echsen dient allerdings dem Wahrnehmen von Duftstoffen, die mit den Zungenspitzen im Gaumen in zwei kleine Öffnungen gebracht werden (sie enthalten das Jacobsonsche Organ, das die Sinneswahrnehmung ermöglicht). Mit der Hilfe ihres feinen Geruchsinns kann die Schlange Beutetiere ausmachen oder den Geschlechtspartner erkennen. Die zweigeteilte Zunge mag den Menschen angeregt haben, darin ein Feuer speien zu sehen. Schließlich wirkt das Züngeln ungewöhnlich; denn es ist einzigartig im Tierreich. Drachen und Schlangen gelten in der Bibel als Sinnbilder des Bösen. Die Schlange tritt im Paradies als Widersacher der ersten Menschen auf und erreicht es, dass Adam und Eva daraus vertrieben werden. In der Religion Israels bezwingt Gott den Furcht erregenden Leviathan, ein vielköpfiges Meeresungeheuer. Doch auch die anderen kanaanäischen Namen des Chaosdrachen kennt man im alten Israel ... warst Du es nicht, der den Rahab in Stücke schnitt, der den Tannin durchbohrte? heißt es in Jesaja 51,9. Martin Luther (14831546) versteht jedoch diese Tannimin, mit denen Gott sein fünftes Schöpfungstagewerk schmückt (Genesis 1,21), als große Fische; die katholische Jerusalem-Bibel spricht von großen Seetieren; und der jüdische Religionsphilosoph Martin Buber (18781965) übersetzt den Begriff mit großes Meeresungetüm. Im Christentum scheinen diese Tierdämonen verschwunden zu sein. Der Satan hat nun Menschengestalt und allenfalls noch Pferdehuf und Hörner als tierische Attribute. Aber auf den letzten Seiten des Neuen Testaments, in der Offenbarung des Johannes, kommen alle chaotischen Tiergestalten der Apokalypse mit ungeminderter Kraft von neuem an die Oberfläche. Da ist es wieder, das siebenköpfige Ungeheuer, der große Drache, die alte Schlange, die Teufel heißt, der Satan, der die ganze Welt verführt. Und da ist auch der siegreiche Held wieder da, der den Kampf mit ihm aufnimmt: Erzengel Michael und seine Engel gewinnen die Schlacht, und so wird der Drache mitsamt Gefolge auf die Erde gestürzt, wo er die Menschen peinigt und sich seine Opfer sucht, bis er am Ende der Tage gefesselt und in den Schwefelpfuhl geworfen wird. Wie die Krokodils-Schauermärchen, so sind auch die Drachensagen weitgehend das Ergebnis von Übertreibungen oder Fehldeutungen. Naturwissenschaftlich gesehen jedenfalls hat es Drachen, Lindwürmer oder Tatzelwürmer nie gegeben! Dass diese Furcht erregenden tierischen Phantasiegestalten stark den Dinosauriern ähneln, ist nur ein Zufall. * Bestellungen des Taschenbuches oder der CD-ROM "Monstern auf der Spur" bei: http://www.buch-shop-mainz.de Fri, 01 Sep 2006 10:33:00 +0200 ![]() * Zitate von Ernst Probst über Wissenschaft: * Wissenschaft beweist oft, dass man wenig weiß. * Wissenschaft dient manchmal dazu, etwas herauszufinden, was man vorher schon wusste. * Wissenschaft ist nichts für Ungeduldige. * Wissenschaft nützt zumindest demjenigen, der sie betreibt. * Wissenschaft ist für die Menschen ein Mittel zur Erhaltung der eigenen Art. * Wissenschaft ist mitunter die Kunst, mit vielen Worten wenig zu sagen. * Wissenschaft schafft häufig Wissen, das bald überholt ist. * Wissenschaft schafft oft mehr Fragen als Wissen. * Der Wissenschaftsautor Ernst Probst veröffentlichte unter anderem die Bücher "Deutschland in der Urzeit", "Deutschland in der Steinzeit", "Deutschland in der Bronzezeit", "Rekorde der Urzeit", "Dinosaurier in Deutschland" (zusammen mit Raymund Windolf), Monstern auf der Spur", "Nessie. Das Monsterbuch", "Meine Worte sind wie die Sterne" (zusammen mit Sonja Probst) und "Worte sind wie Waffen. Weisheiten und Torheiten über die Medien" (zusammen mit Doris Probst). Fri, 01 Sep 2006 10:31:00 +0200 ![]() Wiesbaden - In grauer Vorzeit haben auch in Deutschland riesige Vögel gelebt, die sogar kleine Säugetiere jagten. Auf diese wenig bekannte Tatsache weist der Wissenschaftsautor Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim hin. Nachfolgend eine Leseprobe aus "Rekorde der Urzeit": Als der älteste und größte Laufvogel Europas gilt der 2 Meter große Gastornis, der im Paläozän vor etwa 60 Millionen Jahren in Frankreich lebte. Er hatte einen großen Schädel, ein kleines Flügelskelett und riesenhafte Füße. Der größte Laufvogel Deutschlands existierte im Eozän vor etwa 45 Millionen Jahren. Er war knapp 2 Meter hoch und wird Diatryma genannt. Reste von diesem räuberischen Vogel, der selbst kleine Säugetiere nicht verschmähte, wurden im Geiseltal bei Halle/Saale (Sachsen-Anhalt) und in der Grube Messel bei Darmstadt (Hessen) geborgen. Diatryma ist auch aus Nordamerika bekannt. Der größte flugfähige Vogel dürfte der mit den Geiern verwandte Argentavis magnificens aus Argentinien gewesen sein, der dort im Miozän vor etwa 8 bis 5 Millionen Jahren heimisch war. Seine Flügelspannweite betrug etwa 7,20 Meter. Er war doppelt so groß wie der heutige Andenkondor, der mit einer Flügelspannweite von 3,30 Metern als der größte fliegende Vogel der Gegenwart gilt. ![]() Stimmes eines Straußes Die größten Strauße lebten vor mehr als 2000 Jahren in Neuseeland. Der dort vorkommende Moa (Dinornis maximus) war bis zu 3,60 Meter groß. Als schwerster Vogel gilt der Madagaskarstrauß (Aepyornis maximus), der noch vor etwa 2000 Jahren auf Madagaskar existierte. Er dürfte das Vorbild für die Legende vom sagenhaften Vogel Rock gewesen sein, der angeblich sogar Elefanten ergreifen und mit ihnen davonfliegen konnte. Das Gewicht des Madagaskarstraußes wird auf etwa 450 Kilogramm geschätzt. * Bestellungen des Taschenbuches "Rekorde der Urzeit" bei: http://www.buch-shop-mainz.de Fri, 01 Sep 2006 10:28:00 +0200 ![]() Nierstein am Rhein - Zum rätselhaften Aussterben der Dinosaurier gegen Ende der Kreidezeit vor etwa 65 Millionen Jahren könnte eine aggressive Grippe, ähnlich der heutigen Vogelgrippe, beigetragen haben. Diese aufsehenerregende Vermutung äußerte Harald Stapf, einer der beiden Betreiber des renommierten Paläontologischen Museums Nierstein unweit von Mainz. Auf diese Idee kam er, als er im Museum zusammen mit einem Freund Eier von Dinosauriern betrachtete. Schützenhilfe bekam Harald Stapf vom Schweriner Zoologen Dr. Wolfgang Zessin. Dieser Experte glaubt zwar wie viele andere Wissenschaftler, dass ein folgenschwerer Meteoriteneinschlag auf der Erde den Dinosauriern den "letzten Rest" gegeben haben könnte, findet aber die Idee einer "Dinosaurier-Grippe" interessant. Viren gäbe es, so lange Leben auf der Erde existiere, erklärte Zessin. Da die Ära der Dinosaurier mehr als 150 Millionen Jahre lang währte, müsse es noch andere Gründ für ihr Aussterben gegeben haben. Eine Grippewelle könnte tatsächlich bereits vor dem Meteoriteneinschlag ganze Arten von Dinosauriern befallen haben. Flugsaurier könnten das Virus, so wie heute Wildvögel die Vogelgrippe, weltweit verbreitet haben. Harald Stapf nimmt seine Theorie selbst nicht tierisch ernst. Viruserkrankungen können nach so vielen Millionen Jahren nicht nachgewiesen werden, räumt er ein. Aber es mache doch Spaß, mal ein bisschen rumzuspinnen, erklärte er gegenüber einer Lokalzeitung. Im Artikel dieser Zeitung hieß es, vielleicht habe der Amateurforscher aus dem kleinen Nierstein ja große Wissenschaftler von renommierten Instituten zum Nachdenken angeregt. Foto oben: Harald Stapf neben einem Ei des Dinosauriers Hypselosaurus aus der späten Kreidezeit vor mehr als 65 Millionen Jahren aus Aix en Provence in Frankreich. Foto: Arnulf Stapf Bild unten: Dinosaurier aus der frühen Kreidezeit vor etwa 120 Millionen Jahren in Deutschland ![]() * Lesetipp: Arnulf Stapf und sein Lebenswerk: Das Paläontologische Museum Nierstein http://dinosaurier-news.blog.de/2005/09/07/arnulf_stapf_und_sein_lebenswerk_das_pal~167616 Fri, 01 Sep 2006 10:25:00 +0200 Leseprobe aus der CD-ROM "Nessie. Das Monsterbuch" von Ernst Probst:
![]() In den Tiefen des Meeres jagen vielleicht monströse Riesenkraken (Riesenkalmare), die noch größer als der bis zu 18 Meter lange legendäre Riesenkrake Architeuthis sein sollen. Manche Wissenschaftler halten 25 oder sogar 50 Meter lange Exemplare für möglich. Bisher gingen rund 200 Riesenkraken entweder Fischern ins Netz oder sie wurden an Küsten besonders von Neuseeland, Neufundland und Norwegen gespült. Von einem großen Polypen mit ungefähr zehn Meter langen Armen berichtete bereits der römische Schriftsteller Plinius der Ältere, der 79 n. Chr. bei einem Ausbruch des Vulkans Vesuv ums Leben kam, in seinem 37-bändigen Werk Naturalis Historia. Darin heißt es, in Carteia (heute Rocadillo in Spanien) habe ein solches Tier die Fischteiche am Meer geplündert und sei von Wachen getötet worden. Jahrhundertelang berichteten Sagen von vielarmigen Seeungeheuern, die Segelschiffe angriffen und deren lange Tentakel bis an die Spitze der Masten reichten. Nach Auffassung des Bischofs Erik Ludvigsen Pontoppidan (16981764), der eine 1755 erschienene Naturgeschichte Norwegens verfasst hatte, waren Kraken mit einer Länge von sage und schreibe mehr als 2,5 Kilometern die unbestreitbar längsten Seemonster der Welt. 1857 beschrieb der dänische Naturforscher Japetus Steenstrup (18131897 das vermeintliche Fabelwesen als Architeuthis monachus (heute: Architeuthis dux) zu deutsch: den Ersten unter den Tintenfischen. In seine Hände war der auf den ersten Blick an einen Papageienschnabel erinnernde Kiefer eines Kraken gelangt, dessen Kadaver man 1853 vor Jütland entdeckt hatte. Seine Beschreibung von 1857 fusste auf einem bei Aalbæk angeschwemmten Exemplar. Der Riesenkrake Architeuthis wurde noch nie in seinem natürlichen Lebensraum beobachtet. Er soll in Tiefen bis zu 1000 Metern im so genannten Abyssal leben und vor allem Tiefseefische jagen. Der Kopffüßer Architeuthis besitzt Augen mit einem Durchmesser von 40 Zentimetern und bis zu 14 Meter lange Arme mit Saugnäpfen so groß wie Suppenteller. Seine Nervenbahnen sind so dick, dass man sie zunächst als Blutgefäße fehldeutete. Architeuthis gehört zu den Kalmaren, die im Gegensatz zu den achtarmigen Oktopussen, den eigentlichen Kraken, zehn Greifer besitzen: acht Fangarme und zwei längere Tentakel mit keulenförmigen Enden. Da sich Männchen und Weibchen der Riesenkalmare in der lichtlosen Unterwasserwelt nur selten treffen, paaren sich diese Giganten auf Vorrat: Die männlichen Tiere deponieren im Körper ihrer Partnerinnen Samenbehälter, die aufbewahrt werden, bis Eier herangereift sind. Als größte Feinde der Riesenkraken gelten die bis zu 30 Meter langen Pottwale oder Spermwale (Physeter catadon). Manche dieser Wale besaßen typische kreisrunde Narben, die bei Kämpfen mit Riesenkraken entstanden oder sie hatten Beutereste von diesen im Magen. * Bestellungen der CD-ROM "Nessie. Das Monsterbuch" bei: http://www.buch-shop-mainz.de * Lesetipp: http://de.wikipedia.org/wiki/Architeuthis Thu, 31 Aug 2006 20:43:00 +0200 ![]() Wiesbaden - Die Erde steht seit ihrer Entstehung vor etwa 4,6 Milliarden Jahren bis heute unter Beschuss aus dem Weltall. Immer wieder schlagen mehr oder minder große Meteorite auf unserem "blauen Planeten" ein. Auch in Deutschland ereignete sich eine kosmische Katastrophe, wie zwei Meteorkrater in Baden-Württemberg und Bayern beweisen. Dies berichtet der Wissenschaftsautor Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim in seinem Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" (ISBN 3-570-20953-9). ![]() Ton Meteoriteneinschlag Die ersten Sterne entstanden vor schätzungsweise 15 bis 20 Milliarden Jahren kurz nach dem so genannten "Urknall". Dieser kosmischen Explosion wird die Entstehung des Weltalls zugeschrieben. Um die Entwicklung zu veranschaulichen, haben Wissenschaftler die unvorstellbar lange Zeitspanne von der Entstehung des Weltalls bis heute in ein einziges Kalenderjahr gedrängt: den so genannten "kosmischen Kalender". In diesem fällt der "Urknall" auf den 1. Januar. Die Entstehung der Erde reicht bis vor 4,6 Milliarden Jahren zurück. Damals wurde unser Planet aus einem Gasnebel "geboren". Unzählige winzige Gaspartikel, Elementarteilchen und Moleküle zogen sich zusammen und bildeten allmählich einen diffusen rundlichen Körper: einen Protoplaneten. Dieser "Ball" begann sich zu drehen. Durch die fortwährende Verdichtung seiner Bestandteile wurde er immer heißer, was zur Bildung erster stabiler chemischer Elemente führte. Dabei wanderte ein großer Teil der in dem Protoplaneten vorhandenen Elemente Eisen und Nickel zum Zentrum und bildete den Erdkern. Als einer der frühesten Zusammenstöße in unserem Sonnensystem gilt der Zusammenprall der Erde mit einem großen Himmelskörper oder mit mehreren vor ungefähr 4,5 bis 4,4 Milliarden Jahren. Beim Einschlag eines schätzungsweise 1000 Kilometer großen Himmelskörpers oder mehrerer kleiner Objekte wurde viel Materie aus der Erde gerissen, ins Weltall geschleudert und in eine Erdumlaufbahn gebracht. Daraus soll sich nach einer Theorie der Mond gebildet haben. Am schnellsten drehte sich die Erde vor rund 4,5 Milliarden Jahren. Damals rotierte sie mehr als doppelt so schnell wie heute um ihre Achse. Das hatte zur Folge, dass ein Erdentag nur schätzungsweise 10 bis 12 Stunden währte. Ein Jahr gegenwärtiger Dauer hatte zu dieser Zeit mehr als 730 Tage. Grund für die "Abbremsung" der Erde ist die Anziehungskraft des Mondes. Die geringste Entfernung zwischen Mond und Erde gab es vor etwa 4,4 Milliarden Jahren. Der Erdtrabant war damals weniger als 200000 Kilometer von unserem Planeten entfernt, heute sind es etwa 384000 Kilometer. Die kürzeste Distanz zwischen Mond und Erde führte dazu, dass der Erdtrabant die Umdrehung der Erde damals stärker bremste, als dies heute der Fall ist. Durch die abnehmende Umdrehungsgeschwindigkeit der Erde wurden die Tage immer länger. Dem stärksten Beschuss durch Meteorite war die Erde vor etwa 4 Milliarden Jahren ausgesetzt. Weil damals die Erdkruste noch nicht stabil gewesen ist, zerbrach sie gebietsweise immer wieder durch die Einschlagskraft der Meteorite. Auch der Mond stand zu dieser Zeit ebenfalls unter heftigem Beschuss durch kosmische Körper aus dem Weltall. Der größte Meteorkrater auf dem Mond ist das Mare Imbrium (Regenmeer) mit einem Durchmesser von etwa 1000 Kilometern. Dieser Krater wurde vor etwa 4 Milliarden Jahren geschlagen und vor etwa 3,5 Milliarden Jahren durch mächtige Lavagüsse ausgefüllt. Als zweitgrößter Meteorkrater auf dem Mond gilt das Mare Crisium (Meer der Gefahren) mit einem Durchmesser von etwa 400 bis 500 Kilometern. Als die größten und ältesten Meteorkrater auf der Erde gelten die Vredefort-Struktur in Südafrika und die Sudbury-Struktur in Ontario (Kanada). Beide haben einen Durchmesser von 140 bis 150 Kilometern und sind vor etwa 1,9 Milliarden Jahren wahrscheinlich jeweils durch den Einschlag eines Meteoriten entstanden. Der größte Meteorkrater Sibiriens heißt Popigai. Sein Durchmesser beträgt etwa 100 Kilometer. Die Alterssehätzungen liegen zwischen 70 und 20 Millionen Jahren. Als größter Meteorkrater Brasiliens gilt der Araguainha-Dom mit einem Durchmesser von etwa 80 Kilometern. Er wurde vor weniger als 250 Millionen Jahren geschaffen. Der größte Meteorkrater Schwedens ist der von Siljan, dort, wo heute der gleichnamige See liegt. Er hat einen Durchmesser von 52 Kilometern und ist vor etwa 365 Millionen Jahren entstanden. Der größte Meteorkrater Deutschlands wurde im Miozän vor etwa 14,7 Millionen Jahren an der Grenze zwischen Baden-Württemberg und Bayern geschlagen. Dieser heute als Nördlinger Ries bezeichnete Meteorkrater hat einen Durchmesser von maximal 24 Kilometern. Er wurde vermutlich durch einen riesigen Steinmeteoriten verursacht, der beim Eintritt in das Gravitationsfeld der Erde in zwei Teile zerbrach. Der größere davon stürzte auf die Gegend des heutigen Nördlinger Rieses, der kleinere auf die etwa 40 Kilometer davon entfernte Gegend von Steinheim (Kreis Heidenheim) in Baden-Württemberg, wo das 3,5 Kilometer Durchmesser erreichende Steinheimer Becken entstand. Bei der "Geburtsstunde" des Nördlinger Rieses wurde innerhalb von Bruchteilen einer Sekunde durch den Aufprall des Himmelskörpers eine Energie freigesetzt, die der Zerstörung von nahezu fünfzig 100 Megatonnen-Atombomben entsprach. Im Mittelpunkt des Geschehens herrschte kurzfristig ein Druck von 5 bis 10 Millionen Atmosphären und eine Temperatur von etwa 10000 bis 30000 Grad Celsius. Gesteinstrümmer bis zu einigen 100 Meter Durchmesser wirbelten kilometerweit durch die Luft. Außerdem stieg ein gewaltiger Rauchpilz in die Atmosphäre auf. Im Umkreis der beiden süddeutschen Meteorkrater wurde alles Leben ausgelöscht. Als der bekannteste und am besten erforschte Meteorkrater gilt der Arizona-Krater zwischen Flagstaff und Winslow in Arizona (USA). Er wurde im Eiszeitalter vor etwa 40 000 Jahren durch einen Eisenmeteoriten geschlagen und hat einen Durchmesser von einem Kilometer. Dieser Eisenmeteorit hatte vermutlich einen Durchmesser von 30 Metern und ein Gewicht von 150000 Tonnen. Er raste mit einer Geschwindigkeit von mehr als 50000 Stunden-Kilometern auf die Erde zu, wo er einen 1 Kilometer breiten und 160 Meter tiefen Krater schlug. Die meisten Meteorite, die heute auf die Erde stürzen, stammen ursprünglich aus dem Asteroiden-Gürtel zwischen den Planeten Mars und Jupiter, wo Tausende von kleinen Himmelskörpern ihre Bahnen ziehen. Die größten davon erreichen einen Durchmesser bis zu 1000 Kilometern, die meisten sind jedoch kleiner. Himmelskörper von unter 1 Kilometer bis zu mehreren 1000 Kilometern Durchmesser nennt man Asteroid, Planetoid oder kleiner Planet. Das Bruchstück eines Asteroiden, das in die Erdatmosphäre eintaucht, heißt Meteoroid. Ein Himmelskörper, der die Erdoberfläche erreicht hat, wird Meteorit genannt. Und das von einem Meteorit geschlagene Loch heißt - laut Duden - Meteorkrater, obwohl ein Meteor eigentlich eine Lichterscheinung ist. Unter den auf der Erde entdeckten Meteoriten kennt man inzwischen aber auch solche, die vom Mars stammen. * Das Taschenbuch "Rekorde der Urzeit" ist erhältlich bei: www.buch-shop-mainz.de ***** Der Autor Ernst Probst Der Wissenschaftsautor Ernst Probst aus dem Wiesbadener Stadtteil Mainz-Kostheim schrieb mehr als 25 Bücher. Er machte sich vor allem durch seine Bücher "Deutschland in der Urzeit", "Deutschland in der Steinzeit" und "Deutschland in der Bronzezeit" einen Namen. Seine Standardwerke über die Steinzeit und Bronzezeit werden in mehreren Bänden des ZEIT-Lexikon erwähnt. Von ihm stammen auch die Taschenbücher "Monstern auf der Spur" und "Nessie. Das Monsterbuch". ***** Verlag Ernst Probst: Der Verlag Ernst Probst wurde 2001 von dem Journalisten, Buchautor, Buchverleger, Fossilien- und Antiquitätenhändler Ernst Probst gegründet. Spezialitäten sind Bücher, Taschenbücher und CD-ROMs aus den Bereichen Biografien, Frauenliteratur, Geschichte, Natur, Wissenschaft und Aphorismen. ***** Kontaktdaten: Verlag Ernst Probst Buch-Shop Mainz Im See 11 D-55246 Mainz-Kostheim http://www.buch-shop-mainz.de Telefon: +49 (0)6134 21152 Fax: +49 (0)6134 26665 E-Mail: ernst.probst@gmx.de Steuernummer: 043 857 603 23 UID-Nummer: DE154994733 |
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